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Maddrax

Von Sascha „Andro“ Vennemann
8. Dezember 2006

“Segen und Fluch”
oder
“Betrunken von der Zukunft vs. Serien-Exposé-Kater“

Der aufmerksame Leser des wird es vernommen haben: Unsereins hatte das Privileg, sechs Wochen lang im Bastei-Verlag zu arbeiten – als Praktikant im Spannungsromanlektorat. Sechs Wochen lang, im Oktober und November 2006, saß ich MADDRAX-Redax und Koordinator Michael Schönenbröcher gegenüber, auf der anderen Seite des Flurs Holger Kappel, derzeit u.a. zuständig für „Sternenfaust“. Und wir taten, was Lektoren und Redakteure nun einmal machen – wir kümmerten uns um die Heftserien.
Manch ein anderer Bastei-Fan rollte vor Neid mit den Augen, als ich ihm erzählte, was meine Aufgabe dabei war: Ich durfte in jungfräulichen Romanen rumfuhrwerken, Rechtschreibfehler ausbessern, Sätze neu formulieren, wenn sie im Ausdruck etwas holprig daherkamen, und auch Passagen kürzen, hier und da einen Nebensatz oder Absatz neu schreiben oder anfügen. Damit verrate ich nichts Neues, das machen die meisten Lektoren, das ist ihre Aufgabe.
Nun bin ich ja nicht ganz unbewandert, was die Serien aus dem Bastei-Verlag angeht. Dementsprechend habe ich mich am meisten darüber gefreut, für eine Weile an MX und Sternenfaust mitarbeiten zu können. Kappel und Schönenbröcher waren froh, dass sie mir inhaltlich zu den Serien relativ wenig erzählen mussten, und auch mir hat es, vor allem fürs inhaltliche Lektorat sehr geholfen, über die Charaktere, den Serienverlauf und die Vorgaben zu den Serien bescheid zu wissen. So kann man die Gespräche, die wir führten, durchaus als Expertenklönen bezeichnen. Alles schön und gut. Für den Normal-Fan wahrscheinlich die Erfüllung seiner Träume. Für mich ebenfalls.
Aber... (Gibt es nicht immer ein Aber?) ... man sollte nicht vergessen, was diese Aufgaben mit sich bringen: Nämlich den unvermeidbaren Einblick in das SERIENEXPOSÉ, der Blick in die spannende Zukunft, die dem Normalsterblichen vorenthalten wird. Freunde, was Sternenfaust und vor allem MX angeht, bin ich fürs nächste Jahr vollständig gespoilert! Will man das wirklich? Ich musste es wollen, sonst hätte ich nicht vernünftig an den Romanen arbeiten können. In den heiligen Hallen kann man sich nicht einfach die Ohren zuhalten, wenn man mit dem Erstellen von ausformulierten Einzelexposés beauftragt wird. Inhaltlich werden meine Lieblingsserien MX und Sternenfaust mich für lange Zeit nicht mehr überraschen können – Ich weiß, zumindest im Groben, was passieren wird (solange es Redax und Autoren schon wissen), wohin die Reise geht, die ich seit Jahren als Unwissender mitverfolgt habe.
Werde ich mich jetzt langweilen, wenn ich die neuen Hefte bekomme? Werde ich die Lust verlieren, mich mit den Serien zu beschäftigen? Hier lautet die Antwort eindeutig: Nein!
Ich habe für eine Zeit die Perspektive gewechselt. Ich kann als passiver Leser keinen Einfluss nehmen, als Lektor kann ich das. In den nächsten Wochen erscheinen die Romane, an die ich auch Hand angelegt habe, und es ist überaus spannend und befriedigend, die eigene Arbeit an den jetzt fertigen Texten, gedruckt im Heft zu erblicken. „Der Satz da ist von mir!“, „Diese Formulierung stammt aus meiner Tastatur!“, so geht es mir durch den Kopf. Und: „Wenn die anderen wüssten...“ Als Rezensent und Kritiker bin ich, was das Bewerten der Romane angeht, zwar nicht parteiisch geworden, bleibe überaus kritisch, aber auch hier hat sich die Perspektive verschoben. Wie schon in einer der letzten Kolumnen angemerkt, ist eine Serie wie Maddrax sehr perspektivisch angelegt. Der grade aktuelle Maddrax-Band 179, und einige Geschehnisse aus diesem Roman, von denen man es nicht erwarten würde, werden bis etwa zehn Bände später, noch eine Rolle zu spielen haben. Der Normalleser weiß das nicht. Ich habe den Segen und den Fluch es zu wissen. Wieder einmal ist jetzt, als Leser, für mich der Weg das Ziel. Was werden die Autoren aus dem Gerüst machen, in dessen Fundament nun auch zu winzigen Anteilen ein Handabdruck vom „Andro“ zu finden ist? Dazu schweige ich wie ein Grab. Bis alles sowieso so geschehen ist, wie ich es weiß. Bis dahin wird meine Perspektive sich von eurer unterscheiden: WAS passiert, weiß ich schon, ich weiß nur noch nicht, WIE...

© Sascha „Andro“ Vennemann

 

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