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Felix Huby – Wut

Felix Huby – Wut

Es ist ein ausgesprochen heißer Sommer in Berlin. Es regnet so gut wie gar nicht, und die Natur ist schon so verdorrt, dass man um die Ernte fürchten muss.

Zu genau dieser Zeit wird im Park am Lietzensee der Berliner Rechtsanwalt Doktor Kai Leibrand überfallen und mit einem Karateschlag niedergestreckt. Kommissar Peter Heiland und sein Team beginnen mit den Ermittlungen, obwohl das Opfer nicht tot ist, sondern nur schwer verletzt.

Am Ufer auf der anderen Seite des Sees treffen die Ermittler Carl Finkbeiner und Jenny Kreuters eine Gruppe Jugendlicher, die einem Jungen aus ihrer Mitte zuprosten, der wohl eine Runde Bier für sie bezahlt hat. Der junge Mann heißt Norbert Kleindienst, genannt Nobby, und führt den Geldbeutel des Opfers mit sich. Er sagt aus, er habe Leibrand nicht niedergeschlagen, seinen Geldbeutel genommen und von seinem eigenen Handy die Polizei gerufen.

Die Spur führt zunächst zum Karateklub K2 in der Nähe, wo offenbar mit Drogen Und Anabolika gedealt wird. Doktor Leibrand geht in diesem Klub ein und aus und scheint auch an den dortigen Geschäften beteiligt zu sein. Peter Heilands Frau Hanna, beschäftigt im Rauschgiftdezernat, beginnt, undercover zu ermitteln. Dabei lernt sie Louisa Liebmann kennen, die ausgesprochen gut Karate kann, Tierpflegerin und für Wölfe zuständig ist und einen gehbehinderten, schon etwas älteren Vater hat.

Wenig später stößt Peter Heilands Mitstreiter Norbert Meier auf einen alten Fall vom September des Vorjahres. Im Tiergarten hatte man einen bewusstlosen Mann entdeckt, der durch einen Karateschlag auf die Halsschlagader niedergestreckt und ebenso wie Kai Leibrand nicht ausgeraubt wurde.

Das Opfer in diesem Fall, ein Zahnarzt nahmen es Karl-Günter von Heeren, erlangte – genau wie Doktor Leibrand – sehr bald sein Bewusstsein wieder und konnte keine Angaben zu dem Vorfall machen. Im Unterschied zu Leibrand jedoch verstarb von Heeren vor einem Vierteljahr im Alter von 40 Jahren ohne Fremdeinwirkung. Ansonsten war alles wie bei Peter Heilands anderem Fall.

Der Hauptkommissar überlegt nun, ob Kai Leibrand diesen Zahnarzt vielleicht kannte, irgendetwas mit ihm zu tun hatte, und das Team ermittelt nun gemeinsam weiter in diese Richtung.

Während die Ermittler nun im Leben der beiden Opfer jeden Stein umdrehen, wird mit Leibrands fehlendem Handy ein weiterer Mann in eine Falle gelockt, mit einem Karateschlag niedergeschlagen und nicht ausgeraubt. Dieses Opfer heißt Francesco Ricci, ist etwa so alt wie Leibrand und von Heeren und stammt aus dem Kreis Tübingen. Peter Heilands Team bekommt heraus, dass sich alle drei Opfer aus der Vergangenheit her kannten.

Wir hängt die Geschichte der drei Opfer zusammen, und wer ist der Täter, der offenbar auch mit dieser Geschichte zu tun hat? Haben Heiland und seine Leute zunächst nur wegen des Niederschlags von zwei Männern ermittelt, so ermitteln sie nun wegen Mordes, denn Ricci erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Mit großer Routine entwickelt der Autor seinen Kriminalroman von einer breitangelegten Geschichte am Anfang hin zu immer weiter gesteigerter Spannung bis zum Höhepunkt am Ende.

Sein Erzählstil ist leicht und beschwingt, und seine Charaktere sind sehr gut geschildert, allen voran die Familie Heiland mit Vater, Mutter, kleinem Sohn und Uropa, die natürlich alle, mit Ausnahme des kleinen Heinrich, als Ermittler tätig sind.

Interessant ist hierbei auch das Zusammenspiel von Hanna als Mitglied des Rauschgiftdezernats und Peter als Abteilungsleiter der Mordkommission in diesem Fall, der beide Spektren abdeckt.

Aber nicht nur sie alle sind psychologisch gut beschrieben, sondern auch die anderen Polizeibeamten und die Personen, die sonst noch in diesem Roman agieren, sei es als Täter, sei es als Opfer oder gar beides.

Gut recherchiert sind auch die Passagen, in denen der Autor über den Karatesport schreibt und bestimmte Techniken erläutert, die in der Geschichte zur Anwendung kommen. Berater in diesem Bereich waren nach Mitteilung des Erzählers am Ende des Buches wohl Sonja Hartmann, früher eine der besten deutschen Karatesportlerinnen und ihr Mann Hagen, seines Zeichens Ex-Karatetrainer.

Zudem sehr kompetent geschildert sind die Textabschnitte, in denen Huby über Baden-Württemberg, das Leben und die Leute dort berichtet, da der Ermittler Peter Heiland und sein Großvater sowie einige weitere Personen des Romans ihre Wurzeln in diesem Bundesland haben. Diese Kompetenz ist denn auch der Tatsache geschuldet, dass der Autor selbst aus Schwaben stammt, als Korrespondent des Spiegel für Baden-Württemberg tätig war und zudem Tatorte schrieb, die in diesem Bundesland spielten.

Fazit:
Felix Huby schreibt mit Wut einen Kriminalroman, der sachlich, psychologisch und standorttechnisch rund ist. Ich kann dieses Buch jeden Krimifreund empfehlen, der Interesse an spannenden, gut recherchierten und geschriebenen Kriminalgeschichten hat.

Der Autor:

Felix Huby, mit bürgerlichem Namen Erhard Hungerbühler, wurde im Dezember 1938 in Dettenhausen in Schwaben geboren. Er arbeitete als Reporter und Redakteur bei der Schwäbischen Donau Zeitung in Ulm (heute Südwest Presse), bevor er Korrespondent des Spiegel für Baden-Württemberg wurde.

1976 schrieb er seinen ersten Kriminalroman. In der Folgezeit entstanden eine Reihe von Romanen um Kommissar Bienzle und eine Serie von Tatorten der ARD um die Kommissare Schimanski, Palu und Stöver. Zudem schrieb Huby mehr als 20 Hörspiele, zahlreiche Fernsehserien und acht Theaterstücke.

Er bekam als Schriftsteller unter anderem den Ehrenglauser für sein Gesamtwerk und die Goldene Romy für das beste Drehbuch 2007. Seine Kriminalromane haben bis heute eine Auflage von einer Million Exemplaren erreicht.

Er selbst lebt seit Jahrzehnten in Berlin, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung des Gmeiner Verlags.
  • Foto des Autors. Copyright: Iona Dutz. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung des Gmeiner Verlags.
  • (ww)

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