
John Sinclair

Band 1501 – Im Blickpunkt: Saladin
‚Nachts, wenn die Träume kommen…’
Nach dem eher minder als mehr gelungenen Jubiläum gibt es nun die Fortsetzung, obwohl es sich um keinen offiziellen Zweiteiler handelt. Warum das so ist, kann wohl nur der Verlag beantworten, denn eigentlich schließt der Roman direkt an ‚Der Albino’ an.
Wir erinnern uns: Saladin wurde am Ende des letzten Bandes von Rose Nelson angeschossen, woraufhin er sich schwer verletzt in die Vampirwelt wegbeamen konnte. Dafür will er sich nun rächen, indem er die Wirtin per Fernhypnose beeinflusst. Doch erst einmal muss er sich gegen eine Horde bluthungriger Vampire zur Wehr setzen, die ihm buchstäblich an den Kragen wollen. Doch durch seinen Partner Will Mallmann werden nicht nur die anderen Wiedergänger vertrieben, nein, der Supervampir zieht Saladin auch alle Schrotkugeln aus dem Körper, sodass der Hypnotiseur seinen Plan durchziehen kann. In der Nacht in der realen Welt dringt er in die Gedanken von Rose Nelson ein – schickt ihr aber keine besonderen Träume, wie es unsinniger Weise in der Vorschau angekündigt wird – und beeinflusst sie dazu, ihren Gehilfen Bubi zu erschießen. Als sie aus dem Bann erwacht, ruft die schockierte Wirtin sofort John Sinclair und Suko zu Hilfe. Die beiden Geisterjäger rücken sofort mit einer Garnison Spurensicherer an, doch eine weitere Tragödie können sie nicht verhindern: Als Rose Nelson erneut unter die Beeinflussung Saladins gerät, verletzt sie einen Spurensicherer mit einem Messer schwer und tötet sich daraufhin selbst. Während John und Suko das erst einmal verarbeiten müssen, greifen Saladin in der Vampirwelt erneut einige abgehalfterte Blutsauger an. Doch wieder einmal taucht Dracula II zur rechten Zeit auf, macht dabei aber seinem Verbündeten klar, dass er ihn erst wieder als vollwertigen Partner und nicht nur als Last ansieht, wenn der Hypnotiseur komplett genesen ist. Dazu beamt sich Saladin in ein Krankenhaus in London und beeinflusst eine Ärztin, damit sie seine Wunden näht. Nach getaner Arbeit, und nachdem er eine Schwester dazu gebracht hat, sich selbst mit einer Schere zu verletzen, will er mit der Ärztin das Krankenhaus verlassen. Doch dabei wird er von John und Saladin, die dank der Hilfe von Glenda Perkins den Aufenthaltsort des Hypnotiseurs herausfinden konnten, angegriffen. Letztlich entkommt er aber mal wieder mittels seiner Beamkräfte, John und Suko stehen mal wieder dumm da und der Roman ist mal wieder vorbei.
Hatte es nach dem inoffiziellen ersten Teil ‚Der Albino’ noch so ausgesehen, als wäre das Jubiläum ein halber Schuss in den Ofen geworden, so wird man mit diesem Heft eines besseren belehrt. Stimmig beschreibt Jason Dark Saladins Kampf gegen die Vampire und seinen eigenen Körper, während sein Verbündeter Dracula II ihm klar macht, dass ihre Partnerschaft doch nicht allzu tief und nur von dem gegenseitigen übernatürlichen Kräften und deren Nutzen für den jeweils anderen bestimmt wird. Gleichzeitig werden John und Suko mit Saladins immer noch sehr starken psychischen Macht konfrontiert, als er seine Rache voll durchzieht und die beiden Überlebenden aus Teil 1, Rose Nelson und Bubi – dessen Name mir mehr als einmal einen Schauer über den Rücken laufen ließ – auf äußerst brutale Weise aus dem Leben treten lässt. Diese beiden Handlungsstränge geben dem Roman zunächst etwas, was Band 1500 gefehlt hat: Spannung.
