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Sonderseite zur "Geisterspiegel.de-Anthologie"

Dark-Future - Die erste Anthologie des Geisterspiegels.

Seit seiner Gründung befasst sich mit Themen wie Science Fiction, Horror, Western und Fantasy. Ob Filme, Hörspiele oder Bücher - wir widmen uns der Phantastik in all ihren Formen. Was also lag näher, als zum zweiten Geburtstag von ebenfalls eine Anthologie auszuschreiben. Bekannte Autoren und Newcomer waren aufgerufen, Geschichten zu einem fixen Thema einzureichen. Das nun vorliegende Buch ist das Ergebnis dieser Ausschreibung. Wir bedanken uns bei allen teilnehmenden Autoren und wünschen den Lesern viel Spaß mit unserer Anthologie.
Außerdem möchten wir uns ganz herzlich bei Joachim Otto vom Romantruhe-Verlag für die freundliche Unterstützung bedanken.

Das Buch ist heute, am 5. Juni 2008, erschienen im Romantruhe-Verlag. Bestellt werden kann es ab sofort unter www.romantruhe.de zu einem Preis von 9,95 Euro.

Die Leseproben am Ende dieser Seite bieten einen kleinen Einblick in den Inhalt des Buches...
Außerdem ist eine Rezension zu dem Buch online. Zum Lesen HIER klicken!

»Dark Future«

»Die Zukunft wird nicht glänzend und schön, sondern sie wird düster und schmutzig. Überbevölkerung, Technologie-Hörigkeit und Überwachung, wie sie sich nicht einmal Orwell hätte erträumen lassen.«

23 Autoren, darunter Markus K. Korb, Charlotte Engmann und Melanie Brosowski, wagen einen Ausblick in die Zukunft der Menschheit. In spannenden und teils nachdenklichen Geschichten schildern sie Szenen aus einer Zeit, die weit von glücklichen Zukunftsvisionen entfernt ist.

Die Anthologie beinhaltet die folgenden Geschichten:
Markus K. Korb - Unter dem Stahlhimmel von New Venice
Charlotte Engmann - Café Karaganda
Mara Laue - Wir wollen nur Ihr Bestes!
Anke Brandt - Ghetto
Erik Schreiber - Dämonen-Matrix
Andrea Mack - Die Erlebnisse eines modernen Menschen
Markus Niebios - Fischen
Jennifer Lynn Erdelmeier - Gottes Diener
Helmut Marischka - ShonLar
Jürgen Janeczek - Der letzte Ausweg
Maximilian Weigl - Nexus
Jakob Schmidt - Alle Zeit
Markus Suzuki - Aus
Shayariel - Nanoismus
Andreas Zwengel - Unplugged
Manfred Lafrentz - Emilyspace
Christian Pirschalawa - Leon
Peter Hohmann - Schatten der Vergangenheit
Azza - Die Nachfolger 2.0
Thomas Pielke - Flucht an die Oberfläche
Thorsten Scheib - Gesichter einer Stadt
Juliane Beer - Das 14. Kind
Melanie Brosowski - Ein Hauch der Zukunft
...

