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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel XVII

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

XVII. Dreimonatige Inspektionsreise über die westliche und nordwestliche Grenze von Texas

An einem Freitag verließen wir Austin, im Ganzen sieben Mann zu Pferde, mit einer vierspännigen Ambulanz, worin General B. und ein Surveyer, der über das Land usw. zu berichten hatte, saßen. Dann kam ein Bagagewagen von sechs Maultieren gezogen, welcher, ehe wir nach Round Rock kamen, im Dreck stecken blieb und erst nach langer angestrengter und schmutziger Arbeit wieder herausgeholt wurde, sodass es zu spät geworden war, um weiter als Round Rock zu gehen, wo wir für die Nacht Halt machten. Samstag gingen wir über lauter Prärieland und machten am Abend bei einem Wasserloch Halt. Sonntag passierten wir die Städtchen Salado und Belton und kampierten nachts am Leon River. Der Montag brachte uns gegen Abend nach einer aus fünf Häusern bestehenden Stadt, Mastersville genannt, und Dienstag nach einem angestrengten Marsch erreichten wir die Stadt Baeo, welche am Brazos River steht.

Mittwoch trafen wir auf ein einzelnes Haus, Pattens Mühle genannt, Donnerstag Prärie, Freitag durch die Ansiedlung Buchanan und Schlafen auf der Prärie, Samstag ebenfalls Prärie. Sonntag kamen wir durch Weatherford und hielten diesmal im Wald. Montag abends kamen wir nach Jacksboro (Fort Richardson), wo wir uns zwei Tage der Ruhe erfreuten, gingen Donnerstag wieder ab und erreichten ein altes verlassenes Fort (Belnap), das mitten im Wald liegt. Wir machten es uns in den Ruinen bequem. Auch schossen wir während der Nacht eine Anzahl Truthühner. Freitag kamen wir nach Fort Griffin, das an einem Zweig, Clear Fork genannt, des Brazos River liegt. Hier wohnen auch die Tonkowa. Da mir ein paar Tage Zeit hatten, so amüsierten wir uns, indem mir durch ihr Lager spazierten, wo wir überall die Frauen beschäftigt fanden mit dem Zubereiten von Fellen, meistens Büffelfellen, mit dem Verfertigen von Mokassins, Kochen, Brennholz herbeischleppen und anderen schweren Arbeiten, während die Krieger herumlagen, rauchten oder eine Art Fußball spielten. Die Jugend kugelte herum, wie sie Gott erschaffen, im Sand, in Pfützen und im Fluss. Hunde waren ebenfalls sehr zahlreich, eine hungrige, wilde Art, halb Wolf, halb Hund, schnippische und mürrische Tiere, die es bei Nacht für einen Weißen unmöglich machen, in das Lager zu kommen. Als ich vormittags in unserem Lager saß, kam ein alter Tonkowa im Gala-Anzug, der aus weiter nichts als einem alten Papierkragen bestand, hereinspaziert und gab mir in gebrochenem Englisch zu verstehen, dass er »Haufen hungrig« sei. Ich hatte eine Masse Fleisch vorrätig gekocht, was ich so auf sechs Pfund schätzte, stellte die Schüssel vor ihn hin und bat ihn, sich selbst zu bedienen, was er auch tat. In unglaublich kurzer Zeit war der ganze Vorrat an Fleisch aufgegessen. Der alte Kerl rieb sich vergnügt den Bauch und sagte schmunzelnd »Haufen gut«, worauf er sich entfernte, aber in fünf Minuten wieder kam, diesmal mit einem Blechkessel. Er sagte: »Krank Kind, Supp.«

Da ich einen Feldkessel mit Suppe dastehen hatte, so füllte ich sein Geschirr, hoffend, dass es dem kranken Kind gut bekommen möge, worauf er sich entfernte und bald hinter einem nahen Felsen verschwand. Etwas neugierig schlich ich ihm nach, und hier war das kranke Kind in Person des alten Schwindlers, ganz ruhig den Kessel Suppe trinkend.

