
Professor Zamorra

Das Alte weicht – was wird das Neue?
(SPOILERGEFAHR! NUR ZUR LEKTÜRE GEEIGNET, WENN MAN DIE HEFTE 899-901 SCHON GELESEN HAT!)
Nun stecken wir also mittendrin im Jubiläumsdreiteiler, der einiges an Veränderung mit sich gebracht hat. Doch werfen wir noch einen kurzen Blick auf den vorbereitenden Band 899 „Schwanengesang“ von Christian Schwarz. Die eigentliche Handlung des Romans war für den Dreiteiler nicht allzu wichtig. Druiden, Echsenwesen, ein Dorf dessen Bewohner alle der schwarzen Magie anhängen…hier wurde von allem etwas zusammengerührt, doch leider ergaben diese Masse an Zutaten für mich nicht den richtigen Geschmack. Besonders seltsam fand ich Nicole in diesem Roman. Sie wurde eifersüchtig dargestellt wie Jane Collins in den John Sinclair Edition 2000-Hörspielen. Für mich eine völlige Abweichung, die ich auch nicht nachvollziehen kann. Das ist nicht mehr die Nicole, die von W.K.Giesa geprägt wurde. Natürlich muss sich etwas ändern nach dessen Ausscheiden, aber die Veränderung der Charakterisierung einer der wichtigsten Hauptpersonen in so heftiger Art, damit kann ich mich nur schwerlich anfreunden.
Wichtig an dem Roman war dann aber noch das Ende. Merlin taucht wieder auf. Nachdem er in Band 847 „Duell der Mächtigen“/W.K.Giesa von Lucifuge Rofocale besiegt und schwer verletzt wurde, dauerte es nun also zwei Jahre bis man wieder etwas von dem alten Druiden hört. Der Titel „Schwanengesang“ ließ ja schon nichts Gutes hoffen und die Befürchtungen bestätigten sich. Merlin gibt seine Abschiedsvorstellung.
Diese wurde in Band 900 „Der Magier“ von Volker Krämer auch brillant in Szene gesetzt.
Er zeigt einen Merlin mit dem man einfach mitleiden muss. So oft der alte Magier mit den ewig jungen Augen früher auch schroff und unsympathisch war, hier bedauert man ihn und wünscht sich eigentlich, dass er es doch noch einmal irgendwie schafft.
Dazu präsentiert uns Volker Krämer eine Wüstenwelt, die wirklich interessant ist. Und auch wenn sie nur ein kleiner Sidekick ist, so ist es doch wunderbar zu lesen, wie der Autor solche Welten überzeugend erschaffen und zu Leben erwecken kann.
Lucifuge Rofocale, verletzt und geschwächt, sucht die letzte Entscheidungsschlacht. Erster Angriffspunkt: no tears. Doch hier hat Merlin noch einmal seinen großen Auftritt. Lucifuge Rofocale weicht auf Tendyke Industries aus und schlägt vernichtend zu und wird selbst hart getroffen. Von Artimus van Zant. Sicher kann man hier bemängeln, dass die Serie eigentlich „Professor Zamorra“ und nicht „Artimus van Zant – Meister des Übersinnlichen“ heißt. Schließlich hat diese Handlungsebene eher wenig mit der Armakath-Linie zu tun, auch wenn Merlin darauf noch einige Hinweise geben kann. Aber schlussendlich spricht man ja auch vom Zamorra-Team.
Lucifuge Rofocale flüchtet sich in die Schwefelklüfte während das Zamorra-Team auf der Erde seine Wunden leckt.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall das fantastische Titelbild in dem Candy Kay W.K.Giesa als Wächter der Schicksalswaage ein würdiges Denkmal setzt.
Den zweiten Teil des Dreiteilers, „Kampf um die Schwefelklüfte“ lieferte M.H.Rückert ab. Dort triumphiert immer noch der Ministerpräsident Luzifers über seinen Erfolg und plant schon den nächsten Schlag. Diesmal soll es den Meister des Übersinnlichen selbst treffen. Lucifuge Rofocale heckt einen Plan aus und benutzt Don Jaime, den Spiegelweltvampir als Lockmittel.
Auch Professor Zamorra erhält Hilfe von einem Vampir. Zusammen mit Fu Long sinnt er auf Rache. Auch Stygia mischt natürlich wieder fleißig mit, erhebt sie doch selbst Ansprüche auf den Thron des Ministerpräsidenten, sollte er vakant werden. Und auch Astaroth, Zarkahr der Corr und sogar Grohmhyrxxa, der Fliegenköpfige mischen mit. Die übliche Intrigenspinnerei der Hölle also. Aber alles verpackt in einen sehr spannenden Roman, der trotz der vielen kleinen Handlungsebenen nicht überlastet wirkt, da alles sehr geschickt miteinander verwoben ist.
Am Ende schließen sich die Fäden zusammen und gipfeln in einem dramatischen Showdown. Und die Aufräumaktion setzt sich fort. Don Jaime wird vernichtet. Lucifuge Rofocale ebenfalls.
Nur ein kleiner Fehler schleicht sich in das Finale ein. Zarkonn, ein Corr der von Lucifuge Rofocale mit dem Boden verschmolzen wurde, wird durch den Kampf freigesetzt. Doch nach dieser Erwähnung taucht er nicht mehr auf. Ein Eingriff in den Kampf gegen Lucifuge Rofocale aus Rache hätte mich nicht überrascht. Und wenn dies nicht der Fall ist, entweder die Erwähnung der Flucht oder die Vernichtung durch Zamorra, Nicole oder Fu Long hätte man einbauen können. Vielleicht hört man ja doch noch etwas von Zarkonn, immerhin ein Zeuge dieser gewaltigen Entwicklung. Und vielleicht sogar ein Zeuge von Stygias Auftreten im Anschluss an die Vernichtung ihres ehemaligen Vorgesetzten.
Was ist als Fazit dieses ja noch nicht abgeschlossenen Dreiteilers zu sagen?
Merlin ist tot, die Stelle des Dieners der Schicksalswaage zur Zeit nur als Übergang mit Zamorra besetzt. Dort wird sicher noch jemand anderes einen Posten finden. Sara Moon vielleicht? Immerhin Merlins Tochter.
Lucifuge Rofocale ist tot, die Stelle als Ministerpräsident der Hölle frei. Ich glaube nicht, dass Stygia diese Stelle so einfach in den Schoß fallen wird. Vielleicht meldet sich auch Luzifer hinter seiner Flammenwand und greift ein.
Don Jaime ist tot, zusammen mit Lucifuge Rofocale ist damit die letzte Verbindung zur Spiegelwelt aus der Serie verschwunden. Die Spiegelwelt hatte in den 700er-Bänden ihren Anfang gefunden und war nach starkem Beginn immer mehr in die Kritik geraten. Scheinbar wussten selbst die Autoren irgendwann nicht mehr so recht wohin die Handlung gehen soll.
Wie es weitergeht? Hier heißt es wie immer – abwarten und PZ lesen, besonders den nächsten Band 902 „Das Erbe der Hölle“ von Christian Schwarz.
Bisher wussten die ersten beiden Bände sehr gut zu gefallen, Baustellen werden abgearbeitet und neue Fragen aufgeworfen. Hoffen wir, dass einige davon vielleicht schon in zwei Wochen beantwortet werden.
Bildquelle: www.gruselromane.de
© Oliver Müller
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