Leseprobe aus »Fischen« von Markus Niebios

Bruckner war schon oft an dem wuchtigen, fensterlosen Verwaltungskomplex am Place de Sansibar vorbeigegangen, aber wenn man direkt davor stand, sah er noch beeindruckender aus. Wie ein alles beschützender Talisman erhob sich das schwarze Zahnrad Hunderte von Metern hoch bis zum Dachgeschoss. Es war so kunstvoll auf den roten Granit der Fassade aufgetragen, dass man meinen könnte, es stünde ein Stück von der Wand ab und würde im ewigen Kreislauf des Schaffens nur einen Augenblick lang innehalten.
Die Drehtür beförderte Bruckner wie ein Schaufelrad ins Innere des Hauptgebäudes und entließ ihn in die abgestandene Luft einer gewaltigen Halle, die in gleißendes Licht getaucht war. Unter den an langen Kabeln von der Decke baumelnden Halogenscheinwerfern versuchten Knäuel von Menschen, sich einen Platz am Terminal vor einem der Placement-Monitore zu erkämpfen, die alle paar Meter in die grob verputzten Wände der Halle eingelassen waren. Das Stimmengewirr und der Geruch der schwitzenden Menge machten Bruckner einen Moment benommen. Dann bahnte er sich seinen Weg durch das kochende Gewühl und betrat einen der engen Gänge, die von der Halle abzweigten. Die Zeit war knapp bemessen, aber er war zuversichtlich, dass sich der Irrtum bei seiner Datenlage schnell aufklären ließ.
Bruckner eilte auf der Suche nach einer geöffneten Tür weiter hinein in die Eingeweide der Verwaltung, drängelte sich über steril gekachelte Flure, von denen einer so aussah wie alle anderen, bis er so weit treppab vorgedrungen war, dass außer ihm nur noch Männer mit zum Seitenscheitel gelegtem Haar und altmodischen Anzügen über den abgetretenen Synthetikteppich hasteten. Sie trugen Aktenordner und Speichereinheiten unter dem Arm und diesen besonderen Gesichtsausdruck zur Schau, der sagte: Bin eilig. Management erwartet Dossier von enormer Bedeutung.
Bis er ein freies Büro gefunden hatte, waren ihm größere Schweißflecken unter den Achseln gewachsen als während einer Akkordschicht.
Einen Augenblick war Bruckner nicht sicher, ob dies wirklich ein Büro des Ordnungsamts war, weil die vergilbte Kammer im Licht der flackernden Neonröhre wie ein leerer Abstellraum aussah. Aber dann bemerkte er den kleinen Plasmabildschirm in der Wand. Als die Tür hinter Bruckner zuschnappte, erwachte der Bildschirm zum Leben und aus dem grauen Rauschen schälte sich das schwarze Zahnrad auf rotem Hintergrund. Dann verblasste das Werkslogo und ein androgyner Kahlkopf mit freundlichem Gesicht erschien auf der Oberfläche.
»Guten Tag, Kollege, was kann die Verwaltung für dich tun?«
Bruckner war unschlüssig, ob es sich bei dem Gesicht auf der Mattscheibe um einen Mann, eine Frau oder um ein generiertes Programm handelte. Und das erste Mal kamen ihm Zweifel, ob die Angelegenheit so einfach zu klären sein würde.
»Ich bin hier wegen einer negativen Konubi und würde gern wissen, wie dies ...«
»Ich gebe dir gerne diese Information«, unterbrach ihn die angenehme Baritonstimme des Gesichts. »Alte und kranke Menschen sind uneffektiv und schaden dem Werk, weil sie mehr konsumieren als produzieren. Wenn du Kenntnis von Schädlingen oder Verstößen gegen die Ordnung hast, kannst du es hier melden. Die Verwaltung wird sich um alles Weitere kümmern.«
»Es muss sich aber um einen Irrtum handeln, weil ich eindeutig ...«, erklärte Bruckner und versuchte, nicht ungeduldig zu klingen. Aber die besänftigende Verwaltungsstimme ließ ihn nicht ausreden.
»Um Verwaltungszeit zu sparen, möchten wir dich bitten, deine Identität durch einen Chipscan zu bestätigen.«
Bruckner hielt den linken Arm vor den Monitor und spürte, wie sich seine Härchen aufrichteten.
»Dein Chip weist eine negative Kosten-Nutzen-Bilanz auf. Bitte verlasse dieses Büro, um Platz für einen effizienten Kollegen zu schaffen.«
»Aber ich bin kerngesund und keine dreißig!«, schrie Bruckner.
»Alle Zeit ist Werkszeit«, betete der Kopf aus dem Leitbild. Dann schaltete sich der Monitor mit einem Klicken ab. Bruckner hörte das Zischen kleiner Düsen und keine Sekunde später vernebelte der beißende Ammoniakgeruch antiseptischer Putzmittel das Büro.


