
Professor Zamorra



Manfred Weinland – ein gelungenes Comeback?
(Spoilergefahr gegeben!)
Mit den Bänden 893 „Der Atem des Bösen“ und 894 „Seelenbrand“ taucht in der Autorenliste seit langer Zeit mal wieder Manfred Weinland auf. Seinen Einstand in der Serie feierte er bereits im April 1981, als er zusammen mit Werner Kurt Giesa PZ-Nr. 182 „Der Seelenfresser“ ablieferte. Die regelmäßige Mitarbeit an der Serie ging bis Band 310. Danach war erst wieder Band 718 ein Gastspiel bei Professor Zamorra. Mit den beiden Romanen kommt Manfred Weinland auf insgesamt 17 erschienene Werke in der Serie, kennt sich also in der Materie aus.
Auch durch die Serien Bad Earth und Vampira ist Manfred Weinland einem breiten Lesepublikum bekannt. Doch das auch bei einem Altmeister ist nicht alles Gold was glänzt. Vor dem Lesen habe ich mich sehr auf die beiden Romane gefreut, doch nach der Lektüre ist ein seltsames Gefühl zurück geblieben, dass ich versuchen werde klar darzustellen.
Während mir die Umgebung von Band 893 „Der Atem des Bösen“ sehr gut gefiel, das Tate Museum in London, und die Geschichte einen spannenden Anfang liefert, fiel sie meines Erachtens Stück für Stück etwas ab.
Herrliche Szenen, wie z.B. ein Mann der halb in einem Gemälde gefangen ist und einen qualvollen Tod stirbt und interessante Vergangenheitssequenzen wechseln sich ab, mit Paul Hogarth bekommt der Professor eine sympathische Figur zur Seite gestellt. Herrlich bei der Einführung folgender Satz von eben jenem Detective:“ Sie genießen – zumindest in eingeweihten Kreisen des Yards – einen ganz außerordentlichen Namen. Und speziell in dieser brandaktuellen Sache ist niemand greifbar, der Ihrem Leumund auch nur nahe käme.“
Wohl kaum jemand, der an dieser Stelle nicht an einen gewissen Oberinspektor gedacht hat…
Aber auch in diesem Satz taucht schon etwas auf, das mir nicht besonders gefallen hat: Die eingeschobenen Satzstücke. Dies wird sehr häufig im ganzen Roman praktiziert. Weitere Beispiele seien hierfür:“ Mehr noch: Es war absolut beispiellos in der an verblüffenden – und oft grausam-erschreckenden – Phänomenen gewiss nicht armen Karriere des Parapsychologen.“, und:“ Als die Last für ihn nicht mehr zu bewältigen war – das schmatzende Sumpfland, in dem seine Frau versunken war, vervielfachte ihr Eigengewicht -, winkte er weitere Männer heran und zeigte ihnen, wo sicherer Grund war.“
Dies wirkte sich bei mir oft mindernd auf den Lesefluss aus, gerade in spannenden Situationen nahm es dem Geschehen die Geschwindigkeit.
Was mich ebenfalls oft stocken ließ, war die Darstellung des Professors und auch Nicoles. In einer Szene höchster Bedrohung, die offenkundig magischer Art ist, ruft Nicole nicht das Amulett zu sich, sondern verlässt sich auf eine gewöhnliche Schusswaffe. Zu Beginn hat Zamorra durchaus die Möglichkeit die Zeitschau zu nutzen und so vielleicht Licht in das Dunkel zu bringen, auch er verzichtet auf diese Möglichkeit. Wenn das Amulett benutzt wird, dann deutlich abweichend von den üblichen aktuellen Beschreibungen. Die Anwendung bzw. was genau Zamorra damit bezweckt, hat sich mir oft nicht ganz erschlossen. Auch wenn ich es sicher für eine gute Idee halte, dem Amulett immer mal wieder neue Fähigkeiten zu entlocken und so den Reiz des Unbekannten aufrecht zu erhalten, hier gelingt es meiner Meinung nach nicht.
Die Interaktion zwischen Zamorra und Nicole erschien mir ebenfalls wie von einem Nachwuchsautor der sich noch nicht gut genug in der Zamorra-Welt auskennt geschrieben. Dieses spielerische Etwas, wie es W.K. Giesa zwischen den beiden Helden heraufbeschwören konnte, kann sicher kein anderer Autor so genau nachkreieren, aber etwas näher daran hätte es sein können. Beispielhaft hierfür die Szene, in der Nicole von grünem Schleim bedeckt neben Zamorra im Bett liegt und unser Held um ihr Leben fürchtet. In keiner Sekunde kommt hier die Verzweiflung auf, die man sonst von Zamorra kennt. Er wirkt auf mich zu rational, fast schon etwas kühl. Genauso, als Nicole spurlos verschwindet. Auch hier wieder kein Bemühen der Zeitschau. In diesen Momenten kam es mir fast nicht wie ein Zamorra-Roman vor.
Aber natürlich hat der Zweiteiler (der mit Band 905 noch zu einem Dreiteiler wird) auch positive Seiten. Die Handlungsebene um Sir Robert Grosvenor ist interessant und bietet spannende Szenen, z.B. der Kampf des Schmieds mit den Ratten oder die Sammlung der Moorleich in Grosvenors Haus. Roberts Leid um das Verschwinden seiner Frau ist so beschrieben, wie ich es mir bei Zamorra gewünscht hätte.
In Band 894 „Seelenbrand“ tauchen allerdings einige Längen in dieser Handlungsebene auf.
Zamorras Kampf im Tate und sein Bemühen um die verschwundene Hundertschaft zeigen für mich auch wieder einen Zamorra, wie man ihn nicht wirklich kennt. Als er sie „erlöst“ hat, hätte man von ihm eigentlich mehr Trauer um so viele Menschenleben erwartet. Woher er wusste, dass sie nicht mehr zu retten waren, wird ebenfalls nicht klar gestellt. Immerhin ist dies eine völlig neue Erfahrung für Zamorra und die ihm wirkende Magie absolut unbekannt.
Insgesamt bleiben nach dem Zweiteiler gemischte Gefühle zurück und viele Fragen offen. Was hat es mit dem „neuen Stonehenge“ auf sich? Welche Magie wirkt im Tate und was will sie letztendlich? Die offenen Fragen allerdings sind nicht so tragisch, da mit Band 905 noch ein dritter Teil erscheinen wird und sicher Auflösung bringen wird. Doch erhoffe ich mir dort auch den Lesespaß, den ich schon bei diesen Romanen erwartet hatte.
© Oliver Müller
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