Sie sind hier: Startseite - Romanhelden - Sonstige Helden - Maddrax - Hartes Cover – Weicher Kern? – Die MX-Hardcover


Maddrax

Februar 2007
Von Sascha “Andro” Vennemann

Hartes Cover – Weicher Kern? – Die MX-Hardcover

Maddrax war schon immer für eine Innovation gut. Für die Serie wurde bei Beginn mit Händlerpostern, später mit Postkarten- und Lesezeichenaktionen mehr Werbung gemacht, als man es von anderen neuen Projekten des Bastei-Verlags kannte und man setzte damit Trends für kommende Heftveröffentlichungen und Werbemaßnahmen. Zu erwähnen sei hier eine Flyer-Aktion in Bastei-Heften zum Start von TORN, Manfred Weinlands Auftritt bei GIGA-TV als Promotion von BAD EARTH, oder die Gratis-Spezial-Ausgabe eines SCHATTENREICH Heftes als Beilage zum Goth-Szene-Magazin Sonic Seducer.

Auch die Veröffentlichung von Hardcover-Büchern als „Begleitmaterial“ zu aktuellen Serien hat sich mit MX gefestigt. Während TORN und BAD EARTH zumindest als Buch weiterliefen, werden mit den PROFESSOR ZAMORRA, STERNENFAUST und MADDRAX-Hardcovern weitere Geschichten aus den jeweiligen Serienzusammenhängen veröffentlicht – hauptsächlich solche, die im Heft keinen Platz hätten oder in dieser Ausführlichkeit nicht behandelt werden konnten / könnten.

Und das bringt mich zur eigentlichen Kernfrage dieser Ausgabe der MX-Kolumne:
Was sollte ein MX-Hardcover ausmachen?

Anlass dazu ist das noch nicht allzu lang auf dem Markt erhältliche MX-Hardcover Nr. 13 – „Am Tor zur Hölle“ von Ronald M. Hahn. Ich kann mich als treuer Leser der MX-HCs bezeichnen, vor allem unter den älteren Ausgaben kenne ich beinahe alle. In meiner Sammlung fehlen lediglich die Bücher Nummer 9, 11 und 12, allesamt jüngeren Datums – nicht mit eingerechnet das (demnächst erscheinende oder schon erschienene?) lang ersehnte Hardcover Nummer 14 mit dem Titel „Rulfan“, das seit langem angekündigt, aber von Jo Zybell sehr lange nicht fertiggestellt worden war. Aber zurück zum Ausgangspunkt.
Die Lektüre von HC 13 war für mich, wie auch für andere MX-Fans, wenn ich die Tendenzen im BASTEI-Forum richtig deute, nicht ganz so befriedigend wie zu erwarten gewesen wäre. Mal ganz von dem etwas eigenwilligen Schreibstil, den Ronald M. Hahn an den Tag legt und den teilweise ziemlich ähnlich anmutenden Geschichten mit den selben erzählerischen Stärken und Schwächen, abgesehen – welchen Inhalt soll ein MX-HC haben? Was macht ein HC zu einem HC?

Schauen wir einmal auf die Anfänge der MX-HC-Serie. Jo Zybell legt mit „Apokalypse“ und „Genesis“ (beide Romane als MX-Sammleredition nachgedruckt und kostengünstig erhältlich, falls noch nachbestellbar) zwei quasi „vorbereitende“ Romane zur Serie vor, die inhaltlich breit gefächert die Zeit vor und unmittelbar nach dem Kometencrash beleuchten. Die epische und getragene Erzählweise lässt vor allem das zweite HC an Seitenzahlen anschwellen – aber die Story auch eine nie gekannte Tiefe erreichen. „Genesis“ ist nach wie vor mein Lieblings-MX-HC, der Roman hat genau den Ton der Geschichte getroffen: Er gibt Hintergründe zur Serie preis, die man sich als Heftleser wünschte. Glaubhafte Charaktere und eine durchgehende Storyline runden das Leseerlebnis ab. Hinzu kommt der weit gespannte inhaltliche Erzählbogen und ein Plot, der einen großen Zeitraum innerhalb des Serienkosmos abdeckt. Ich gerate nach wie vor ins Schwärmen, wenn ich an diesen Roman denke. Auch die folgenden Romane „Der schwarze Feind“ (HC 3) und „Brot und Spiele“ (HC 4) überzeugten durch ihre Darstellung der ersten „Serienfeinde“, den Mutationen der spinnenartigen Siragippen und der wolfsähnlichen „Wulfanen“. Bernd Frenz’ „Der Weg des Blutes“ (HC 5) ist das Paradebeispiel eines MX-Personen-Romans, ein gelungenes Portrait von Navok, später wiederholt von Jo Zybell in „Die Expedition“ (HC 8) mit einem Bunkerbewohner. Alle diese Romane haben eines gemeinsam: Sie hätten auf dieser Art und Weise nur sehr viel weniger faszinierend oder zum Teil gar nicht als Geschichte im Heft funktioniert. Den Inhalt auf mehrere Teile aufzusplitten hätte dem Plot nicht gut getan, die Detailverliebtheit eines „Genesis“ hätte den Heftleser, der ja auch immer Gelegenheitsleser ist, gelangweilt.