Eines Morgens fand ich die Tonkowa bei einer Beratung, welche bald nach meiner Ankunft endete. Ein alter Indianer trat hervor, setzte sich auf einen Felsen und begann zu singen, als ein Krieger mit dem Beil bewaffnet herbei kam und ihn auf den Kopf schlug, dass er tot zur Erde stürzte. Auf meine Frage, warum das geschehe, antwortete man mir: »Er Haufen alt, nicht mehr gut.«

Es schien bei diesem Stamm Sitte zu sein, dass man die alten Leute, welche nicht mehr mitreiten und fortkommen können, mit ihrer Zustimmung ganz ruhig auf den Kopf haut, um sie zu den glücklichen Jagdgründen zu senden. Andere Stämme lassen oft ihre hilflosen Alten zurück, mit einigen Tagen Proviant versehen, welche dann elend umkommen. Ein anderes Mal badeten Tonkowa im Fluss (Clear fork the Brazos), als eine Squaw (Frau) von dem sehr hohen Ufer Kopf über in das Wasser sprang. Unglücklicherweise war aber hier gerade ein Felsen unter dem Wasser, an welchem sie den Kopf zerbrach und augenblicklich tot war. Die anwesenden Indianer lachten nur, ohne Miene zu machen, den Körper, welchen der Strom mit sich fort nahm, herauszuholen und sagten: »Squaw Haufen dumm, warum springt so hoch.«

Am Montag machten wir uns zur Abreise fertig und da General B. noch Büffel jagen wollte, so wurden die Wagen und die Eskorte fortgeschickt, während ich mit General B. zurückblieb, um auf die Büffeljagd zu gehen und dann auf kürzerem Weg die Wagen einzuholen. So ritten wir hinaus, in Begleitung von einem halben Dutzend grün, gelb und rot bemalter Tonkowa-Krieger, und erlegten bald eine Anzahl Büffel, welche wir den Indianern überließen und zur Straße ritten, wo wir die Wagen zu treffen hofften. Dort angekommen, fanden wir nichts, ritten daher langsam zurück gegen Fort Griffin, wo wir fünf Meilen vom Fort die Wagenspuren, einen falschen Weg nehmend, sahen. General B. befahl mir, den Spuren nachzugehen und die Wagen zurück nach Fort Griffin zu bringen, wohin er selbst sich wandte. So trabte ich fort und hatte keine Schwierigkeit, die Spuren zu behalten, bis sie auf einmal abbogen und eine ganz andere Richtung einschlugen. Der Kommandant von Fort Griffin hatte bemerkt, dass die Wagen den falschen Weg genommen hatten, sandte daher einen Indianer nach, um sie auf den richtigen zu bringen. Es war dort, wo er mit ihnen aufgekommen war, um sie nach Indianerfasson über Berg und Tal auf den ziemlich weit entfernten richtigen Pfad zu bringen.

Sie hatten einen großen Vorsprung gewonnen, da ich auf felsigem Boden sehr vorsichtig sein musste, um die leichten Spuren nicht zu verlieren, was auch im dicken, trockenen Gras leicht möglich war, da die Räder oft streckenlang gar keine Spurrillen gemacht hatten. So ging es fort den ganzen Vormittag. Als ich gegen drei Uhr nachmittags auf rollende Prärie kam, wo ich dahinritt, die Augen nicht vom Boden auflüftend, als mich das Schnorten meines Pferdes aufmerksam machte. Ich sah auf und die Prärie war von drei Seiten im Feuer. Es war windig, zum Umkehren schon etwas zu spät. So wählte ich den ersten Platz, wo das Gras niedriger war, daher weder ein so hohes noch so heißes Feuer wie auf anderen Stellen machte, und schlug Tom die Sporen ein. Mit einigen gewaltigen Sätzen sprang er über und durch das Feuer, und im Nu waren wir auf schwarzem, abgebranntem Boden, der bei dem schnell dahinlaufenden Feuer gar nie recht heiß wird und bald wieder abkühlt. Mein Pferd hatte die Haare an den Beinen versengt, außer diesem aber keinen Schaden genommen.

