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Die Sternkammer – Band 1 – Kapitel 12

William Harrison Ainsworth
Die Sternkammer – Band 1
Ein historischer Roman
Christian Ernst Kollmann Verlag, Leipzig, 1854

Zwölftes Kapitel
Die Verhaftung und Befreiung

Lupo Vulp hatte versucht, Sir Giles von seiner Absicht abzubringen, Jocelyn sogleich zu verhaften, indem er ihm die große Gefahr vorstellte, der er sich aussetze, sowohl wegen des entschlossenen Charakters desjungen Mannes selber, der gewiss entschlossenen Widerstand leisten würde, als auch wegen der Stimmung der Gesellschaft, die offenbar einem solchen Schritte abgeneigt wäre und eine Störung veranlassen könne, die wahrscheinlich mit der Befreiung des Gefangenen enden würde.

»In jedem Fall, Sir Giles«, sagte der listige Notar, »muss ich Euch raten, zu warten, bis der größte Teil der Gäste fort ist und die Versammlung draußen sich zerstreut hat, denn ich bemerkte viele unruhige Lehrlinge unter der Menge, die gewiss sehr lästig sein werden.«

»Da der junge Mann sich für jetzt nicht geneigt zeigt, das Haus zu verlassen«, versetzte Sir Giles, indem er Jocelyn von der Seite ansah, der sich gerade mit Madame Bonaventure zu einem anderen Teil des Raumes begab, so ist es nicht notwendig und es mag immerhin klug sein, einige Augenblicke zu warten, die Ihr vorschlagt, mein guter Lupo. Aber ich will ihn nicht aus den Augen lassen. Aus ihren Gebärden und Blicken bemerke ich, dass unsere schlaue Wirtin einen Plan mit ihm bespricht. Macht nur immer fort, schöne Madame, Ihr müsstet mehr Schlauheit besitzen, als ich Euch zutraue, wenn Ihr mich an einem Tag zweimal überlisten wolltet. Ich kann mir denken, was sie beabsichtigt. Ihr seht doch die Seitentür in ihrer Nähe, Lupo? Sie rät dem Jüngling, dorthin zu entfliehen und er ist töricht genug, nicht auf ihren Vorschlag eingehen zu wollen. Aber es wird gut sein, den Ausgang zu bewachen. Hört, Lanyere«, fügte er zu dem Ankläger gewendet hinzu, »nehmt drei Männer mit Euch und geht rasch zu dem Gang herum, mit welchem jene Tür in Verbindung steht. Stellt Euch in der Nähe des Ausganges auf und wenn Mounchensey herauskommt, so verhaftet ihn augenblicklich. Ihr seht doch die Tür, die ich meine? Schnell ans Werk!«

Lanyere entfernte sich augenblicklich mit drei von den Söldnern.

»Ich wünschte, seine Verhaftung könnte auf gesetzliche Weise bewerkstelligt werden, Sir Giles«, sagte Lupo Vulp, »durch einen Sergeanten oder Staatsboten. Dann würde keine Gefahr mehr sein. Ich rate Euch noch einmal, nach der Regel zu verfahren. Es würde keine große Zögerung erfolgen, wenn Eure Gnaden nach Westminster gingen und eine Klage gegen den jungen Mann erhöben. In diesem Fall würde ein Gerichtsdiener abgeschickt werden, um sich seiner Person zu bemächtigen; und selbst, wenn er inzwischen das Haus verlassen sollte, wird Lanyere seine Spur verfolgen. Das wäre das sicherste Mittel. Es ist nicht wahrscheinlich, dass dieser junge Mann bei seinem halsstarrigen Temperament, vereint mit seinen fantastischen Ansichten von Ehre, die Beschuldigung Eurer Gnaden leugnen wird. Und wenn sein Geständnis von ihm selber niedergeschrieben und unterzeichnet ist, kann es gegen ihn angewendet werden, wenn man ihn vor die Schranken der Sternkammer führt. Dann wird man ihn nach seiner eigenen Aussage verurteilen. Eure Gnaden werden bald mit ihm fertig sein.«