Dem gegenüber stehen die HC-Romane, die in meinen Augen zwar ebenfalls nicht schlecht sind, denen aber diese Qualität ganz eindeutig fehlt. Von dem an Worten und inhaltlich schwachen „Die Hüter der Quelle“ von MJP (HC 6) ausgehend, dessen Geschichte eine fast lieblose Aufplusterung eines dazugehörenden MX-Heftes aus den Anfängen der Serie ist, über Ron Hahns Sepp-Nüssli-Quasi-Solo „Der Dämon aus der Tiefe“ (HC 7), hin zu MMTs „Die grüne Insel“ (HC 10) und jetzt vor allem „Am Tor zur Hölle“ (HC 13), ebenfalls von Ron Hahn, fehlt diesen Romanen allen das gewisse Etwas, dass sie in meinem Leseempfinden zu einem properen MX-HC machen würde. HC 6 fehlt, wie erwähnt, die Eigenständigkeit, eine Geschichte erzählen zu wollen, die im Heft noch nicht ausgereizt wirkte. HC 7 ist an sich ein moderner Märchenroman, der sich nur zufällig ins MX-Universum verirrt hat und in jedem anderen Kontext ebenfalls funktionieren würde – man hätte nur einige Personen umschreiben müssen. HC 10 ist in sich auch gelungen, allerdings durch seine Episodenhaftigkeit nicht so sehr in sich geschlossen wie ein „kompakter“ Roman. Und schließlich HC 13, dessen Geschichte so eigenständig wirkt, dass sie fast aus dem Serienkosmos herausgerissen wirkt, und inhaltlich kaum genug Material bieten würde, um ein Heft zu füllen. Auch hier ist der Text nicht so homogen gestaltet, wie er hätte sein können und wie ich mir ein MX-HC wünsche.

Was gehört also in ein MX-HC, damit es meinen Ansprüchen genügt? Da hätten wir entweder eine epische Geschichte, die längere Zeiträume und Prozesse beleuchtet, die im Gesamtkontext von MX relevant sind (HC 1 + 2). Oder ausführliche Personenportraits bzw. Charakterentwicklungen, die sich mit Haupt- oder wiederkehrenden Nebencharakteren beschäftigen (HC 5 + 8) – ich bin dabei sehr gespannt auf das Rulfan-HC 14. Mit ein bisschen Abstand auch Völkerportraits oder Mutantenhintergründe inklusive Vertiefungen regional gebundener Themen-Schwerpunkte (HC 3 + 4).

Was ich nicht lesen möchte: Aufgeplusterte Heftplots, die mir gegenüber den Heften, an denen sich die Thematik anlehnt, nichts neues bieten (HC 6). Innerlich inhaltlich zerrissene, episodenhafte Romane, die den Eindruck erwecken, als Heft ebenso oder besser funktioniert zu haben (in Teilen: HC 10). Romane, die sich zu weit von bekannten MX-Thematiken entfernen (HC 13) oder den Eindruck erwecken, sie würden, wenn sie nicht zu MX gehörten, genauso gut zu lesen sein (HC 7).

Soweit meine Gedanken zu den HX-Hardcovern, soweit sie mir bekannt sind und mich vom Regal aus anlachen. Man nehme dies zum Anlass, vielleicht einmal selber darüber nachzudenken, welche Art von Geschichten einem die nun beinahe 15 Euro wert sind, die man für ein gut aufgemachtes MX-HC auf den Ladentisch legen muss. Denn: Jeder noch so gute Einband entschädigt nicht für einen Inhalt, der den Leser nicht überzeugt...

Um Diskussionsbeiträge im Kolumnen-Forum bei auf www.bastei.de
oder hier beim entsprechenden -Forumsthread wird gebeten!

Bis zum nächsten Mal,
euer Sascha „Andro“ Vennemann


© by 2007
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox