Wen kümmert schon die Technik #2
Nachdem ich mich im ersten Teil über das Münchhausensche Metagravtriebwerk ausgelassen habe, bei man sich physikalisch an den eigenen Haaren aus dem Sumpf in den freien Raum hebt, noch ein paar Worte zu dem altbewährten Impulstriebwerk.
„In der Zentrale des kugelförmigen Raumschiffes war das tiefe Donnern der mit Vollschub laufenden Triebwerke nur noch schwach zu hören. Vollschub – das bedeutete die Austo0ung eines in hyperstrukturellen Energiefeldern gebändigten, eingeengten und gleichgerichteten Partikelstroms von höchster Dichte und absoluter Lichtgeschwindigkeit.
Perry Rhodan und die Arkoniden bezeichneten die Impulse als ‚Korpuskelwelle’. Was in irdischen Fachkreisen einige Aufregung verursacht hatte...
Impulstriebwerke und Korpuskelwelle – das waren Begriffe, die nur durch eine fünfdimensionale Mathematik rechnerisch erfasst und beherrscht werden konnten.“ (Band 10², S. 25/26)
„Aus den Triebwerken der Fernlenkschiffe schossen die kaum sichtbaren, räumlich übergeordneten Impulswellen, die ihren energetisch höheren Charakter durch die Totalumformung in den mächtigen Konvertern erhielten. Sie waren absolut lichtschnell und griffen normale Materie nur dann an, wenn ein Schiff mit voll laufenden Triebwerken startete oder zur Landung ansetzte.“ (Nr. 60², S. 47)
Das klingt doch gut und in sich schlüssig. Das Impulstriebwerk gehorcht getreu seinem Namen dem Impulserhaltungssatz, erreicht aber aufgrund des „energetisch höheren Charakters“ Beschleunigungen, die schier atemberaubend sind.
Leider macht der Physiker vom Dienst später aus den ominösen Impulswellen schlichte Protonenstrahlen, die sich dann dummerweise wieder der normalen Physik beugen müssen. Bei den benötigten Beschleunigungen müssen die Protonen in unglaublicher Dichte ausgestoßen werden – die gegenseitige elektrostatische Abstoßung der Protonen dürfte den Triebwerksstrahl mit der Wucht tausender Wasserstoffbomben auseinander jagen. Die Raumschiffe würden eine enorme Wolke aus fast lichtschnellen Protonen produzieren, sprich kosmische Strahlung in einer Intensität, die beim Start eines Raumschiffes jegliches Leben auf dem betroffenen Planeten vernichtet. Dagegen sind die Transformbomben lächerliche Knallfrösche.
Fusionsbomben bzw. Hochenergiewaffen und Triebwerke haben übrigens noch mehr gemeinsam.
„Das Isolationsgriffstück meines Thermostrahlers war schon etwas warm geworden. In der Miniatur-Verschmelzungskammer wartete eine winzige Katalyseladung auf den nächsten elektrischen Zündfunken. Ein Bruchteil der freiwerdenden Energie wurde von dem Mikrokonverter aufgenommen, der als Stromerzeuger die Aufgabe hatte, die einengenden Kraftfelder für die Reaktionskammer und den Gleichrichtungslauf zu erzeugen. Wäre das nicht so gewesen, hätte sich in meiner Rechten eine kleine Atombombe entzündet, denn die Katalyseladung reagierte beim kalten Fusionsprozess auf eine Anlauftemperatur von nur knapp viertausend Grad.“ (Band 75, S. 57)
„Ultrakatalysiertes Deuterium, dessen Fusionsprozess im kalten Verschmelzungsvorgang schon bei knapp über dreitausend Grad Celsius erreichbar war; KATALY-D-ULTRA, das den einzigartigen Kohlenstoffzyklus der Sterne exakt kopierte, versorgte die Hochenergiereaktoren der Kraftwerke, die Direktstrahlmeiler der Korpuskulartriebwerke und die Autarkversorger der Überlichtflugkonverter mit nur winzigen Mengen verschmelzungsfreudiger Einspritznebel. Kernbrennstoffe dieser Art konnten überdies auf jedem wasserhaltigen Himmelskörper mit bordeigenen Anlagen hergestellt werden...Besonders die neuartigen Schwarzschild-Reaktoren solarer Raumschiffe verwerteten notfalls auch andere Elemente.“ (Band 450, S. 16)
Hochkatalysiertes Deuterium – der Alptraum schlechthin. Bei lächerlichen drei bis viertausend Grad setzt bereits die Kernfusion ein. Die Wasserstoffbombe lässt sich quasi per Streichholz zünden! Von dem Stoff müssen die Raumschiffe mehrere Millionen Tonnen an Bord haben, ganz zu schweigen von den Raumhäfen und Stützpunkten, wo das Teufelszeug nur noch in Milliarden oder Billionen Tonnen zu messen ist.
„Doch nur wenige Meter von dem Atomfeuer entfernt, lag Deuteriumtank vier, gefüllt mit hochkatalysiertem Deuterium, bei denen die Elektronen durch Mesonen ersetzt worden waren. Dadurch ergab sich der äußerst geringe Anregungspunkt von dreieinhalbtausend Grad Celsius – zu niedrig für den Atombrand. Es würde auch nichts nützen, dass die Tankwände mit ihren Spezialislationen einer Temperatur von etwa 100 000 Grad Celsius standhalten konnten.“ (Band 384, S. 7)
Und in Band 350 versucht folgerichtig der Zweitkonditionierte Terek Than die gesamte Erde durch das Zündeln in einem Waffenmagazin für Transformbomben zu vernichten.
„Die Isolationshülle hält etwa zwanzigtausend Grad aus. Wenn er sie zerstört, genügt ein Energieschuss, und die Erde wird in Stücke gerissen.“ (Band 350, S. 59)
Die terranische Risikobereitschaft ist halt grenzenlos... Bei einem schweren Unfall ist immer gleich der ganze Planet mit weg. Immerhin muss ein potentieller Übertäter ja noch aktiv die Isolationshüllen zerstören und dann sein Streichholz reiben – das später vom Physiker vom Dienst eingeführte Nugas ist da weit schlimmer. Die bereits erwähnten Protonen sind hier dicht gepackt als Nugas in einer Treibstoffkugel, bei der nur ein Paratronfeld verhindert, dass selbige mir einer Wucht auseinanderfliegen, die eine gleichgroße Kernfusionsbombe als feuchten Feuerwerkskörper aus dem letzten Jahr erscheinen lässt. Und hier muss nur jemand den Schalter umlegen oder die Energieversorgung des Paratronfeldes versagt. Der später dazu gekommene Notauswurfmechanismus für durchgehende Treibstoffkugeln ist auch nur Kosmetik für die Nerven. Abgesehen davon, dass der Auswurf schnell genug erfolgen muss, möchte ich das gern mal auf dem Raumhafen von Terrania durchexerzieren. Dann explodiert die Nugaskugel halt nicht im Raumschiff, sondern auf dem Raumhafen, wobei ich keinen großen Unterschied im Ergebnis erkennen kann.
Merke: versuche nie, pseudowissenschaftlichen Unsinn mit realer Physik zu erklären, dabei erleidest du fast immer Schiffbruch. Die Scheersche Technik war in sich stimmig und mit den gewählten Termini erklärbar. Der Mahrsche Versuch, das Ganze auf eine realphysikalische Grundlage zu stellen, kann jedoch nur als gescheitert betrachtet werden. Von castorischen Hyperschwallungen ganz zu schweigen...