

PERRY RHODAN – Den gibt es ja immer noch
von Michael Hirtzy
Am 12. Jänner 1962 erschien mit »Der Unsterbliche« Perry Rhodan Heft Nummer 19, geschrieben von K.H. Scheer. Viele Quellen geben heute an, dass damals niemand daran dachte, dass die Serie mehr als 50 Hefte umfassen würde. Der eine oder andere wird inzwischen zugeben müssen, dass die Prognose geringfügig an der Realität vorbeiging. Rund 48 Jahre später und inzwischen bei Heft Nummer 2537 angekommen (und das ohne Unterbrechung) bekommt der Titel des damaligen Heftes eine fast philosophische Bedeutung. Und wohl der eine oder andere wird sich denken:
»Perry Rhodan – Den gibt es immer noch?«
In meiner persönlichen Perry Rhodan History kam diese Frage mehr als einmal auf. Aber dazu erst einmal zurück zum Start. Es war irgendwann im Sommer 1983, mit stattlichen 7 Jahren, als mein Erstkontakt mit dem Unsterblichen stattfand. Wobei das Interesse damals weniger dem Unsterblichen als dem Ausdruck des Ekels auf dem Gesicht meiner Mutter galt. Diese Mischung aus »mir kommt das Mittagessen wieder hoch« und »das kauf ich sicherlich nicht« faszinierte mich mehr als der Inhalt der Hörspielkassette, die ich gerade in der Hand hielt. Zugegeben, lesen konnte ich damals noch nicht richtig, also hatte ich mitten im Kaufhaus ja nicht den blassesten Schimmer, was ich da in der Hand hielt. Aber das schön ekelige Titelbild und das Grauen im Gesicht meiner Mutter waren Argumente genug, um die Kassette unbedingt haben zu müssen. Was vermutlich nie geglückt wäre, wenn da nicht mein Vater den inzwischen fast legendären Satz »Perry Rhodan – den gibt es immer noch?« losgelassen hätte. Wenige Minuten später stand ich mit 6 Hörspielkassetten und einem Grinsen wie ein frisch lackiertes Hutschpferd an der Kasse. So harmlos fängt es manchmal an. Leider hörte die Freude bald wieder auf, als die Serie im Hörspielformat mit Nummer 12 (der Unsterbliche) eingestellt wurde. Wenn ich damals gewusst hätte, was noch auf mich zu kommt ...

Dank diverser anderer Ablenkungen (TKKG, 3 Fragezeichen, 5 Freunde) verlor ich den netten Herren mit seinem Mutanten für einige Zeit aus den Augen. Was wohl auch daran lag, dass ich die Kassetten damals so oft angehört hatte, dass irgendwann die Bänder an Materialermüdung eines unwürdigen Todes starben. Irgendwann, dies dürfte wohl Ende der 80er Jahre gewesen sein, kam dann mein Bruder mit einigen seltsamen, knapp A5-formatigen Heften nach Hause. Oh Mann, der Schrecken am Gesicht unserer Mutter erinnerte mich sofort wieder an die alten Hörspielkassetten. So was sieht man leider viel zu selten.
»Du liest so einen Schund?«, war ihre Reaktion. Vater und Bruder (also meine Wenigkeit) reagierten mit einem »He, den gibt es immer noch?« mit einer Mischung aus Überraschung und Begeisterung. Der alte Sack war ja noch immer da. Und auf dem Heft stand eine Zahl, die jenseits der Tausend lag (wobei ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, welche Nummer genau es war). Da mein Bruder damals aber eher der besitzergreifende Typ war und alles, was ihm gehörte, auf Biegen und Brechen nicht aus den Fingern ließ, blieb es bei einer Beobachtung der Hefte aus der Entfernung. Hätte ich jemals meine Finger an eines der Hefte gelegt, hätten mir wohl kurz darauf die selbigen gefehlt (Finger, nicht Hefte).
Die Zeit verging und Anfang der 90er Jahre begann meine Berufslaufbahn mit einer Lehre in einer alteingesessenen Buchhandlung. Eine Universitätsbuchhandlung noch dazu. Wer hätte gedacht, dass ich dem seltsamen Herrn dort wieder begegnen würde?
Aber zu Beginn meiner Karriere als Buchhändler durfte ich erst einmal die Warenübernahme kennenlernen. Und war das eine Überraschung, als ich in den ersten Wochen eine Kiste öffnete, in der ein ganzer Stapel silberglänzender Hardcover Bücher lag. Mit Hologramm Cover und dem dunkelblauen Schriftzug PERRY RHODAN. Mein damaliger Ausbilder war von meinem Ausspruch, an den ich mich heute noch erinnere, in diesem Moment etwas verwundert. »Der ist ja echt nicht unterzukriegen« war wohl nicht ganz das, was er beim Etikettieren von Büchern erwartet hätte. Aber da war er wieder. Dieser komische Kerl, der es sich scheinbar in den Kopf gesetzt hatte, nicht nur wirklich unsterblich zu werden, sondern auch mich bis an mein Lebensende zu verfolgen. Ja, in dem Alter hat man so seltsame Gedanken.
Die Zeit verging, ich las einige Zeit die Silberbände und einige Taschenbücher. Aber dank meines nicht ganz freiwilligen Beitrittes zum Bundesheer (Pflichtwehrdienst) und der damit einhergehenden finanziellen Eingeschränktheit war es erstmal wieder vorbei. Aber Unkraut vergeht nicht. Und einem Unsterblichen kann man nicht entkommen. Das mussten unzählige Gegner im Laufe der Serie auch feststellen.
Und so war mein beruflicher Wechsel in den Vertriebsaußendienst (auch Vertreter genannt) daran schuld, dass mir Perry Rhodan wieder über den Weg lief. Diesmal in Form von Hörbüchern. Die geniale Silber-Edition aus dem Hause EinsAMedien. Die klassischen Silberbände, ungekürzt in Hörbuchboxen. Das gab Material für lange Autofahrten. Lange Rede kurzer Sinn, als ich dann beim Kaufen der samstäglichen Tageszeitung in der Trafik feststellte, dass Perry gerade den 2400. Geburtstag feierte und mit »Zielzeit« – der Titel des entsprechenden Heftes – einen neuen Zyklus antrat, war es irgendwie um mich geschehen. Jetzt wollte ich auf dem Laufenden bleiben und regelmäßig erfahren, warum der Typ nicht unterzukriegen war.
Vier Jahre sind vergangen. Diesmal hat Perry es geschafft, dass ich ihn nicht wieder aus den Augen verlor. Der Unsterbliche, dessen mediale Erfolge ihn wohl zu einem der größten Phänomene der deutschsprachigen Kulturgeschichte machen, gehört inzwischen jeden Freitag zu meinem Leben. Inzwischen ist das Heft 2537 erreicht und die Serie nähert sich mit großen Schritten dem 50-Jahre-Jubiläum. Mit Hörbüchern (SilberEdition, wöchentliche Veröffentlichung der Romanhefte als Download), Hörspielen (EinsAMedien und Lübbe Audio), Romanheften, Taschenbüchern (Heyne, Fantasy Productions), Hardcovers (Silberbänden), Comics (Aligator Farm), Computerspielen ... findet man den Unsterblichen und seine Begleiter in den unterschiedlichsten Medien wieder.
Mit dem aktuellen Zyklus macht Perry Rhodan in mehr als einer Hinsicht einen Schritt »back to the roots«. Dazu in Zukunft mehr. Ich freue mich mal auf die nächsten 2500 Hefte.
Fortsetzung folgt …
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