Die Anstalt – der späte Schluss eines Dreiteilers
Nach 11 Heften, also mehr als fünf Monaten Wartezeit erschien „Die Anstalt“ als Band 905 der Serie über den promovierten Dämonenjäger. Manfred Weinland schloss hier die Geschichte ab, die er in den Bänden 893 „Der Atem des Bösen“ und 894 „Seelenbrand“ begonnen hatte.
Während ich am Zweiteiler noch einiges zu kritisieren hatte, überzeugte mich der Roman viel mehr.
Dies lag, neben einer spannenden Geschichte, vor allem daran wie Zamorra und Nicole miteinander umgingen. Viel mehr, wie man es gewohnt ist und dem Serienkontext entspricht. Diese gewisse Verbindung, die die Beziehung der beiden ausmacht, wurde gut getroffen. Sowohl im Miteinander, bevor die eigentliche Handlung beginnt, als auch im gemeinsamen Agieren zur Lösung des Falles.
Die eingeschobenen Satzstücke, die mir in den ersten beiden Teilen sehr gehäuft auffielen, waren hier dezenter und passender gesetzt und störten den Lesefluss nicht.
Besonders gelungen sind die Szenen in der Vergangenheit. Weinland schafft es sehr plastisch das Millbank Penitentiary mit seinen unzähligen düsteren Gängen darzustellen. Dazu erstellt er mit Arsenius Hall einen äußerst interessanten Charakter. Dieser ist gleichzeitig die Brücke in die Gegenwart, welcher die beiden Handlungsstränge verknüpft.
Der zweite interessante Charakter ist Detective Paul Hogarth von Scotland Yard, welchen wir schon aus den ersten beiden Romanen kennen. Falls Manfred Weinland weitere Romane zur Serie beisteuern wird, könnte ich mir durchaus vorstellen diese Figur wieder zu treffen. Dennoch sollte nicht jeder Autor nur seinen eigenen Nebenfiguren Platz einräumen, sondern sich im breiten Zamorra-Kosmos mehrere vorhandene Figuren annehmen. Zum einen, um die Fans dieser Handlungsträger glücklich zu stimmen, zum anderen um den vorzubeugen, was ich gerne den „Van-Zant“-Effekt nenne. Artimus van Zant, der Sidekick von Zamorra bzw. von machen schon als heimlicher Held der Serie betitelte Vielfraß aus der Feder von Volker Krämer. Artimus von Zant spielt in jedem Roman von Volker Krämer eine sehr wichtige Rolle, die Handlung um Armakath nimmt viel Raum ein in einer Serie, die nur alle 14 Tage erscheint. Sollte nun jeder Autor nur noch seine selbst entwickelten Figuren nutzen, kommt es auf ein sehr gutes Lektorat an, damit es nicht nur nach dem Motto „Sidekick mit Handlung versehen plus ein Schuss Zamorra – fertig ist der PZ-Roman!“ abläuft.
Doch zurück zum Roman: Nett ist der Einschub auf Seite 27 auf der Weinland seinen Kollegen Jürgen Grasmück, Claudia Kern, Jo Zybell, Ernst Vlcek, Hugh Walker, Timothy Stahl und Werner Kurt Giesa ein kleines Denkmal setzt und er den Fan an seinen eigenen Überlegungen zum Fortbestehen des Groschenromans teilhaben lässt.
Die offenen Fragen aus den vorigen Bänden („Was ist dieses andere „Stonehenge?“) wurden geklärt und sorgten so endlich für die Befriedigung der Neugier. Wenn auch etwas sehr spät, 22 Wochen Wartezeit halte ich doch für sehr viel. Hier muss ich mich als Fan doch fragen: War ein früheres Erscheinen nicht möglich? Musste der Band erst noch geschrieben werden?
Am Ende lässt sich Manfred Weinland noch ein Hintertürchen offen um möglicherweise noch einmal eine Geschichte im Rahmen dieses Dreiteilers anzusiedeln. Mit Sicherheit gäbe es schlechtere Dinge, die erzählt werden könnten, doch sehe ich andere Handlungen als vorrangiger an. Gerade bei der Gefahr der Autorenschwemme, die zurzeit bei PZ einzusetzen scheint, sollten Abschnitte wie der Erbfolger und Armakath erst weiter gebracht werden, bevor man sich hier verzettelt.
Dennoch ein gelungener Band, wenn auch für Einsteiger aufgrund des benötigten Vorwissens sicher nicht ganz einfach.
Bildquelle: www.gruselromane.de
© Oliver Müller