»Wenn der Beklagte bekennt, geht die Sache freilich schneller«, versetzte Sir Giles. »Niemand weiß besser, als Ihr, guter Lupo, wie rasch der Gerichtshof der Sternkammer sein geschmähtes Ansehen rächen und wie schwer es diejenigen bestrafen wird, welche seiner Würde Abbruch tun wollen. Kein Teil des Urteils soll mit meiner Zustimmung nachgelassen werden. Dieser unverschämte Bursche soll in demselben Grade leiden wie Lanyere. An den Pranger gestellt, gebrandmarkt, verstümmelt und entehrt, soll er für meine Feinde als Warnung dienen.«

»Ihr könnt kaum eine ärgere Vogelscheuche aus ihm machen, wie Ihr aus Lanyere gemacht habt«, entgegnete Lupo grinsend. »Aber wollt Ihr Euch zuerst an den geheimen Rat wenden?«

Nein, versetzte Sir Giles, ich will ihn nicht aus den Augen verlieren. Er soll keine Gelegenheit zur Flucht haben. Bemerkt Ihr nicht, Lupo, wie der unbesonnene Tor sich Buckingham verfeindete? Und denkt Ihr, dass der stolze Marquis mich für tadelfrei halten würde, wenn er zufällig nach einer solchen Beleidigung ungestraft davonkommen sollte? Aber seht! Der Raum ist beinahe leer. Es sind nur noch wenige Nachzügler zurück. Die Zeit ist da.«

Er war im Begriff, zum Angriff zu kommandieren, als die Störung vor dem Haus hörbar wurde und ihn einen Augenblick zurückhielt. Sir Giles überlegte, welches die Ursache des Tumultes sein möge, und ob er hinausgehen und Sir Francis unterstützen solle, im Fall er des Beistandes bedürfen sollte, als die geschlagenen Söldner in den Raum stürzten. Einige Worte reichten aus, um zu erklären, was geschehen war. Die blutigen Gesichter von einigen der Männer zeigten, wie rau man sie behandelt hatte. Obwohl sehr verbittert, war Sir Giles entschlossen, sich nicht um seine Beute bringen zu lassen. Da er befürchtete, Jocelyn könnte ihm in der Verwirrung entkommen, wenn ein Angriff von den Lehrlingen stattfinden sollte, so gab er Befehl, ihn augenblicklich zu verhaften, und eilte, wie oben erzählt, auf ihn zu. Wie seine Absicht vereitelt wurde, ist bereits erzählt worden. Seine Wut kannte keine Grenzen, als der junge Mann verschwand. Er stieß mit aller Kraft gegen die Tür, aber sie widerstand all seinen Anstrengungen, sie zu sprengen. Plötzlich wurde der Riegel geöffnet und Clemens Lanyere und seine Leute standen vor ihm.

»Habt Ihr ihn in Sicherheit gebracht?«, fragte Sir Giles, der den Flüchtling unter ihnen zu entdecken suchte. »Tod und Teufel! Ihr habt ihn doch nicht entfliehen lassen?«

»Es ist niemand an uns vorübergekommen, nur Madame Bonaventure«, versetzte der Ankläger. »Sie war ohne Begleitung und kam hierher. Wir standen in jenem Vorzimmer, welches die einzige Verbindung mit diesem Gang zu bilden scheint, und der junge Mann hätte uns daher begegnen müssen.«

»Ihr pflegtet doch sonst nicht so kurzsichtig zu sein, Lanyere. Es muss noch ein anderer Ausgang da sein, den Ihr nicht entdecktet«, rief Sir Giles wütend.

»Ha! Hier ist er!« fuhr er fort, indem er ein Stück Tapete auf die Seite warf, welches eine kurze Treppe verbarg. »Ihr blinden Lümmel, dies nicht zu finden! Ihr sollt mir für Eure Nachlässigkeit büßen, wenn wir ihn nicht fangen.«

Von dem Trupp begleitet, eilte er die Stufen hinunter, die ihn zu einem niedrigen Zimmer führten, welches auf der einen Seite mit einem kleinen Hof und auf der anderen mit der Küche und den übrigen zum Haushalt gehörigen Gemächern in Verbindung stand.

