
John Sinclair


Band 1500 – Im Blickpunkt: Große Jubiläen

Fakten:
-
Erscheinungsdatum: 10.04.2007
-
Coverillustration: Candy Kay
-
1500. Roman der eigenständigen Serie "Geisterjäger John Sinclair"
-
1550. John Sinclair-Roman
-
1495. JS-Roman von Jason Dark
-
Seit 931 Heften ist Will Mallmann als Vampir dabei
-
35. Band mit Saladin
Was wurde nicht alles über Band 1500 spekuliert? Der Tod eines Freundes, eines Feindes, der Beginn eines neuen roten Fadens oder Zyklus, ja gar das Ende der gesamten Serie wurde vermutet. Monatelanges Spekulieren, Raten und Prophezeien – und dann kam er, der Albino.
Viel ist es wahrlich nicht, dass sich verändert hat, eigentlich gar nichts. Doch wenden wir uns erst einmal der Geschichte an sich zu.
Wir beginnen in einer verruchten Kneipe, in der Maggie Crane, eine Frau, die ihre besten Jahre längst hinter sich gelassen hat, auf ihre Freier wartet. Dass es in dieser Nacht ausgerechnet der abstoßende Albino Lucio sein würde, hätte sie wohl nicht erwartet. Doch bevor sie richtig zur Tat schreiten können, erscheint ein glatzköpfiger Mann, greift sich den Albino und verschwindet genauso schnell, wie er gekommen war. Hinter dieser Entführung verbirgt sich niemand anderes als Saladin, der Lucio in die Vampirwelt und zu seinem Partner Dracula II bringt. Dem wird sogleich die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den ersten Vampir-Albino der Sinclair-Geschichte zu erschaffen. Welchen ausgewieften Plan sie damit verfolgen, wird zwar in der Folge nicht so ganz klar, dennoch ist es zumindest ein Plan. Immerhin möchte Saladin Mallmanns ehemalige Verbündete Justine Cavallo wieder in die Vampirwelt an die Seite des Supervampirs zurückholen. So lockt er sie in eben jene Kneipe, die wir bereits zu Beginn des Romans kennen gelernt haben. Dort stehen mittlerweile alle Gäste unter dem Einfluss des Hypnotiseurs, der das Blut der Menschen der blonden Bestie zum Geschenk machen will. Auch der Albino erscheint in der Bar. Ach ja, und da wären noch John Sinclair und sein ewiger Partner Suko, die dank Maggie Crane Wind von der ganzen Sache bekommen haben und sich zur großen Zusammenkunft natürlich ebenfalls in der Kneipe einfinden. Dort kommt es dann doch noch zu einem einigermaßen interessanten Finale, in dessen Verlauf der titelgebende Albino dank einer von Johns Silberkugeln in die ewigen Jagdgründe geschickt wird und auch Saladin sein Fett weg bekommt. Ihn trifft nämlich eine saftige Schrotladung, die die Wirtin des Lokals, Rose Nelson, auf ihn abgefeuert hat. Schwer verletzt beamt er sich einmal mehr davon und lässt unsere frustrierten Helden zurück...
Frustriert dürften nicht nur John & Co. Gewesen sein, sondern auch viele Fans, die auf ein großes, ereignis- und actionreiches Jubiläum gewartet hatten. Viele haben sogar ihre Position als Stamm- oder Gelegenheitsleser von der Qualität dieses Bandes abhängig gemacht, und nicht wenige daraufhin die entsprechenden Schlüsse gezogen. Aber war dies auch berechtigt? Ich denke nicht.
Sicherlich, auch ich hätte mir zu Band 1500 ein größeres Ereignis wie den Tod eines wiederkehrenden Charakters oder so einen Fall wie die Suche nach der Bundeslade gewünscht, aber wenn ich den Roman einmal als einen ganz normalen Roman innerhalb der Serie betrachte, komme ich freilich nicht zu dem Schluss, hier eine Top-Story gelesen zu haben, aber immerhin eine, die ich guten Gewissens als durchschnittlich bezeichnen kann. Diese Ansicht ergibt sich für mich aus den düsteren und voller Gruselatmosphäre steckenden Passagen in der Vampirwelt, den gelungenen Anschlüssen an die letzten beiden Hefte – man denke nur an das amüsante Gespräch zwischen John, Glenda und Suko über Rattenfleisch - , und einem recht mitreißenden Showdown, in dem der von vielen Fans so gehasste Hypnotiseur Saladin erstmals richtig etwas einstecken muss. Leider hat es sich Jason Dark dann doch nicht getraut, ihn über die Klinge springen zu lassen. Dennoch, der Roman lässt sich gut lesen, und darauf kommt es schließlich an.
