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Perry Rhodan

von Uli Heise

Die einen nennen es Demokratie

Die Schreiber von Horrorromanen, Western und Krimis müssen sich nur selten einen Kopf machen über die politische Struktur ihrer Welten. Dazu ist der Maßstab der handelnden Personen meist zu gering und außerdem ist es den Monstern, Revolvermännern und Mördern völlig egal, ob sie Demokraten, Royalisten oder Anarchisten vom Leben in den nächsten Zustand versetzen.
Serien mit dem Anspruch einer „Future History“ müssen sich da schon etwas mehr entblößen, da zumindest ein Teil der Handlungsträger politische und militärische Führungspositionen innehaben. In unser aller Lieblingsserie war Perry Rhodan für mehr als 1500 Jahre (!) ohne jede Unterbrechung an der Spitze des Solaren Imperiums, auch wenn das zeitweilig einen anderen Namen trug.
In den Romanen sind nur selten Anspielungen oder Beschreibungen politischer Strukturen zu finden, zumal die Heftchen ja immer zu Krisenzeiten spielten, wenn die erste Amtshandlung die Ausrufung des Notstands war...
In den Bänden 387 und 388 waren zwei bemerkenswerte Beiträge abgedruckt, die es leider nie in eines der drei in Buchform veröffentlichten Perry-Rhodan-Lexika geschafft haben. Warum wohl? Verfasser war H. G. Ewers, der offensichtlich keine Ängste hatte, sich aus dem Fenster zu lehnen.
Nachstehend die Wiedergabe der Folgen 107 und 108, beide in der damaligen Rechtschreibung. Oder der neuesten...

Folge 107

Perry Rhodan bringt in jedem Heft eine Seite Perry-Rhodan-Lexikon in nichtalphabetischer Reihenfolge. Die Begriffe, die in Kursivschrift gedruckt und mit * versehen sind, werden oder wurden an anderer Stelle erklärt.

Politischer Aufbau des Solaren Imperiums — Das solare Imperium umfaßt außer der Erde und den solaren Planeten alle von Terranern besiedelten Welten (auf denen sich vorher keine intelligente Lebensform als dominierend herausbildete) sowie die wirtschaftlichen und militärischen Stützpunktplaneten. Infolge der ständigen Expansion der Menschheit sowie der immer wiederkehrenden Bedrohung durch Nachbarzivilisationen und neuentdeckte Rassen in- und außerhalb der eigenen Galaxis war eine besondere Art des politischen Aufbaus notwendig. Die Regierungsform ist demokratisch-zentralistisch und zugleich demokratisch-föderalistisch. Einesteils vereinigt die Großadministration (Sitz Terrania, 1. Vorsitzender Großadministrator Perry Rhodan) alle galaktowirtschaftliche und militärische Macht des Imperiums in sich, andererseits verwalten sich die autonomen Siedlungswelten völlig selbständig und sind durch ihre Administratoren direkt an den Beschlüssen der Großadministration beteiligt. Was die Expansionspolitik angeht, so trifft der Großadministrator alle wichtigen, unaufschiebbaren Entscheidungen nach Anhören seiner Berater autokratisch; er ist jedoch verpflichtet, alle derartig getroffenen Entscheidungen so bald wie möglich vor dem Senat des Solaren Imperiums (Sitz in Terrania; Funktion vergleichbar dem amerikanischen Senat) darzulegen und zu verantworten. Jährlich einmal — bei außerordentlich wichtigen Anlässen auch öfter - tritt in der Solar Hall in Terrania der Rat der Administratoren zusammen, um über die innen- und außenpolitischen Probleme des Imperiums zu beraten und Beschlüsse zu fassen, die für die Großadministration bindend sind. Vom Rat der Administratoren können sowohl Minister als auch Senatsmitglieder abgewählt bzw. neu eingesetzt werden. Der Großadministrator wird ebenfalls vom Rat der Administratoren gewählt; bei Zweidrittelmehrheit kann er abgesetzt und ein kommissarischer Nachfolger eingesetzt werden. Der Rat der Administratoren (RDA) setzt sich zusammen aus den gewählten Administratoren der besiedelten Sonnensysteme; bei Besiedlung mehrerer Planeten in einem System sind die System-Administratoren den Planetaren Räten verantwortlich; diese wiederum werden von den Regionalräten und diese von den Stadträten gewählt. Am Sockel der Regierungspyramide stehen die Ständeräte und Produktionsräte,die entscheidende Mitbestimmungsrechte auf kommunaler und regionaler Ebene besitzen. Auf diese Weise wird eine umfassende Mitarbeit und Mitbestimmung aller volljährigen Bürger des Imperiums gesichert. Ständeräte und Produktionsräte (wozu auch die Räte der Institutionen wie Universitäten, Schulen, Verwaltungen usw, gehören) werden jährlich, Stadträte und Regionalräte alle zwei Jahre und die Planetaren Räte alle vier Jahre gewählt. Die Wahlen zum Senat des Solaren Imperiums finden alle sechs Jahre statt. Der Rat der Administratoren bestätigt den Großadministrator alle zehn Jahre einmal im Amt bzw. zwingt ihn zum Rücktritt, was bisher allerdings noch nicht vorgekommen ist.