Lanyere befehlend, die Letztere zu durchsuchen, eilte Sir Giles auf den Hof und stieß ein wildes Freudengeschrei aus, als er Jocelyn, den Degen in der Hand, eine Mauer erklimmen sah, welche den Hof von dem Kegelplatz trennte.

Die Wirtin hatte nämlich einige Schwierigkeit gefunden, eine Tür zu öffnen, die von dem Hof zum Rasenplatz führte und deren Schloss so verrostet war, dass es sich in der Schnelligkeit nicht öffnen ließ. Dieser Aufschub begünstigte die Verfolger. Als Jocelyn eine Annäherung hörte, versuchte er auf die erwähnte Weise zu entfliehen. Madame Bonaventure war Sir Giles ferner ohne ihre Absicht behilflich, denn in demselben Augenblick, als er herbeikam, gelang es ihr, das verrostete Schloss zu öffnen. Da jetzt kein Hindernis vorhanden war, schob der Ritter sie unsanft auf die Seite und eilte durch die Tür, gerade als Jocelyn von der Mauer heruntersprang.

Ohne die Aufforderung des Sir Giles zu beachten, eilte der junge Mann weiter, bis er die Mitte des Rasenplatzes erreichte, wo er die Flucht unmöglich fand, da er keinen Ausweg am Ende des Gartens sah, während es gewiss war, dass die Häscher ihn mit ihren Haken von der Mauer herunterziehen würden, wenn er hinüberzuklettern unternähme. So drehte er sich um und stellte sich zur Verteidigung auf.

Da er den Ruhm zu haben wünschte, ihn allein zu entwaffnen und sich auf seine überlegene Stärke und Geschicklichkeit verließ, winkte Sir Giles seinen Söldnern, zurückzutreten, während er sich allein dem jungen Mann näherte. Er glaubte, eine Bewegung seines starken Handgelenks würde hinreichen, seine Absicht zu erfüllen, aber er entdeckte seinen Irrtum, sobald er mit seinem Gegner zu fechten anfing. Er war ihm an Geschicklichkeit und Stärke vollkommen gewachsen, während Jocelyn ihn an Schnelligkeit und Gewandtheit übertraf. Die tödlichen Blicke, die der junge Mann ihm zuwarf, zeigten, dass die Feindschaft des Letzteren sich nur durch Blut befriedigen lassen werde. Seine Absicht ändernd, stieß Sir Giles daher, anstatt seinen Degen mit dem eines Gegners zu kreuzen, rasch eine Quart über dem Arme, die augenblicklich pariert wurde. Einige Minuten lang währte der Kampf ohne wesentlichen Erfolg auf beiden Seiten. Seinen Degen kurzfassend mit der Spitze zum Gesicht seines Gegners, zog sich Jocelyn Anfangs einige Schritte zurück, griff ihn dann wieder an und gewann schnell seinen Platz. Es wurden viele geschickte Ausfälle gemacht, woran sich die Söldner ergötzten, die größtenteils Liebhaber vom Fechten waren. Endlich beschloss Sir Giles, dem Gefecht ein Ende zu machen. Da er fand, dass sein Gegner beständig auf seiner Hut war, so machte er einen neuen raschen Ausfall; aber mit einer wunderbar geschickten Wendung schlug Jocelyn die Klinge des anderen nieder und erwiderte mit einer Terz, die offenbar hätte treffen müssen, wäre nicht in demselben Augenblick, als die Spitze seines Gegners Brust berührte, ihm sein Degen von Clemens Lanyere aus der Hand geschlagen worden. Zugleich wurden die Arme des jungen Mannes von zwei Söldnern von hinten ergriffen und er war in der Gewalt seines Feindes.

