Professor Zamorra Liebhaber Edition
Die inoffizielle 2. Auflage
Im Zamorra-Roman 935 bekommt Professor Zamorra Besuch aus Russland. Und zwar handelt es sich dabei um Professor Nikolaj Kapnin, eine Figur, die nur in Heft 106 auftrat. Natürlich hätte stattdessen Pierre Robin den Parapsychologen besuchen können oder Pascal Lafitte, oder, oder, oder … Ich entschied mich dafür, dem kleinen Russen einen kurzen zweiten Auftritt zu gönnen, da schon vor dem Schreiben des Romans feststand, dass ich einen kurzen Werkstattbericht für die Leserseite schreiben sollte. Professor Kapnins Auftritt hängt zusammen mit Band 50 der PZ – LIEBHABER EDITION.
Seit annähernd 10 Jahren gibt es die PROFESSOR ZAMORRA LIEBHABER EDITION, die auch als inoffizielle 2. Auflage der Mysteryserie bekannt ist. Die Romane erscheinen in chronologischer Reihenfolge, genauso, wie sie auch damals erschienen. In den ersten sieben Bänden wurden je drei Romane zusammengefasst, ab Band 8 sind es je zwei Romane. Seit Band 25, »Die Teufelshöhle« (enthält die Romane 56 und 57), habe ich durch Vermittlung durch meinen leider viel zu früh verstorbenen Freund und Kollegen Werner Kurt Giesa die Aufgabe inne, die Manuskripte zu bearbeiten.
Und gleichzeitig mit Heft 935 ist Band 50 mit dem Titel »Die Hand des Hexers« erschienen, der die Romane 106 (»Der Komet aus der Hölle« von Walter Appel) und 107 (»Die Hand des Hexers« von Friedrich Tenkrat) enthält.
Im ersten Teil geht es darum, dass der Satansdiener Stenka Badzak 300 Jahre nach seinem Tod als höllischer Komet in die Ukraine zurückkehrt. Natürlich wird Professor Zamorra in die Ereignisse verwickelt, er muss ins 17. Jahrhundert zurückkehren und anschließend gegen Badzak kämpfen. Für mich ist das der beste Roman, den Walter Appel für die Serie geschrieben hat. Er versteht es in diesem Roman exzellent, Wissenswertes mit Spannung zu mischen.
Ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt die Bedrohung des zweiten Teils. Der Hexenjäger Hyram Bell sucht sich im Jahr 1978 Mädchen, um sie auf dem Scheiterhaufen als Hexen zu verbrennen. Eine Freundin von Nicole Duval fühlt sich gefährdet, sie macht Zamorra auf die Bedrohung aufmerksam und er tritt gegen Hyram Bell an. Friedrich Tenkrat schrieb den Roman in seinem beliebten, geradlinigen Stil.
Die Bände der LIEBHABER EDITION werden behutsamer bearbeitet, als es für eine 2. Auflage üblich ist. Es werden nicht ganze Kapitel entfernt oder neu geschrieben. Der Leser erhält fast den Originaltext. Der größte Aspekt liegt auf der Umwandlung von der alten auf die neue Rechtschreibung (Beispiele alt – neu: ebensogut – ebenso gut / Gewißheit – Gewissheit), ferner auf Entfernung der größten logischen Klopse und Rechtschreibfehler sowie der Fehler, die beim Scannen passieren. Wer Texte selbst nicht gescannt hat, kann sich nicht vorstellen, was das Texterkennungsprogramm aus manchen Wörtern macht.
Aus Schlamm wird dann Sehlamm, aus sagte wird sägte, aus abgemildert wird abgemeldet, aus siehst wird siebst. Das gibt dem Text natürlich eine andere Bedeutung, und der Leser würde zu Recht an den Leuten zweifeln, die für die Herausgabe zuständig sind.