Ich war nun in einer gemütlichen Stellung, denn die Wagenspuren waren verlöscht, die Sonne war beinahe untergegangen, worauf es dort schnell Nacht wird. Durst und Hunger hatte ich auch etwas. So stieg ich ab, füllte meine Pfeife. Nachdem ich einige Züge geraucht hatte, kamen meine Ideen wieder klar. Ich wusste, dass die Prärie sich nicht von selbst entzündet, und wer sollte es tun außer meinen Leuten, was sich auch später so herausstellte. Ein gewisser Graves hatte es getan, um Pfeifen daran anzuzünden. Also, um meinen Leuten wieder auf die Spur zu kommen, musste ich gehen, wo das Feuer angefangen hatte, was leicht zu finden ist, da es ja mit dem Wind läuft. So stieg ich auf, galoppierte fort und kam gerade, als es dunkel wurde, an die Ecke, wo der Brand gelegt worden war, fand auch natürlich den Trail wieder. Ich ritt noch eine Stunde, konnte aber dann in der Finsternis nichts mehr sehen, fürchtete meinen Weg ganz zu verlieren und beschloss deshalb, für die Nacht Halt zu machen, stieg ab, lockerte den Sattel etwas, nahm den Zaum ab, band mein Lariat (langes Seil) ans Pferd. Da weder Baum noch Strauch war, um es festzubinden, so band ich es mir ans Bein, legte mich hin und fiel in einen Schlummer, aus dem ich schnell wieder geweckt werden sollte. Denn es dauerte nicht lange, als eine Herde Büffel vorbeigaloppierte, welche mein Pferd so erschreckte, dass es im gestreckten Galopp davonjagte. Da es aber an einem Ende des Seiles fest war und mein Bein am anderen, so ging ich natürlicherweise auch mit und fuhr über die Prärie, gerade wie der Schnellzug von Fürth. Glücklicherweise waren keine Kakteen auf dem Weg, sonst hätte die Schlittenpartie unangenehm werden können. Mit der Zeit sah auch mein Pferd ein, dass es Zeit zum Stehenbleiben sei und ich führte es zurück, wo ich nach vielem Suchen im Dunkeln meine Sachen wiederfand. Ich hatte keine Lust mehr zu schlafen, da Wölfe und Büffel mein Pferd fortwährend ängstigten. So stopfte ich meine Pfeife, setzte mich aufs Pferd, steckte beide Hände in die Taschen und ließ es gehen, wohin es Lust hatte. Es schlug bald seine Richtung ein, die Nase bis auf die Erde haltend, wie ein Spürhund.

Nachdem es eine Zeit lang im Schritt gegangen war, fing es an zu traben. Als es an eine Anhöhe kam, galoppierte es hinauf und begann zu wiehern. Oben angelangt, sah ich vor mir im Tal ein Wachtfeuer, das Lager meiner Leute, worauf ich so schnell wie möglich zuritt, ihnen von Weitem zurufend, um nicht für einen Indianer gehalten zu werden. Sobald ich mein Pferd versorgt hatte, machte ich mich über ein paar Pfund Büffelfleisch, einen Becher Kaffee her, worauf ich mich zur Ruhe begab. Am Morgen in aller Frühe sandte ich die Ambulanz und zwei Mann Bedeckung zurück zum Fort Griffin, um General B. abzuholen. Als dieser nachmittags unser Lager erreichte, so ritten wir noch acht Meilen weiter.