Sir Giles steckte indessen seinen Degen ein und sagte mit grimmigem Lächeln, er wolle sich nicht der Genugtuung berauben, seinen Feind am Pranger stehen und dem Messer des geschworenen Folterers unterworfen zu sehen, indem er hinzufügte, es sei seltsam, dass einer, der seinen Körper so gut schützen könne, seine Zunge so wenig im Zaum zu halten vermöge.

Jocelyn antwortete nicht auf den Spott und der Ritter war im Begriff, sich mit seinen Begleitern zu entfernen, als ein lautes und stürmisches Geräusch die Annäherung der Lehrlinge verkündete. Die Schar der siegreichen Jünglinge gelangte auf den Rasenplatz durch den Haupteingang, der sich, wie schon oben erwähnt, in einer verschiedenen Richtung befand, als die Tür, durch welche die anderen eingetreten waren. Mehr fürchtend, seinen Gefangenen zu verlieren, als wegen seiner eigenen Sicherheit besorgt – denn obwohl die angreifende Partei die seine sehr an Zahl übertraf, wusste er wohl, wie er mit ihnen zu verfahren habe, da er an solche Kämpfe gewöhnt war – erteilte Sir Giles Clemens Lanyere einige Befehle in Betreff Jocelyns und bereitete sich dann vor, dem Angriff zu widerstehen, indem er seine Leute ein Karree bilden ließ, und die, welche mit Hellebarden und Stäben bewaffnet waren, in die vorderste Reihe stellte. Als diese Anordnung rasch getroffen war, zog er seinen Degen und befahl den Lehrlingen mit lauter und gebieterischer Stimme, zurückzutreten. So groß war die Wirkung, die seine Stimme und der Schrecken, den sein Gesicht hervorbrachte, welches selten verfehlte denen, die es sahen, Ehrerbietung einzuflößen, sodass die Angreifenden plötzlich Halt machten und zauderten, ihn anzugreifen.

»Was bedeutet diese Störung?«, donnerte Sir Giles, »und warum wollt ihr mich bei der Erfüllung meiner Pflicht belästigen? Wisst ihr nicht, dass Versammlungen, gleich den euren, ungesetzlich sind, und dass ihr einer schweren Strafe unterworfen seid, wenn ihr euch nicht sogleich zerstreut und friedlich in eure Wohnungen geht? An euer Geschäft, sage ich, und belästigt mich nicht länger! Aber vorher befehle ich euch, euren Anführer und auch die auszuliefern, welche, wie man mir sagt, eine grobe Beleidigung und Gewalttätigkeit gegen die Person des Sir Francis Mitchell verübt haben. Sie sollen als Exempel dienen.«

»Ihr verschwendet Eure Worte, Sir Giles, und sie helfen Euch nichts«, versetzte Dick Taverner. »Nun hört mich dagegen an. Wir, die kühnen und getreuen Lehrlinge von London, die wir unseren Herren und dem Herrn unserer Herren, des Königs Majestät, gut und treulich dienen, wollen nicht gestatten, dass Ihr oder irgendein anderer Mann eine ungesetzliche Verhaftung vornehme. Wir befehlen Euch, uns Euren Gefangenen friedlich auszuliefern, oder beim Kreuz! Wir wollen ihn mit Gewalt aus Euren Händen reißen!«

»Warte nur, unverschämter Bursche!«, rief Sir Giles, »du sollst schon deine Tonart ändern, wenn du ausgepeitscht wirst.«

»Ihr müsst mich erst haben, Sir Giles«, versetzte Dick, »aber noch zwei Worte mit Euch. Wir haben Sir Francis Mitchell eine Lektion gegeben, die er wahrscheinlich nicht so bald vergessen wird. Dasselbe soll mit Euch geschehen, wenn Ihr uns noch weiterreizt. Wir haben noch alte Rechnungen mit Euch abzuschließen.«

»Ei ja, das haben wir«, rief ein Stickerlehrling, »diese Erpresser haben das Geschäft meines Herrn zu Grunde gerichtet durch ihr Gold- und Silberfädenmonopol.«