Leseprobe »Nanoismus« von Shayariel

»Helen, was meinen Sie denn dazu?«
Helen wurde über die direkte Ansprache abrupt aus ihrem ganz persönlichen Gedankenchaos herausgerissen. »Ich? Tja ...« Sie zögerte mit einer Antwort. Was sollte sie auch sagen? Sie war Journalistin, keine Wissenschaftlerin, verstand nur wenig von diesen Dingen. Gut, sie verstand immerhin so viel, dass sie über gewisse, auch wissenschaftliche Fakten, durchaus verständlich berichten konnte. Eins-a-Recherche hieß hier das Zauberwort. Aber diese Menschen hier, waren sie wirklich an Wahrheit interessiert? Auf den ersten Blick sah es wohl so aus.
Da saßen sie, die Größen der Welt, Politik, Wissenschaft und des Klerus und schienen hilflos angesichts des unerbittlichen Schicksals, das auch vor ihren Toren keinen Halt gemacht hatte. Die Kindersterblichkeit war immens, unerklärlich und unaufhaltsam. Die Weltbevölkerung betrug kaum noch mehr als zehn Millionen Menschen, Tendenz dramatisch fallend. Das Tempo war das eigentlich Erschreckende daran - in den letzten zwanzig Jahren war die Bevölkerung von 9 Milliarden Menschen auf eine derartig magere Quote geschrumpft.
Angst stand in ihrer aller Augen. Angst vor einer Zukunft, die keine mehr war, nicht mehr sein konnte, ohne Kinder. Keiner der hier Anwesenden hatte seine Kinder vor dem Tod bewahren können.
Alles begann mit einer sprunghaft angestiegenen Kindersterblichkeit, die sich zum natürlichen Versterben der Alten hinzugesellte. In allen Teilen der Welt wurden Kinder tot geboren oder überlebten kaum die ersten drei Monate. Diejenigen, die von einer Kindheit zu berichten gewusst hätten, erkrankten zum Teil schwer und mussten stationär behandelt werden. Jedoch wurde kein Kind älter als zwölf Jahre. Spätestens beim Einsetzen der Pubertät setzte dann die Atmung für immer aus. Was genau sich da so störend auswirkte, wusste niemand wirklich zu erklären, kein Politiker, kein Mediziner, kein Wissenschaftler.
Sie, Helen, hatte den Auftrag, die zahlreichen, über die Welt verstreuten, Untersuchungskommissionen zu beobachten und die dort erzielten Ergebnisse zu dokumentieren und nunmehr zusammenfassend vorzutragen. Die bisherigen Funde waren alles andere als Hoffnung erzeugend. Es war fast so, als ob sich ein riesiger Dunstschleier über diese Untersuchungen legte und je mehr sich die Forscher bemühten, ihn zu lüften, desto hartnäckiger hüllte er die Nachforschungen ins Dunkel. Gerade so wie ein undurchdringlicher Kokon aus Spinnenseide.
»Nun?«, fasste der Präsident der drei Vereinigten Amerikanischen Reiche nach.
»Wenn ich ehrlich bin, meinen Recherchen zufolge ... und höchst vermutlich ... also, es scheint möglicherweise ...«
»Mein Gott, so stammeln Sie doch nicht so nutzlose Füllwörter in die Welt! Tacheles, bitte! Was genau haben Ihre Recherchen ergeben?«
Fünfzig Augenpaare richteten sich auf Helen. Schweiß brach ihr aus. Es könnte ihr Todesurteil sein, wenn sie es aussprach, das wusste sie genau. Hing nur davon ab, ob jemand und wenn ja, wer in diesen Reihen hier menschlichen Verrat geübt hatte. Aber vielleicht wussten sie wirklich rein gar nichts? War kein Spion hier? Waren sie wirklich so ahnungslos, wie sie taten? Selbst dann könnten ihre Worte jedoch keine Hoffnung streuen, selbst wenn den Vertretern dieses Planeten ernsthaft am Erhalt der eigenen Rasse gelegen war.
»Also gut«, begann sie leise seufzend, »lassen Sie mich Ihnen berichten.« Und Helen sprach über die Anfänge, über die Bevölkerungsexplosion zu Beginn des neuen Jahrtausends, die den führenden Köpfen oder besser gesagt, den wahren Strippenziehern hinter den Kulissen der Weltpolitik, Angst machte, dass ihnen die für sich selbst beanspruchten materiellen Ressourcen vom ›Pöbel‹ über alle Gebühr, möglicherweise auch revolutionär, streitig gemacht werden könnten. Alle damaligen Bemühungen ihrerseits, Hunger und Krankheiten in die Welt zu bringen, mit dem Ziel, die Bevölkerung zu dezimieren, scheiterten an nicht vorhersehbaren, noch in irgendeiner Form kalkulierbaren Entwicklungsfaktoren in der Population.

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