Mittwoch gingen wir über Deed Mans Creek und Phantom Hill, einem alten verlassenen Ort, wo vor einigen Jahren eine ganze Kompanie Soldaten von Indianern überfallen und massakriert worden war, und hielten in der Nähe von Comanche Pike. Darauf passierten wir Deed Mans Hole, welches seinen Namen von sieben dort gefundenen, von Indianern getöteten und verstümmelten Leichnamen hat. Kurz, ganz Texas ist ein großer Kirchhof, von dessen Bewohnern kaum einer eines natürlichen Todes gestorben ist. Bei Mountain Pass hielten wir einige Minuten, um Woods Grab etwas in Ordnung zu bringen, und machten unseren Halt für die Nacht einige Meilen weiter in der Prärie, an einem kleinen Bächlein, wo sich nachts einige Indianer ums Lager schlichen. Als wir aber durch unsere Maultiere darauf aufmerksam gemacht wurden, welche die Ohren spitzten und damit auf den Platz deuteten, wo die Fremden waren, zogen sie sich nach ein paar Kugeln, die wir ins Gebüsch schossen, eiligst zurück.

Freitag erreichten wir ein anderes altes Fort, Chatburn genannt, wo sich eine Poststation, von drei Soldaten bewacht, befindet. Wir hatten mehrere Tonkowa von Fort Griffin als Führer mitgenommen, mit welchen einige von uns gewöhnlich vorausritten. Als wir uns Chatburn näherten, trafen wir zwei der dort stationierten Soldaten etwa zweihundert Schritte vom Haus im Wald an. Diese ergriffen, sobald sie die Tonkowa sahen, eilig die Flucht und liefen den Gebäuden zu, da sie sich von feindlichen Indianern überfallen dachten. Wir stießen einen Schrei   aus und sprengten ihnen nach, durch die Tür in das Haus, noch ehe sie Zeit hatten, dieselbe zu schließen. Sie standen alle drei da und bebten vor Aufregung, die sich jedoch legte, sobald sie Zeit fanden, uns anzusehen und die Uniform zu bemerken. Der Corporal hatte sich in der Eile, um das Haus in Verteidigungszustand zu setzen, einen Finger halb abgerissen und stand nun etwas beschämt da. Gleich darauf traf General B. ein, und sie halfen uns das Lager für die Nacht in Ordnung zu bringen.

Samstag ritten wir zweiunddreißig englische Meilen und schliefen bei einem Wasserloch, Crows nest, von einem Rabennest, das sich daneben auf einem hohen Baum befand, so genannt. Sonntagvormittag hielten wir unseren Einzug in Fort Concho, wo eine Garnison von Negertruppen ist. Hier verweilten wir drei Tage. Das Fort liegt gerade zwischen zwei Flüssen, dem North Concho River und dem South Concho River, die sich dort vereinigen und den Concho River bilden. Am Mittwoch traten wir unsere Reise wieder an, folgten dem North Concho River stromaufwärts und hielten nahe an seinen Quellen. Auf dem Weg kamen wir durch Camp Charlotte, einem seit vorigem Jahr verlassenen Posten, wo vor zwei Monaten ein dreitägiges Gefecht zwischen Goldgräbern von Kalifornien und Comanchen stattgefunden hatte. Nachdem die Goldgräber einen Indianer und alle ihre Pferde getötet hatten, erreichten sie nach einigen Strapazen glücklich Fort Concho. Wir fanden viele Pfeile, einige zerbrochene Bogen und andere Waffenstücke auf dem Hauptschlachtfeld. Donnerstag früh füllten wir unser Wasserfass, da wir die Staked Plains zu passieren hatten, und gingen weiter nach Flat Rock, wo wir etwas Wasser in einer Pfütze fanden, das aber so voll von totem Vieh und Wild lag, dass es unsere durstigen Pferde nicht anrührten. Hier ging Herr D. (Surveyer) wie gewöhnlich in der Nähe des Lagers umher, um Mineralien und Pflanzen zu sammeln, als er auf einen großen Wolf stieß, der ganz gemächlich dasaß und ihn beobachtete. Herr D., der ihn für einen Hund hielt, pfiff und lockte ihn. Als er sich aber nicht rührte, ging D. auf ihn zu, um ihn zu streicheln. Aber der vermeintliche Hund ließ es dazu nicht kommen, sondern fing an zu knurren und die Zähne zu fletschen, sodass er Herrn D. Angst einflößte, welcher sich dann eilig aus dem Staub machte. Ich ging darauf hinaus, um das Tier zu schießen, aber es ließ mich nicht nahe genug kommen, sondern nahm Reißaus.

