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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel XX

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

XX. Expedition nach Blanco. Fort Concho. Pumas im Lager. Rio Colorado. Büffeljagd. Milchpunsch. Meine Menagerie.

Kurz darauf bekamen wir Order, zu der Ansiedlung Blanco zu gehen und dort zwei Monate lang zu verweilen, weil sich feindliche Indianer gezeigt hatten. Es wurde gepackt und nächsten Tag befanden wir uns auf dem Weg. Für die erste Nacht hielten wir in einem Tal oder eigentlich in einer Schlucht, wo wir uns recht gemütlich machten, als es gegen Abend furchtbar zu regnen anfing.

Neben uns war ein trockenes Flüsschen, das nun zu einem reißenden Strom herangewachsen war, als ein junger Kerl, Roy, der auf der anderen Seite gewesen war, herüber wollte. Da er aber nicht schwimmen konnte, so wusste er es nicht anzufangen. Wir nahmen ein Lasso und riefen ihm zu, in das Wasser zu gehen, soweit er konnte. Als er dies getan hatte, warf ich ihm das Lasso um den Hals, an dem wir alle zu ziehen anfingen. Roy musste kommen, ob er wollte oder nicht, und wurde in kurzer Zeit auf unserer Seite herausgezogen. Die Zunge hing lang aus dem Mund und er hatte keinen Tropfen Wasser verschluckt, denn das Lasso hatte ihm den Hals fest zugeschnürt. Nur war er beinahe erhängt, doch schadete ihm das nicht; im Gegenteil, es war gut für ihn, wenn er sich beizeiten daran gewöhnte. Mein Pferd hatte ich mit dem Lariat an einem niederen Platz, wo das Gras sehr gut war, an einem Baum befestigt und begab mich dann zur Ruhe. Um meine Kleider trocken zu halten, legte ich sie ab, rollte sie zusammen, wickelte mich in meine Decke und schlief. Bei Tagesanbruch wurde ich durch das Wasser, das über mich floss, geweckt. Der Sattel war von meiner Seite ein ganzes Stück weit weggeschwemmt worden. Als ich nach meinem Pferd sah, fand ich es um den Baum schwimmend. Ich musste selbst schwimmen, um es loszubinden und herauszuholen. Ich sattelte, zog meine Waffen aus dem Wasser, leerte die Stiefel aus und flüchtete mich auf einen Berg, wo bald die ganze Kompanie versammelt war.

Wir ließen die Pferde im Gras gehen und stiegen wieder hinab ins Tal, um die Wagen, die dem Versinken nahe waren, ebenfalls herauszuholen, was nach angestrengter Arbeit auch gelang. Gegen elf Uhr hörte der Regen auf zu fallen und Mittag schien die Sonne herrlich. Es wurde nun alles zum Trocknen aufgehängt und man konnte die tapferen Krieger in Adamskostüm ihre Waffen putzen sehen. Nach vier Stunden war alles wieder so, als ob es nie geregnet hätte.

Am nächsten Morgen setzten wir unseren Marsch fort und erreichten am dritten Tag Blanco, wo wir im Wald unser Lager aufschlugen. Hier hatte ich Gelegenheit, Herrn Gluth von Grape Creek einige Tage zu bewirten. Wir vertrieben uns die Zeit mit Jagen und Fischen. Es kam nichts vor in zwei Monaten, außer dass einmal die Pferde durchgingen. Ich musste damals sechzehn Meilen ohne Sattel im Karriere reiten, bis ich sie wenden und zurücktreiben konnte. Nach Verlauf von zwei Monaten kehrten wir nach Austin zurück, wurden indessen bald darauf nach Fort Concho beordert. Nicht lange danach waren wir auf dem Weg und nach drei Tagen sahen wir das deutsche Städtchen Fredericksburg wieder, wo wir abstiegen und der Captain ein paar Fass Bier traktierte. Zwei Tage darauf erreichten wir Fort Mason. Von dort gingen wir über Kikapoo Springs, in vier Tagen nach Fort Concho, wo wir unsere Zelte alsbald wieder häuslich einrichteten. Da wir gerade zwischen zwei Flüssen, dem North Concho River und dem Concho River, waren, so fehlte es uns nicht an Fischen. Auch war die Jagd sehr ergiebig. Rings um das Lager waren viele Erdhöhlen von Präriehunden. Verschiedene Arten Eichhörnchen, die in der Erde wohnen, waren hier massenhaft sowie andere Arten von Tieren, sodass meine Menagerie bald eine sehr große Dimension annahm. Während der zweiten Nacht wurde ein Puma im Lager erschossen, der zwischen den Zelten herumspazierte, als ob er ein großer General wäre.

Es dauerte nicht lange, so stellten sich auch die Indianer ein, und zwar bei unserem Nachbar H. Tankersley, einem Texaner, der nur hundert Schritte vom Lager entfernt wohnte und Viehzucht betrieb. Während der Nacht kamen sie in die Nähe des Korral, um die Pferde zu stehlen. Da ein Mexikaner sie hörte und hinausging, um zu sehen, was los war, so machten sie einen Angriff auf ihn und jagten ihn um den Korral herum, wobei sie ihm ein Stück Ohr wegschossen hatten, doch erreichte er glücklich das Haus.

