
Maddrax

März 2007
Von Sascha “Andro” Vennemann
„The Quest for the Holy Pointe“ – Humor in MADDRAX
Auf der Suche nach einem MX-relevanten Thema, über dass ich nachsinnen kann, fiel mir ein, dass es bestimmte lustige Elemente in der Serie gibt, die öfter einmal, auch autorenabhängig, gebracht werden. Leider sind mir dann doch nicht wirklich allzu viele Beispiele eingefallen. Ich konzentriere mich dann mal auf das, was mir spontan in den Sinn kommt. Diese Kolumne ist „work in progress“ und entwickelt sich beim Schreiben.
Wenn über einen längeren Zeitraum in einer Serie oder einem Film ein Witz oder eine besser, eine bestimmte Pointe, immer wieder auftaucht, dann spricht der Fachmann von einem „Running Gag“. Viele unken dann immer, ein „Running Gag“ sei zum „Davonlaufen“, was dem Kritiker eine gewisse Gewitztheit im Umgang mit der englischen Sprache attestiert, uns an dieser Stelle aber nur bedingt weiterbringt. Vielleicht sollte man an dieser Stelle erst einmal ein paar Worte über Humor bei MX verlieren.
Humor – und das nicht nur in einer postapokalyptischen Serie - ist immer ein zweischneidiges Schwert. Was der eine zum Brüllen komisch findet, entlockt dem anderen nicht mal ein müdes Lächeln. Da gab es bei MX schon genug Kandidaten. Erinnern wir uns an den „Schlafenden König“ (MX Band 8) und an die Figur des Sepp Nüssli, mit der Ronald M. Hahn einen MX-Charakter schuf, an dem sich bis heute die Fan-Geister scheiden. Der kleptomanisch veranlagte Zwerg neigt bei seiner ersten Vorstellung dazu, sich den juckenden Hintern zu kratzen, und treibt in meinem Kopf die „Nicht-Witzig“-Anzeige in den roten Bereich. Glücklicherweise bleibt dieser etwas ekelhaft anmutende Eindruck bei den folgenden Auftritten außen vor, der Charakter gewinnt vor allem in einem dazugehörigen MX-Hardcover (MX Hardcover Nr. 7 – Der Dämon aus der Tiefe) an Profil und agiert ohne diesen „Makel“, den ein Mad Mike, so wie ich ihn kennen gelernt habe, sollte er den gleichen Roman noch einmal eingereicht bekommen, rigoros streichen würde. Nicht die Figur, sondern nur dieses „Verhalten“, dass auf meine persönliche Abneigung trifft. Nichts desto trotz hat der Zwerg seine Fans im MX-Fandom, die dabei schallend gelacht haben sollen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, sagte meine Oma immer.
Wenn Humor der Ball ist und mein Zwerchfell das Tor, dann knallte die Pille letztendlich auch mit den MX-Comics, die seit einiger Zeit alle paar Hefte veröffentlicht werden, ziemlich gegen die Pfosten. Bleiben wir bei diesem Bild und ich könnte sagen – sie lagen schwer im Magen. Wenn Aruula als Pointe in Batmans Häuflein herumstochert lachen wahrscheinlich wieder diejenigen, die auch bei Sepp Nüsslis Intimstellen-Juckreiz sich vor Amüsement fast nassgemacht haben. Inzwischen halten sich die wirklich üblen Pointen der Bilderfolgen, bestehend aus meist drei Zeichnungen, in Grenzen und ich bin geneigt, der Idee im Nachhinein eine gewisse Anlaufzeit einzuräumen. Und: Man muss einfach auch mal versuchen, sich selber einen solchen Cartoon auszudenken... Es ist schwieriger, als man denkt...
Huch, jetzt bin ich ja ganz von den Running Gags abgekommen. Also noch einmal schnell dazu zurück. In den frühen Bänden der Serie, besonders unter den ersten 50 Heften, gab es öfter einmal die lustige Idee, dem Leser vorzuführen, was passiert, wenn Aruula mit Alkohol in Kontakt kommt. Die sonst so harte Barbarin schmolz in den Händen von Matt oder so manchem Häscher dahin, lallte was die Zunge hergab und besaß den Hang dazu, das einmal Konsumierte auch in ebenso flüssiger Form oral wieder von sich zu geben. Fragt mich nicht nach konkreten Heftnummern, ich entschuldige mich an dieser Stelle für die schlampige Recherche, aber ich schreibe diesmal ein bisschen unter Zeitdruck. Aruula diese kleine „Schwachstelle“ auf den knapp bekleideten Leib zu schreiben, hatte zu der Zeit damals etwas Komisches, da die archaische Frau von den Dreizehn Inseln noch wild und naturverbunden war, dementsprechend mit natürlichen Rauschmitteln umzugehen wissen müsste, aber in ihrer fast kindlichen Naivität, in der sie auch Matt Drax zunächst als Götterboten tituliert, doch anscheinend nicht weiß, wann Schluss ist. Im Laufe der Zeit ist der Running Gag „Drunken Aruula“ aus der Serie verschwunden. Da sie immer mehr durch ihren Lebengefährten mit Technik und einer anderen Art von Zivilisation bekannt gemacht wurde, fiel das Wild-Naive von ihrem Charakter ab – und dementsprechend zivilisiert benimmt sich die Barbarin von Welt – Sie verzichtet, wo es geht, auf Rausch- und Genussmittel. Ein gutes Vorbild für die Heftromanleserjugend.
Ein weiterer Running Gag ist die Anspielung auf den Gott des Zufalls und der Bastelei. MacGyver! Zu ihm wird gebetet, wenn ein eigentlich unmöglicher Plan, eine schier hirnlose Konstruktion, schlichtweg etwas kaum Wahrscheinliches, gelingen soll. Diese Referenz findet sich immer mal wieder in der Heftserie, auch wenn sie in der letzten Zeit nicht mehr vorgekommen ist. Die Zeit der Running Gags, so scheint es, ist für MX zurzeit wohl vorbei. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht...?
Kommentare zu diesem Thema sind wie immer willkommen!
Schreibt mir im entsprechenden -Forumsthread oder
im Bastei-Forum (www.bastei.de) im Kolumnisten-Thread bei MX.
Bis zum nächsten Mal,
Sascha „Andro“ Vennemann
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