Freitag hatten wir noch fünfundvierzig englische Meilen ohne Wasser zu marschieren, bis wir den Pecos River erreichten, dessen Wasser da etwas salzig ist und wo man auf hundert Meilen weder Baum noch Strauch findet. Hätten wir nicht ein leeres Mehlfass im Wagen gehabt, das wir zerschlugen, um Feuer damit zu machen, so hätte es schlecht für Kaffee ausgesehen. Erst liefen wir aber weit umher, um alles, was zum Verbrennen verwendbar ist, aufzusuchen, wobei ein junger Kerl etwas aus dem Boden hervorragen sah. Als er daran zog, kam das Skelett eines Mannes zum Vorschein, der seinerzeit dort ermordet und nur leicht mit losem Sand bedeckt worden war. Wir begruben ihn wieder und steckten ein Kreuz auf mit der Inschrift Grab eines Unbekannten, von denen man im Westen so viele findet.

Nach dem Abendessen wurden die Wachen aufgestellt. Gegen zehn Uhr begaben wir uns zur Ruhe, als wir durch ein fürchterliches Geschrei, wobei man einige Worte, wie Hilfe, Mörder etc., verstand und das vom Fluss herzukommen schien, aufgeweckt wurden. Denkend, dass vielleicht Reisende von Indianern angegriffen worden waren, nahmen wir unsere Waffen und liefen so schnell wie möglich zu der Stelle, um Hilfe zu leisten, aber was sahen wir? Am steilen und nassen Ufer des Flusses lag Herr D. auf dem Rücken, einen Fuß im Wasser, und der ganze Körper langsam nachrutschend, da er sich nirgends festhalten konnte. Mit beiden Händen klammerte er sich an einer Schnur fest, an deren Ende im Wasser etwas ganz gewaltig zappelte und ihn langsam ins Wasser zog. Er war gleich nach dem Essen herausgekommen, um zu fischen, hatte einige Fische gefangen, zuletzt aber etwas an den Haken bekommen, das so gerissen hatte, sodass er auf dem steilen Ufer ausrutschte und gefallen war. In dieser Lage fanden wir ihn, doch hielt er fest an der Schnur und ließ nicht los. Als wir ihm aufhalfen und die Beute einzogen, fand sich ein Cadfifsh, der fünfundsiebzig Pfund wog, also keine Kleinigkeit, das aus dem Wasser zu ziehen. Wir kehrten zum Lager zurück, wo wir nicht mehr während der Nacht gestört wurden, außer durch das Geheul zahlloser Wölfe, die sich da herumtummelten.

Samstag erreichten wir, nach einem Ritt von fünfunddreißig englischen Meilen, Fort Stockton, auch sonst Comanche genannt, wo wir wieder einige Tage wohlverdiente Rast hatten. Da aber die Garnison aus Negern bestand, so schlugen wir unser Lager außerhalb des Forts an einer Quelle auf, wo es kein Holz gab. Das Brennholz dort bestand aus kleinen Mesquitwurzeln, die vierundsiebzig Meilen von hier ausgegraben und um sechzehn Dollar per Maß an die Regierung verkauft werden. Der Holzstoß des Forts war von den Negersoldaten bewacht. Als es dunkel war, nahm ich einen großen Sack, schlich mich hin und füllte ihn mit Wurzeln vom Holzstoß, ohne das geringste Geräusch zu machen. Als ich mir aber den Sack auf den Rücken warf, stolperte ich dabei und machte ein ganz elendes Geklapper, worauf der Wachtposten Wer da? rief und sogleich zu schießen anfing, ich aber zu laufen, den schweren Sack auf dem Rücken behaltend, denn ich dachte, im Fall mich der Esel zufälligerweise in der Finsternis doch treffen sollte, so ginge die Kugel nicht durch einen Sack Holz, kam auch glücklich mit meiner Beute in unser Lager, wo wir zu braten und zu kochen anfingen.