Als erstes formatiere ich die Seite auf meine Bedürfnisse. Bei jeder Bearbeitung, egal für welche Serie, verfahre ich so; das hat sich im Lauf der Jahre so eingefahren. Schriftart: Times New Roman, Schrifthöhe: 12, eineinhalbzeilig. Dann ersetze ich die Anführungs- und Schlusszeichen, Trennstriche, die drei Punkte für Andeutungen (…), damit alles ein einheitliches Bild ergibt. Doppelte Leerzeichen werden entfernt, sowie doppelte Punkte oder Kommata.
Nach einem ersten Überblick, bei dem ich die auffälligsten Fehler behoben habe, beginne ich mit dem Lesen von der ersten Zeile an. Oft werde ich von dem Erfindungsreichtum der Autoren überrascht, vor allem von meinem Favoriten Hans Wolf Sommer.
Zu jedem Roman gibt es auf Seite 4, vor Beginn des Romans, Infos zu den Autoren und Ersterscheinungsterminen. In Band 50 steht zum Beispiel:
Der Komet aus der Hölle
Dieser Roman erschien ursprünglich am 11. Juli 1978 als Professor Zamorra Band 106 im Bastei Verlag. Der Autor Walter Appel hat seit 1973 über 800 Romane in allen Genres geschrieben, er ist vor allem bekannt unter seinem Pseudonym Earl Warren. Es handelt sich um das achte von insgesamt vierzehn Abenteuern, die Appel für Professor Zamorra verfasste.
Für die Romantruhe schrieb Walter Appel die 6-teilige SF-Serie ›GENTEC-X‹.
Den zweiten Autor möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
Die Hand des Hexers
Dieser Roman erschien ursprünglich am 25. Juli 1978 als Professor Zamorra Band 107 im Bastei Verlag und wurde von Friedrich Tenkrat geschrieben, der damit seinen einundzwanzigsten von insgesamt zweiunddreißig Zamorra-Romanen vorgelegt hat.
Friedrich Tenkrat schrieb bisher mehr als 1300 Romane, zumeist unter dem Pseudonym A. F. Morland.
Bei der Romantruhe erscheint eine Neuauflage seiner Serie ›TONY BALLARD – Der Dämonenhasser‹.
Die Werner Kurt Giesa-Fans mache ich auf Band 52, »Die Geistergrotte«, aufmerksam. Er enthält die Zamorra-Romane 110, »Die Geistergrotte« von Hans Wolf Sommer und 111, »Lockruf aus dem Jenseits« von W. K. Giesa, den ersten von Werner veröffentlichten Zamorra-Roman. Und schon in den Bänden 53 und 54 erscheinen weitere Giesa-Romane.
Oft lese ich Kommentare, dass die ersten Hefte angeblich doch so schlecht gewesen sein sollen und in jedem Heft angeblich die halbe Höllenbevölkerung dezimiert wurde. Das ist natürlich absoluter Unsinn. Die alten Hefte sind anders, da sie erstens nicht von einem Team geschrieben wurden, das sich abspricht, wie es heutzutage üblich ist, und weil das zweitens der damalige Stil war. Aber schlechter sind diese Hefte bestimmt nicht. Die damaligen Autoren machten sich genauso viel Arbeit wie die heutige Schriftstellergeneration und sie recherchierten auch mindestens ebenso gut.
Abschließend möchte ich Ihnen die meiner Meinung nach beste Stelle aus der PROFESSOR ZAMORRA LIEBHABER EDITION Band 50 vorstellen:
»Ob der Mann tatsächlich eine Kontaktperson der Unterwelt war? Wenn man nach seinem Äußeren ging, das alles andere als anziehend war, musste er mit dem Teufel persönlich im Bunde sein.
Aber waren deswegen alle hässlichen Menschen schlecht und böse?
Es wäre falsch gewesen, auf diese Weise zu urteilen, denn es gibt viele hässliche Menschen, die über eine strahlendere Seele verfügen als so manche Schönheiten.«
(Dieser Artikel erschien fast textgleich auf der Leserseite des PROFESSOR ZAMORRA-Heftes 935, »Tochter der Dunkelheit«, von Manfred H. Rückert.)
Copyright © 2010 by Manfred H. Rückert