»Hunderte von würdigen Männern sind durch ihre Ränke außer Beschäftigung gekommen«, sagte ein Weinhändlerlehrling. »Wir verkaufen nicht die Hälfte so viel Wein, wie sonst. Und kein Wunder, da zwei Drittel der Gasthäuser in London geschlossen sind.«

»Die Brauer werden alle zu Grunde gerichtet werden«, sagte ein rüstiger Lehrling mit einer hölzernen Schaufel auf der Schulter, »da jeden Tag ein neues Bierhaus geschlossen wird und man keine neue Konzession bewilligt. Zum Henker mit all diesen Monopolisten! Sie sind ärger als die Fliegen im Hopfen oder der Brand in der Gerste.«

»Ja, die Pest über sie!«, rief Dick Taverner. »Sie sind so schlimm wie die Heuschrecken von Ägypten. Wenn sie das Vermögen einer Klasse von Gewerbetreibenden verschlungen haben, werden sie bei dem einer anderen beginnen. Niemand ist vor ihnen sicher. Ihr werdet zunächst an die Reihe kommen, Herr Seidenhändler, und dann Ihr, Herr Eisenhändler, so schwer auch Eure Waren zu verdauen sein mögen. Ihr werdet der Dritte sein, Herr Fischhändler, Ihr der Vierte, Herr Gewürzhändler, und wenn sie sich an Spezereien und Fischen gesättigt haben, werden sie mit Zähnen und Nägeln über Euch herfallen, Herr Goldschmied.«

»Ich hoffe nicht«, rief der zuletzt angeredete Lehrling. »Unsere Herren sind zu reich und mächtig, um sich einer solchen Behandlung zu unterwerfen.«

»Derselbe Grund, weshalb sie dieselbe erfahren werden«, versetzte Dick. »Ihre Reichtümer sind nur eine Versuchung zur Plünderung. Ich wiederhole, kein Mensch ist sicher vor diesen Erpressern. Da das Gesetz uns keine Hilfe gewähren wird, so müssen wir das Gesetz selber ausüben. Es soll ihnen das Knittelgesetz zuteil werden.«

»Ja, ja, das Lehrlingsgesetz, das Knittelgesetz!«, riefen die anderen.

»Sir Giles wird die Sache vor die Sternkammer bringen. Er wird uns vor Gericht ziehen«, erwiderte der Goldschmiedelehrling lachend.

»Er wird ein Knittelmonopol kaufen und uns der Anwendung derselben berauben«, rief ein Bogenmacher.

»Das Patent wollen wir ihm unentgeltlich erteilen«, sagte Dick, indem er seinen Stab um den Kopf pfeifen ließ.

»Der Gefangene! Meine Herren Lehrlinge, vergesst ihn nicht!«, rief Cyprien, der sich nebst zwei anderen Kellnern und dem Koch der angreifenden Partei angeschlossen hatte. »Madame Bonaventure lässt Euch dringend bitten, seine Befreiung zu bewirken.«

»Das wollen wir, mein lustiger Gascogner«, versetzte Dick. »Hört, Sir Giles! Sollen wir den jungen Herrn mit Gewalt oder freiwillig von Euch haben?«

»Ihr sollt ihn weder auf die eine noch auf die andere Weise haben, Bursche«, versetzte der Ritter.

»Ihr selber sollt ihm im Fleetgefängnis Gesellschaft leisten. Greift sie an, meine Leute, und marschiert auf die Tür zu!«