Leider verliert der Roman im letzten Drittel etwas seinen Faden, denn die Szenen, in denen sich Saladin im Krankenhaus behandeln lässt, während das dynamische Sinclair Duo und Glenda Perkins versuchen, seinen Aufenthaltsort zu erfahren, strecken den Roman unnötig und sind einfach langweilig. Am Ende jedoch nimmt die Story noch einmal Fahrt auf, das Ende aber ist wieder einmal typisch für einen Auftritt von Saladin.
Insgesamt gesehen ist der Roman sicher kein Meilenstein der Sinclair-Ära, aber doch vor allem durch die ersten 40 Seiten weit über dem Durchschnitt anzusiedeln.
Schließlich möchte ich noch einen kleinen Blick auf das Jubiläum insgesamt werfen, denn trotz des fehlenden Hinweises gehört Band 1501 immer noch dazu: Leider hat man beim Verlag darauf verzichtet, die Runde Zahl, die die JS-Romane jetzt erreicht haben, zu bewerben und ausreichend zu würdigen. Keine Aufkleber, keine Lesezeichen wie in Band 1000, keine anderen Sonderbeilagen; nur zwei kleine Aufschriften (Die Fahne Band 1500 und der Untertitel Der große Jubiläumsband von Jason Dark). Gut, es gab noch ein kleines Gewinnspiel auf der Verlagsseite, aber eine großangelegte Aktion sieht anders aus. Auf die Romanhandlung bezogen hat sich auch nicht sehr viel getan. Immerhin hat das Bündnis Saladin-Mallmann einen ersten kleinen Knick erhalten und der Hypnotiseur wurde ebenfalls erstmals schwerer verletzt. Die Zukunft wird zeigen, was da noch so kommt…
Statistik
Wiederkehrende Charaktere (gut): John Sinclair, Suko, Glenda Perkins, Sir James Powell, Jane Collins, Justine Cavallo, Luigi
Wiederkehrende Charaktere (böse): Will Mallmann, Saladin
Weitere Gegner: Einige Vampire
Vernichtete Gegner: Keine
Tote: Rose Nelson, Bubi
Besonderheiten:
- Saladin lässt seine Verletzungen ausreichend verarzten.
- Die Partnerschaft von Mallmann und Saladin bekommt kurzzeitig Risse
Im Blickpunkt: Saladin
An Saladin, dem Hypnotiseur, scheiden sich seit seinem ersten Erscheinen die Geister: Entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn. Zugegeben, liest man im Internet etwas über Saladin, ist es schwer, irgendwo positive Kritik zu finden. Beinahe einzig und allein die Leserseite bietet hin und wieder einen Leserbrief, der die Figur des Hypnotiseurs lobt.
Angefangen hat alles mit Band 1332 ‚Hypnose-Horror’, als Saladin, damals noch in Diensten des Schwarzen Tods, einige Studenten in seinen Bann brachte und im Folgeroman auch John Sinclair an den Kragen wollte. War ein Hypnotiseur, der sich mit Dämonen verbündet, damals noch etwas Neues und hatte das Auftreten Saladins noch etwas Charisma, so wandelte sich das schon nach kurzer Zeit eher dazu, dass er nicht nur den Serienhelden, sondern auch den Fans gehörig auf die Nerven ging. Zu eindimensional war und ist der Charakter, zu eingeschränkt seine Fähigkeiten, wodurch seine Auftritte sehr oft nach demselben Schema abliefen.
Das änderte sich auch nicht, nachdem der Schwarze Tod vernichtet wurde und Saladin sich Dracula II anschloss. Eher das Gegenteil war der Fall – seine Auftritte wurden noch comichafter und sein Verhalten zur absoluten Lieblingszielscheibe der Fans (und damit auch meiner Wenigkeit).
Jason Dark sah es aber offenbar anders: Der Hypnotiseur ist seit Metatrons Auftritt in Band 1470 der einzige wiederkehrende Gegner in der aktuellen Handlung.
In ‚Nachts, wenn die Träume kommen...’ ergibt sich dann aber doch etwas Neues bezüglich Saladin: Seine Partnerschaft mit Mallmann erhält erste Brüche, bleibt aber schließlich doch bestehen. Und dennoch – mir persönlich wäre es lieber, wenn der Hypnotiseur lieber gestern als heute aus der Serie verschwinden würde…
© Rafael Hoppe
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