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Professor Zamorra

Weg ins Gestern - Das Erbe der Hölle... zwei Abschlussbände im Vergleich

Beide Abschlussbände liegen nun schon eine ganze Zeit zurück. Ich wollte mir Zeit lassen mit der Beurteilung um etwas Abstand zu gewinnen. Eigentlich unverständlich, aber für den Fan, den solche Bände aufwühlen und mitreißen, gar nicht so verkehrt denke ich.
Beginnen wir mit Band 902 aus der Heftromanreihe. „Das Erbe der Hölle“, so der Titel des Romans von Christian Schwarz, ist der Abschluss eines Dreiteilers. Die Vorankündigung das hiernach nichts mehr so sein wird wie zuvor, hat sich bewahrheitet. Das größte Geheimnis der Serie, über das all die Jahre hinweg immer wieder Theorien aufgestellt wurden, ist gelöst. Asmodis Gespräch mit LUZIFER hinter der Flammenwand wurde offenbart. Nicht nur das, Luzifer ist zu einer handelnden Person geworden und wird für die weiteren Geschichten von eminenter Bedeutung sein.
Ich schwanke noch, ob das gut oder schlecht ist. Ist dies nicht eindeutig das Prinzip des schier unbesiegbaren Gegners der unseren Helden vor scheinbar unlösbare Aufgaben stellt, nur um danach von noch gefährlicheren Feinden abgelöst zu werden? Man wird sehen müssen, wie weit Luzifer sich nun hinter seiner Flammenwand hervortraut oder ob alle Arbeit an seinem Vasall Asmodis hängen bleibt.
Der zweite Punkt an dem ich zu knabbern habe: Fu Long als Ministerpräsident des Satans? Damit kann ich mich nun gar nicht anfreunden. Ich hoffe auch weiterhin, dass das nicht geschehen wird. Der Vampir gehört für mich nach Choquai und nicht in die Hölle.
Getreu nach dem Motto „Das Alte weicht“, ging es auch in diesem Band weiter. Stygia und Svantevit treffen aufeinander, hierbei besteht unsere Fürstin der Finsternis ihre Feuerprobe und Svantevit verschwindet wohl für alle Zeiten von der Bildfläche. Erinnern wir uns an die Macht, die Svantevit hatte. Selbst Asmodis hatte seine böse Müh und Not mit der Flammenfratze, welche ja nur ein Viertel des gesamten Wesens darstellte. Hier wurde sich also vom (möglicherweise) unbesiegbaren Gegner verabschiedet.
Was bleibt also von diesem Roman der nebenbei auch alles sonst bietet, was man sich wünschen kann: Action, Spannung, Intrigen in der Hölle. Vieles wird bleiben, denn dieser Roman kann im Grunde als Ursprung einer neuen Epoche gesehen werden. Die Umwälzungen die mit dem Ausscheiden W.K.Giesas als Autor unausweichlich wurden, sind vollzogen worden. Das älteste Geheimnis der Serie ist aufgelöst worden und die zwei Figuren, die man neben den Helden am meisten, so ging es zumindest mir, mit der Serie und der Handlung identifiziert hat, Merlin und Lucifuge Rofocale (auch wenn er nur eine Spiegelweltkopie war), sind verschwunden.
Christian Schwarz hat seine Svantevit-Handlung geopfert möchte ich fast sagen. Als Grund vermute ich hier, dass er stark das Neue, das da kommen mag eingebunden ist.
Was ist vom Alten geblieben? Nur noch das Grundgerüst um Zamorra, Nicole und die engsten Freunde. Das Chateau Montagne und die anderen Orte. Als wichtigste Handlung noch der Erbfolger Rhett Saris. Ungelöste Fragen wie Kerr/Luc Avenge und ähnliches werden vermutlich in der Versenkung verschwinden.
Die neueste Neuheit vom Höllentratsch darf allerdings nicht unerwähnt bleiben: Stygia ist schwanger. Doch wer wird es sein, den sie da in ihrem höllisch-heißen Körper trägt? Jaboth oder Chavach? Der Retter oder der Vernichter der Hölle?
