
Maddrax

Von Sascha „Andro“ Vennemann
28. Juli 2006
„Der Blick über den Kraterrand“
oder
„Die Perspektivität von Maddrax“
Aloah!
Es ist noch gar nicht so lange her, nämlich nicht einmal einen Monat, da hat Jo Zybell in der Serie seine letzte Mars-Trilogie beendet. Die drei Bände MX 167-169 werden sich, das ist abzusehen, zu einem absoluten Maddrax-Klassiker entwickeln. Als ob man es nicht schon beim Lesen ahnen würde. Die dort erzählte Geschichte über die Vergangenheit des Mars und die seiner ursprünglichen Bewohner, den Hydree, den Vorfahren der irdischen Hydriten (wer sich an dieser Stelle fragt, wovon ich rede, dem sei gesagt, dass für diese Ausgabe der MX-Kolumne sicherlich eine rudimentäre Kenntnis der Heftroman-Serie MADDRAX aus dem Bastei-Verlag vonnöten ist. Falls nicht vorhanden: Nachholen, hehe!) ist von immanenter Wichtigkeit für die Serie, erhellt sie nicht nur den Background der Geschehnisse ab Band 150, sondern reicht noch viel tiefer ins MX-Universum. Der Ursprung der Hydriten wird erklärt und sowohl das MX-Zeitphänomen der unglaublichen Reise des Matt D. wird in Ansätzen erläutert, wie auch einige Elemente der ursprünglichen Serie im Nachhinein eingebettet (für eine detailliertere Auflistung siehe meine Rezension zu Maddrax Band 167 im entsprechenden Forum bei Bastei - http://www.bastei.de/forum/ ).
Diese besondere Art und Weise, wie MX immer wieder auf sich selbst Bezug nimmt, bildet ein wichtiges Element der Serie und wird auch von den Lesern als solches geschätzt. Wer hätte gedacht, dass das Traumwesen aus Maddrax Band 63 sich als ursprünglicher Marsbewohner entpuppt! Über 100 Bände später nimmt die Serie die Idee wieder auf, aber schon damals wussten Redakteur und Autoren darüber bescheid. Man kann die Macher der Serie nur zu dieser Weitsicht beglückwünschen. Trotzdem wird man als Fan mit solchen Aktionen ganz schön auf die Geduldsprobe gestellt. Wer damals rätselte, woher der ominöse Traum-Organismus kam, der hatte weder viele Anhaltspunkte, noch konnte er sich beim Redax soweit erkundigen, um zu des Rätsels Lösung zu gelangen. Negative Stimmen wurden laut, dass die bloße Anwesenheit des Wesens nicht ausreichen würde, um seine Existenz zu erklären. Wer damals keine Antwort erhielt – falls er eine erwartete – blieb unbefriedigt. Und musste warten. Über hundert Ausgaben, fast vier Jahre lang.
Es geht auch kürzer. Oder länger, je nach dem. MX 45 „Das verschwundene Volk“ von Claudia Kern, gehört neben MX 90 „Lazarus“ zu den absoluten Klassikern der Serie. Die Parallelwelt der Indianer - ihre Bedeutung, ihre Herkunft (oder wo das Volk nun hin verschwunden ist) steht seit Jahren aus, und genauso lange steht die Erklärung im Exposé der Serie, das auf dem Rechner von Redax Michael Schönenbröcher ruht, der die Fans immer wieder darauf vertrösten muss, dass die Thematik später in der Serie wieder aufgenommen wird. Nämlich, so die Perspektive, nach Band 200, wenn nicht sogar noch viel weiter. Wenigstens weiß hier der Leser, dass da noch was kommt und kann sich in der schönsten Freude neben der Schadenfreude, nämlich der Vorfreude suhlen. Andersherum läuft es mit einer Szene, die in der Mars-Trilogie von Susan Schwartz nicht nur mein Gemüt erregte. Eine eher aus dem Zusammenhang gerissene Szene um eine Frau, die bei einem Marserdbeben in einer der Marsstädte unmittelbar betroffen ist, wirkte im Roman überflüssig oder zumindest fehl am Platz. Auch hier muss wieder der Redax eingreifen und sagen: „Die Figur ist für die letzte Marstrilogie wichtig!“. Konnte ja keiner ahnen. Hier wird die langfristige Planung, die hochgelobte, zum Fluch für alle Beteiligten: Der eine darf nicht verraten, warum was wichtig ist, und der andere kratzt sich am Kopf, weil er nicht weiß, wie dieses oder jenes zu interpretieren oder einzuordnen ist.
Und manchmal sind beide überrascht, dass doch was passt und zusammenfindet, von dem man es eigentlich gar nicht geahnt hätte. Zum Beispiel die „Kristallpalme“, welche vieldiskutiert in Band 80 vorkam. Die fadenscheinige Erklärung, es handele sich um einen Kunstgegenstand, wurde von den Lesern mehr müde belächelt als akzeptiert. In Band 140 dann erbarmte sich Bernd Frenz und verpasste der Palme einen logischeren Auftritt als Antenne. Hier waren sicher alle überrascht, von der Sache noch einmal zu hören. Und die Macher hätten sich anfangs sicher nicht träumen lassen, dass so ein Detail die Gemüter der Fans erregt. Doch die „Liebe zum Detail“ haben Macher und Fans zu gleichen Teilen inne. Hier gilt wieder einmal der Grundsatz: Was diskutiert wird, interessiert. Und findet seinen Weg in die Serie.
Die Kontinuität einer Serie ist immens wichtig. Da bildet MX keine Ausnahme. Einzig die Art und Weise, wie hier mit langfristiger Perspektive gearbeitet wird, und mit welcher Liebe zum Detail, zuletzt zu sehen im ersten Band von Jo Zybells Marstrilogie MX 167 – 169, vorgegangen wird, verdient ein Lob von den Fans an die Macher. Die können sich auch mal getrost selber auf die Schulter klopfen, dafür, dass es ihnen gelingt, manchmal die noch so krudesten Verbindungen zu ziehen und die kleinste Nichtigkeit in der Serie so umzubiegen, dass man als Stammleser meist vollkommen zufrieden das Heft zur stetig wachsenden Sammlung legt. Der Blick über den Kraterrand, die Planung von langer Hand, erhält die Konsistenz der manchmal doch sehr filigranen Handlungsfäden von Maddrax. Soweit sitzt die Serie seit Beginn fest im Andronen-Sattel.
Gruss, Sascha „Andro“ Vennemann
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