
Professor Zamorra

Autorenvielfalt sondergleichen II – zu viel des Guten?
Wenn wir uns die letzten 15 Abenteuer unseres verehrten Professors ansehen, stellen wir eine wachsende Zahl von Autoren fest. Volker Krämer, Simon Borner, M.H. Rückert, Andreas Balzer, Christian Montillon, Christian Schwarz, Manfred Weinland alias Adrian Doyle, Susanne Picard. Acht Autoren bei 16 Heften. Eine stringente Handlung konnte ich hier nur bei Volker Krämer entdecken, der die Handlung um Armakath gezielt voran trieb. M.H. Rückert kümmerte sich vermehrt um alte Figuren von W.K.Giesa. Dies halte ich für eine gute Entscheidung. Zum einen, weil es damit weiter gehen muss und zum anderen, weil M.H. Rückert meines Erachtens mit diesen Figuren sehr gut umgehen und ihnen gute Geschichten entlocken kann.
Insgesamt aber sehe bei dieser Autorenvielfalt doch die Gefahr, dass zu viele Einzelabenteuer den roten Faden ausdünnen und offene Themen nicht mehr verfolgt und später vergessen werden. Die stärksten Zeiten hatte Zamorra eigentlich immer dann, wenn ein festes Autorenteam an der Serie arbeitete. In sehr frühen Zeiten Giesa, Michael, Weinland, ab Band 700 W.K.Giesa und Claudia Kern, aufgelockert durch Einzelabenteuer von Roger Clement und später ab Band 790 mit Christian Montillon, der mit den Unsterblichen eines der interessantesten Kapitel im Zamorra-Kosmos bearbeitete und dessen Ausstieg ich immer noch sehr bedauere.
Nun wirkt diese Masse an Autoren schon fast zu viel auf mich und die Serie muss acht geben, dass sie nicht eine lockere Reihe wird, wie in den Anfangstagen, bevor W.K.Giesa das Ruder übernahm.
Mit Band 898 „Praxis des Teufels“ gab nun Susanne Picard ihr Erstlingswerk zur Betrachtung ab. Ein ordentlicher Einstieg, an dem mich aber noch ein paar kleine Details stören. Gerne hätte ich gewusst, was nach dem Ende von Dr. Morcomb und dem Rückschlag, den Lucifuge Rofocale erleiden musste, mit den Patientinnen im Koma weiter geschehen ist.
Auch wird das Amulett wieder etwas anders dargestellt. War es früher ein grünlicher Schutzschirm, der den Professor einhüllte, war er bei Simon Borner schon bläulich (wenn ich mich recht erinnere), hier ist es ein Käfig aus silbernen Lichtfäden.
Dies ist eine der vielen kleinen, aber für eine Serie doch wichtigen Sachen, die bei so vielen Autoren immer mal wieder vorkommt, den Fan, der seine Serie aber ernst nimmt und sie meist fast noch besser als die Autoren, doch unangenehm auffällt. Bei der Darstellung von Personen ist dies weitaus ärgerlicher, hier muss noch viel stärker auf eine gleiche Beschreibung geachtet werden.
Dazu kommen einige Sätze, die durch Wortwiederholungen auffielen. Zum Beispiel „Zeit genug, um Naomi wieder ins Bett bringen zu können und noch kurz etwas zu ihrem Schutz unternehmen zu können.“ Solche Dopplungen tauchten mehrfach auf. Der Höhepunkt davon auf Seite 47. „Wieder musste sie würgen und ein Schauder schien durch ihren Körper zu gehen, der sich bis in ihre Augen fortzusetzen schien, die wiederum für einen Sekundenbruchteil rot aufzuglimmen schienen.“ Und nur zwei Sätze später:“ Sie schien sich kaum noch auf den Beinen halten zu können.“
Aber was mich am meisten verwunderte, war der Autorenname im Innenteil. Robert Lamont. Natürlich wissen alle, dass dies nur ein Sammelpseudonym war, aber irgendwie ist Robert Lamont doch W.K.Giesa. Und bei Sternenfaust schreibt Susanne Picard ja auch unter ihrem eigenen Namen, warum also nicht bei Zamorra?
Was bleibt als Abschluss zu sagen? Eine Verkleinerung des Autorenteams? Frischer Wind ist oft gut und neue Besen kehren gut, aber man müsste ihnen hier schon zeigen, wo sie kehren sollen. Von einer wöchentlichen Erscheinungsweise, um das Tempo zu erhöhen, braucht hier sicher niemand träumen. Ein Chefautor? Volker Krämer ist für mich schon so etwas der Hauptautor, diesen Wunsch äußerte W.K.Giesa im Interview, das der Geisterspiegel mit ihm führte. Aber W.K.Giesa kümmerte sich um mehrere Baustellen, Krämer vor allem um Armakath. Mindestens jeder dritte Roman von Volker Krämer – das wäre richtungweisend für die Serie. Doch mit so vielen Autoren ist das sicher nur ein Wunschtraum. Im Endeffekt aber sind das alles nur Wünsche von mir als Fan und mir bleibt eh nichts übrig, als mich an den alten Spruch zu halten: Abwarten und PZ lesen. Und da kommt bald der Abschluss des Vierteilers im Hardcover und der 900er-Band wird sicher auch einiges neue bringen. Spätestens dazu lesen wir uns wieder. Bis dahin: Abwarten und…na ja, ihr wisst schon…
Bildquelle: www.bastei.de
© Oliver Müller
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