Warum es zu diesem unjubiläumshaften Jubiläum überhaupt kam, darüber kann ich nur mutmaßen. Nicht von der Hand zu weisen ist das Gerücht, dass es etwas mit seiner neuen Serie ‚Don Harris’, die diesmal nicht bei Bastei-Lübbe erscheint. Aber um das genau beurteilen zu können, dazu müsste ich schon tiefere Einblicke in das Verlagsgeschehen haben...
Wie dem auch sei - da dieser Band trotz seines weniger spektakulären Inhalts immer noch der 1500. ‚Geisterjäger John Sinclair’-Roman ist, gibt es nun auch ein paar Neuerungen in meiner Kolumne: Zunächst einmal die Statistik, in der wiederkehrende Charaktere, (vernichtete) Gegner, Tote und Besonderheiten der jeweiligen Geschichte aufgelistet werden. Danach gibt es den Zusatz ‚Im Blickpunkt’, in dem ich ein wichtiges oder auch unwichtiges Detail aus dem Roman im Zusammenhang mit der Sinclair-Historie erläutern werde.
Statistik
Wiederkehrende Charaktere (gut): John Sinclair, Glenda Perkins, Suko, Justine Cavallo,
Jane Collins
Wiederkehrende Charaktere (böse): Will Mallmann, Saladin
Tote: Lucio
Vernichtete Gegner: Lucio
Besonderheiten: Saladin wird schwer verletzt.
Nach einem Tag weniger als einem Jahr spielt Will Mallmann wieder mit.
Im Blickpunkt: Große Jubiläen
Blickt man zurück in der Sinclair-Historie, so findet man eine nicht enden wollende Anzahl großer Jubiläen. Angefangen hat alles mit Band 0050 ‚Der gelbe Satan’. In diesem Roman lernten wir Shao, Sukos langjährige Partnerin, die heute leider nur mehr eine bessere Randfigur ist. Ab Band 0100 – dem Auftakt der fast schon legendären 100er-Trilogie – gab es zur jeder runden Nummer eine Serie von Großereignissen. In dem besagten Mehrteiler verabschiedet sich neben dem Schwarzen Tod auch Karin Mallmann, während neue Figuren wie die schwarzen Vampire hinzustoßen. 100 Romane später segneten auch Asmodina, Mr Mondo und Maddox das zeitliche, während zu Band 0300 einer der größten Zyklen der Sinclair-Geschichte gestartet wird. Doch schon der nächste 100er Band bot die erste Enttäuschung – nur ein unbedeutender Einzelroman. Wie man später auf einer Leserseite erfuhr, sah Jason Dark die 400 gar nicht als richtiges Jubiläum an. Warum, das weiß wohl nur er. Auch bei den Nummern 600 und 900 geschah nichts außergewöhnliches, ganz im Gegensatz zur Nr. 1000, mit der ein neunteiliger und für die Zukunft der Serie enorm wichtiger Zyklus gestartet wird. 200 Romane später beglückte uns dann der Autor mit dem wenig beliebten Vogelmädchen Carlotta. Von da an war es eigentlich um die Jubiläen geschehen: Sie versanken in der Bedeutungslosigkeit. Band 1300 brachte zumindest noch einmal einen spannenden Zweiteiler, doch mit Nr. 1400 – der dennoch eine neue wiederkehrende Person beinhaltete – wurde ein Tiefpunkt erreicht.
Immerhin kann sich Band 1500 nun damit rühmen, um Längen besser als der vorangegangenen Jubiläumsroman zu sein. Aber an vergangene Zeiten konnte er nicht mehr anknüpfen. Da bleibt schlussendlich nur die Frage, was bei Nr. 1600 kommen wird.
Ciao!
In der nächsten Kolumne, die sich mit Band 1501 ‚Nachts, wenn der Wahnsinn kommt’ beschäftigt, gibt es neben der Erkenntnis, dass der Jubiläumsband doch nicht ganz ohne Wirkung bleibt, auch eine neue Ausgabe von ‚Im Blickpunkt’. Thema wird dann Saladin, der Hypnotiseur, sein.
© Dämonengeist
|