In aller Frühe waren wir im Sattel und auf ihrem Trail. Als wir den Quellen des Colorado River näher kamen, fanden wir das Lager einer großen Schar, die aber, von unserem Kommen in Kenntnis gesetzt, die Flucht ergriffen hatte. Die Feuer brannten noch mit Stücken Rostfleisch darauf; einige Stücke Vieh lagen da, von denen nur etwas Fleisch abgeschnitten war, und ein Stier stand noch verwundet daneben. Wir verfolgten die Indianer noch weit. Da sie sich aber zerstreuten, so verloren wir bald ihre Spur und kehrten daher um. Auf dem Heimweg ließen wir uns Zeit. Da wir viele Büffel trafen, so jagten wir sehr viel. Eines Morgens wurde ein Büffel geschossen. Da er sehr mager war, schnitt man ihm bloß die Zunge aus und ließ das andere liegen. Wir ritten weiter. Bald sahen wir einen einzelnen Büffel daher galoppieren, machten sogleich Jagd auf ihn und er war schnell erlegt. Als man aber die Zunge ausschneiden wollte, siehe da, sie war schon fort. Es stellte sich heraus, dass es derselbe Büffel war, den wir kurz zuvor getötet glaubten. Er war wieder zu Leben gekommen, nachdem wir ihn verlassen hatten.

Nach einigen Tagen kamen wir wieder in Fort Concho an, wo wir etwas ausruhten. Auf der anderen Seite des North Concho war eine Wirtschaft von einem gewissen Herrn Eisenstein gehalten, der sich für einen Italiener ausgab, aber kein Wort italienisch sprechen konnte. Dorthin ging ich mit meinem Freund Bill Rey, um den Nachmittag zuzubringen. Wir tranken Milchpunsch. Da aber die Milch zu Ende ging, so tranken wir den Punsch ohne Milch, der uns auch bald in den Kopf stieg. Es wurde gesungen und auf dem Tisch getanzt. Als dies dem Eigentümer nicht gefiel, wurde er zum Haus hinausgeworfen. Gegen Abend gingen wir heim. Da die Brücke über den Fluss aus einem einzigen Brett bestand und wir etwas schwindelig waren, so krochen wir auf Händen und Füßen hinüber, was beinahe eine halbe Stunde dauerte. Drüben angekommen machte Bill Rey einen Sprung und fiel in einen Misthaufen, wo er ruhig einschlief. Ich überließ ihn der Ruhe und ging zu meinem Zelt, wo ich meinen Freund Hill fand. In fünf Minuten hatten wir ein Gefecht, er fiel hinter eine große Kiste und konnte nicht mehr herauskommen. Ich bekam einen kleinen Schnitt über dem Auge und ging zum Hospital, um mir ein Stückchen Heftpflaster zu holen, als zufälliger Weise der Doktor dazu kam, mich sah und ins Bett orderte. Darauf brachte er eine ungeheure Portion Bittersalz, welche ich einnehmen musste. Sobald er fort war, stand ich wieder auf, zündete meine Pfeife an und ließ es mir schmecken, aber auf einmal ging die Tür auf und der Doktor stand vor mir. Nun musste ich wieder ins Bett und die Kleider wurden mir weggenommen, sodass ich nicht mehr aufstehen konnte. Er sagte mir dabei, dass ich sehr gefährlich krank sei und ruhig liegen müsste. Da mir aber gar nichts fehlte, so glaubte ich es nicht, musste aber doch zwei Tage aushalten, bis er mich zu meinem Zelt gehen ließ. Er führte mich aber noch vierzehn Tage lang auf der Krankenliste als dienstfrei fort, welche Zeit ich benutzte, um Eichhörnchen, Präriehunde, Vögel etc. zu fangen. Eines Tages saß ich in meinem Zelt, als ich eine Maus aus einem Loch schauend bemerkte. Ich legte ein Krümchen Käse vor das Loch, welches sie fraß, darauf eines weiter weg. Da kam sie heraus und holte dasselbe ebenfalls. So machte ich fort und in ein paar Tagen brachte ich es so weit, dass sie mir in die Hand hüpfte und sich streicheln ließ. Kurz, sie wurde so zutraulich, dass sie zur Essenszeit auf den Tisch kletterte und mit mir speiste. So trieben wir es einige Monate, als sie eines Tages erschien und acht winzige junge Mäuslein ihr folgten, die sich gar nicht genierten, sondern alles ihrer Mutter nachmachten. Die Gesellschaft wurde nun lebhaft und immer größer. Bald wusste man nicht mehr, wer der Herr im Hause war, ich oder die Mäuse. Eines Morgens hatte ich auf Wache zu gehen und holte meine neue Paradejacke aus der Kiste, als ich in jedem Ärmel ein Nest mit jungen Mäusen fand. Das war nicht das Schlimmste, aber sie hatten der größeren Bequemlichkeit halber ein Loch als Haustür durch jede Schulter gefressen, sodass ich eine Jacke borgen musste, um auf Wache zu ziehen. Ich kündigte ihnen sogleich das Logis in meiner Kiste und richtete ihnen eine eigene Wohnung ein.

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