 Jede Woche zwei neue Seiten Perry-Rhodan-Lexikon! In Perry Rhodan Nr. 153 (II. Aufl.), der soeben erscheint, ist der Begriff „Feld” erklärt.

Folge 108

Perry Rhodan bringt in jedem Heft eine Seite Perry-Rhodan-Lexikon in nichtalphabetischer Reihenfolge. Die Begriffe, die in Kursivschrift gedruckt mit • versehen sind, werden oder wurden an anderer Stelle erklärt.

 

Zusatz: Dem Großadministrator (Perry Rhodan) bzw. seinem Stellvertreter (Reginald Bull) unterstehen außer den Imperiumsstreitkräften auch die Galaktische Abwehr (Chef: Allan D. Mercant) sowie das Solare Mutantenkorps (Chef: General John Marshall); beide Organisationen sind nur dem Großadministrator bzw. seinem Stellvertreter Rechenschaft schuldig und können demnach nur über ihn selbst beeinflußt werden. Daneben unterhalten die autonomen Siedlungswelten bzw. Siedlungssysteme eigene Polizeikräfte sowie planetare Verteidigungskräfte und Raumstreitkräfte. Einen Sonderfall bildet die UNITED STARS ORGANISATION (USO). Sie untersteht weder dem Großadministrator des Solaren Imperiums noch dem Senat. Die USO wird vollkommen autark von dem Regierenden Lordadmiral Atlan geleitet, mischt sich jedoch prinzipiell nicht in die Angelegenheiten des Solaren Imperiums oder der Siedlungswelten ein, es sei denn, auf ausdrückliche Anforderung. Ansonsten arbeiten die Spezialisten der USO nach den Weisungen des Regierenden Lordadmirals auf Fremdwelten, wenn auch im Interesse der Bürger des Solaren Imperiums. Sie schirmen die Menschheit vor Spionage und Sabotage feindlich gesinnter Zivilisationen bzw. Organisationen (z. B. dem Kult der Báalol-Diener, dem Syndikat Condos Vasac usw.) ab.

 Jede Woche zwei neue Seiten Perry-Rhodan-Lexikon! In Perry Rhodan Nr. 154 (II. Aufl.), der soeben erscheint, sind die Begriffe Feld, Quantentheorie der Felder erklärt.

Ist wirklich interessant, nicht? Wen darf das tumbe Volk denn überhaupt wählen? Ausdrücklich ja nur die Stände- und Produktionsräte. Versammeln sich die Stände dann in Versailles? Das Heftigste ist eindeutig der Rat der Administratoren (RdA), der quasi alles andere ab- und einsetzen kann. Immerhin werden diese anscheinend direkt vom Volk gewählt, obwohl es in den Romanen häufig so aussah, als ob es der jeweiligen autonomem Welt überlassen war, wie sie ihren Vertreter bestimmt. Eine Kolonie, die nur aus der Familie Meier besteht, entsendet genau so nur einen Administrator wie die Kolonie Neu-Hongkong mit 10 Milliarden Einwohnern...
Militär, Geheimdienst und Mutantenkorps unterstehen ausschließlich Perry und seinem alten Kumpel Bully! Keinerlei Kontrolle durch diese lästige Schwatzbude Senat. Erinnert mich irgendwie an Bushland.
Zum Schluss noch ein Zitat aus Band 75 (K. H. Scheer: Das rote Universum; S. 7):
„Fall Potomak, wie? Das bedeutet, daß sich die Fronten stabilisieren. Meine Herren, Sie werden etwas unternehmen müssen, um zu verhindern, daß man Sie in weiten Kreisen der Bevölkerung für die willigen Untergebenen eines großmächtigen Diktators hält. Viel Vergnügen, Deringhouse!“
Fall Potomak war übrigens die Ausrufung des Notstandes...

 

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