Als der Befehl erteilt wurde, stürmte er mit seinem Trupp auf die Lehrlinge zu, die den eingelegten Hellebarden nicht widerstehen konnten und zurückwichen. Dennoch wurden die tapferen Jünglinge keineswegs geschlagen, denn da sie ebenso schnell waren, wie sie, so gelang es ihnen, den Rückzug vom Garten abzuschneiden. Es fand ein heftiger Kampf statt, als sie in der Nähe des Einganges handgemein wurden. Drei von den Söldnern streckte Dick Taverners Knittel zu Boden. Endlich nahm er seine Gelegenheit wahr, hob eine Kugel vom Boden auf und schleuderte sie mit beiden Händen in Richtung des Kopfes von Sir Giles. Wenn das Geschoss getroffen hätte, wäre der Kampf zu Ende gewesen, aber der Ritter wich dem Wurf aus. Indem er sich niederbeugte, fuhr die Kugel über ihn weg und traf Lupo Vulp gerade vor den Magen, sodass er atemlos zu Boden stürzte. Mittlerweile sprang Sir Giles rasch vorwärts und nagelte den Lehrling mit der Spitze seines Degens an die Mauer.

»Da habe ich dich endlich, Schurke«, rief er, Dick beim Kragen ergreifend und ihn den ihm zunächst stehenden Söldnern überliefernd. »Ich sagte dir, du solltest das Fleetgefängnis besuchen. Und das sollst du auch.«

Ungeachtet der Gefangennahme ihres Anführers fochten die Lehrlinge männlich. Es erschien noch zweifelhaft, ob Sir Giles imstande sein werde, seinen Rückzug zu bewerkstelligen, da er überdies nun von den beiden Gefangenen gehindert wurde. Unter diesen Umständen gab er Lanyere ein Zeichen, sich mit Jocelyn durch die andere Tür zu entfernen, indem er den beiden Söldnern befahl, welche Dick Taverner in ihrer Gewalt hatten, befahl, ihm mit ihrem Gefangenen zu folgen.

Es war keine leichte Aufgabe, den Befehl auszuführen, aber dem Ankläger gelang es dennoch. Allein trieb er alle zurück, die seinen Fortschritt hemmten, während die beiden Gefangenen zur Tür geführt wurden.

Bisher hatte Jocelyn keinen Versuch gemacht, sich zu befreien. Er erwartete wahrscheinlich den Erfolg der Anstrengungen der Lehrlinge um seinetwillen oder eine günstigere Gelegenheit, als sich bisher gezeigt hatte. Als er den kleinen Hof erreichte, schien die Zeit zu der Anstrengung da zu sein. Die Söldner von sich schüttelnd, die ihn festhielten, entriss er dem einen die Hellebarde, streckte ihn zu Boden und trieb seinen Kameraden fort.

Als dies geschehen war, leistete er Dick Taverner sogleich Beistand, befreite und bewaffnete ihn mit derselben Schnelligkeit, die er bei seiner eigenen Befreiung angewendet hatte.

Während er dies tat, wurde er von Clemens Lanyere nicht gestört, obwohl der Ankläger sich ihm, wenn er gewollt, wohl hätte widersetzen können. Aber Lanyere war mit einem Kampf an der Tür beschäftigt oder stellte sich nur so. Erst, als beide Gefangene frei waren, eilte er auf sie zu und machte den Männern wegen ihrer Nachlässigkeit laute Vorwürfe. Aber wenn sie zu tadeln waren, war er es nicht weniger, denn er zeigte wenig Gewandtheit, den Flüchtlingen zu folgen und machte im Gang überdies noch eine falsche Wendung, welche ihn und die Söldner irre führte, sodass die Gefangenen davon kamen.

Wie Jocelyn und Dick Taverner den Landungsplatz erreichten, wusste keiner von beiden genau – so hastig eilten sie durch das Gasthaus; aber da waren sie gerade in dem Augenblick, als Sir Giles Mompesson, nachdem er alle Hindernisse überwunden hatte, an der Spitze seiner Bande aus der Tür trat.

Völlig zufrieden mit seinem früheren Zusammentreffen mit dem gefürchteten Ritter und begierig, zu entkommen, ehe ihre Flucht entdeckt wurde, winkte Dick seinem Begleiter zu. So schnell wie möglich auf die Treppe zueilend, sprangen beide in die nächste Jolle. Der Lehrling befahl den beiden Matrosen, die darin waren, auf Leben und Tod auf die Londonbrücke zuzurudern.

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