Eine gewagte Gratwanderung zugegebenermaßen. Wird der Alt-Fan noch zufrieden sein? Das Autorenteam um Volker Krämer hat auf jeden Fall das Potential dazu.
Bleiben wir direkt bei Volker Krämer. Aus seiner Feder stammt nämlich das Hardcover Nr. 28 „Weg ins Gestern“. Die ersten drei Bände boten die wohl härteste inhaltliche Kost, die dem geneigten Zamorra-Fan wohl jemals vorgesetzt worden ist. Ganz kurz zusammengefasst könnte man eigentlich sagen: Alle tot, alles kaputt, alles verloren. Nun galt es, den Bogen zurück zu schlagen. Schließlich konnte man die Handlung von Heften und Büchern nicht so weit auseinander treiben, das unser Held in den Heften gemütlich in seinem Chateau vor dem Kamin sitzt, während er in den Hardcovern als Wrack in der Nervenheilanstalt vor sich hin vegetiert.
Das Buch schließt sich in der Handlung nahtlos an die Vorgänger an und nimmt den Faden dort wieder auf. Als zwei der letzten verbliebenen Freunde besuchen Pierre Robin und Brik Simon den teilnahmslosen Zamorra in der Heilanstalt. Der Besuch ist von kurzer Dauer denn Zamorra verschwindet von dort. Ab dort sagte mir die Handlung leider nicht mehr so zu. Unseren Helden hat es verschlagen in die Welt von Peter Pan. Für mich las sich das Buch dann auch immer mehr wie die Geschichte von Nimmerland, aus der Perspektive von Zamorra halt. Ein Abenteuerroman, aber mehr leider auch nicht. Dann tritt Veta auf. Hier gelingt es Volker Krämer wieder eine interessante Figur ins Spiel zu bringen. Veta bringt die Auflösung zu Tage: Es ist alles gar nicht Zamorras Welt gewesen. Hier wird ein Bogen zu den Spiegelwelten geschlagen und auf deren Vernichtung eingegangen.
Zamorra kommt zurück zur Erde und hier setzt eine Handlung ein, die zwar wiederum starken Tobak bietet, mich aber nicht wirklich zu fesseln weiß. Als dann wieder Veta als Lösung erscheint, sich die Handlung quasi wiederholt, bin ich endgültig ziemlich enttäuscht von diesem Abschluss des bis dato fulminanten Vierteilers.
Zamorra landet also wieder in seiner Welt und trifft dort auf seinen Doppelgänger. Als er in die andere Welt wechselte, kam dieser zu uns herüber. Wie beim Highlander kann es nur einen geben. Aus zwei Gründen kann mich das Ende nicht überzeugen: Zum einen halte ich es, selbst bei einer perfekten Kopie aus der Spiegelwelt, für nicht möglich, dass Nicole dies nicht bemerkt. Jeder andere könnte es übersehen, aber nicht Nicole. So wünsche ich es mir zumindest, so stelle ich mir dieses viel zitierte unzertrennliche Band zwischen Zamorra und seiner Lebens- und Kampfgefährtin vor. Auch die vielen Ungereimtheiten die auftreten müssen, wenn man nach Monaten wieder in sein Leben zurückkehrt, das bis dahin aber von jemand anderes weiter geführt wurde, müssen auffallen.
Alles in allem ein Ende, das ich mir anders gewünscht hätte. Ohne groß sagen zu können wie genau. Das es nicht möglich war, diese massive Zerstörung und Vernichten als Handlungsebene zu behalten, war von vornherein klar. Auch das Zamorra noch als strahlender Held und Herr über Leben, Tod und die Zeit auftritt, ist undenkbar. Dies ist das große Problem solch umwerfender Handlungen: Entweder sie sind endgültig, und dazu war sie hier zu krass, oder sie wird in der Auflösung immer etwas unbefriedigend sein.
Und wie immer bleibt uns allen nur: Abwarten und PZ lesen.

Bildquelle: www.gruselromane.de

© Oliver Müller

 

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