Von hier ritten wir zum vierundsiebzig Meilen entfernten Fort Davis in einem Tag, doch wechselten wir Pferde halbwegs und kehrten am nächsten Tag wieder zurück. Auf dem Weg kommt man nach Leon Holes, ein großes Loch reinen Wassers, dessen Tiefe man noch nie gemessen hatte und wo ganz unten ein Strom zu gehen scheint. Man sagt hier mit Recht, das Wasser habe keinen Boden. Es wird erzählt, dass einst ein großer mexikanischer Wagenzug während der Nacht dort anlangte. Da sämtliche Wagenräder von der Hitze dem Verfall nahe waren, nahmen sie dieselben alle ab und legten sie in das Wasser, wo sie den nächsten Tag vergebens danach suchten. Auch geht man durch die vierzehn Meilen lange Schlucht Olympia Canyon, deren Wände steil und mehrere hundert Fuß hoch sind, und die an manchen Stellen so eng ist, dass gerade ein Wagen hindurch kann. Diese Gegend ist arg verschrien, da sie seit vielen Jahren der Schauplatz unzähliger Gemetzel und Kämpfe mit Indianern war und noch ist.

An einem Sonntagmorgen verließen wir Fort Stockton wieder und kehrten zum Pecos River zurück. Montag hielten wir bei Chinee pawns, Dienstag bei Mustang pawns, Mittwoch kamen wir durch Camp Charlotte, wo ich ein Stinktier schoss, welches die ganze Gegend mit Wohlgeruch erfüllte. Dann hielten wir am Concho River. Donnerstag kamen wir nach Fort Concho zurück, wo die Negertruppen gerade bezahlt wurden und einer von unseren Leuten den Negern etwas Geld abgewinnen wollte. Da die Neger mit Blei gefüllten Würfeln spielten, verlor er zwanzig Dollar, statt zu gewinnen. Abends wohnten wir einigen Raufereien bei, wo betrunkene Neger jedes Mal mit Rasiermessern, ihrer Lieblingswaffe, fochten. Freitag gingen wir über Lepan Springs nach Kikapooh Springs, wo auch eine Partie Texasleute in unserer Nähe campierte, denen Indianer während der Nacht die Pferde stahlen.

Samstag erreichten wir Fort Mc. Kavett, wo ebenfalls Negertruppen waren. Montags zogen wir wieder ab und machten bei einem im Wald liegenden Haus Halt. Mittwoch ritten wir durch Fort Mason nach Cold Springs und Donnerstag nach Fredericksburg, wo unser Herr D. am Abend aus der Stadt heimgetragen werden musste. Er hatte die Strapazen der Reise gut ausgehalten, aber das Fredericksburger Bier war doch zu viel für ihn geworden.

Freitagabends fanden wir uns am Guadalupe River. Samstag passierten wir die deutsche Stadt Boerne und übernachteten in Leon Springs, wo uns General B. mit heißen Punsch traktierte. Sonntagmorgens kamen wir nach San Antonio, wo wir zwei Meilen vor der Stadt campierten. Sobald wir abgesattelt hatten, ließen wir die Pferde laufen und gingen samt und sonders zur Stadt, das Lager auf sich selbst achtgeben lassend. Als wir am dritten Tag wieder zurückkamen, fanden wir alles in Ordnung, ausgenommen die Pferde waren nirgends zu finden, obwohl man die ganze Gegend durchsuchte. Als wir am Mittwoch alle Hoffnung aufgegeben hatten, sie zu finden und schon beim Abendessen saßen, spazierten dieselben plötzlich ganz stolz ins Lager. Wir sattelten sogleich und ritten noch acht Meilen weiter an ein Flüsschen, Texas Slough genannt. Abends amüsierten wir uns in dem hübschen deutschen Städtchen New-Brownfield. Freitag sah man uns am Blanco River und Samstag gingen wir über den Colorado nach Austin, nachdem wir so lange Zeit fort gewesen und mehrere tausend Meilen zurückgelegt hatten.

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