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2550 – eine erste Bilanz

Mit Ausgabe 2550 startet der aktuelle Perry Rhodan Zyklus in die zweite Hälfte. Zeit, auch eine - sehr persönlich eingefärbte - Zwischenbilanz zu ziehen.
Das Ziel der Perry Rhodan Redaktion war es, mit dem Stardust Zyklus wieder einen Schritt »Back to the roots«zu machen. Weg von den Kosmokraten und Chaotarchen. Einen Zyklus ohne unbezwingbare Überwesen und Feinde, deren Technologie soweit jenseits von gut und böse liegt, dass die besten Wissenschaftler diese nicht einmal ansatzweise verstehen können. Hin zu einem Zyklus, der wieder den Charme und die Wärme der Anfangszeit versprüht, ohne dabei altbacken oder billig zu wirken. Was auch immer das Team der Perry Rhodan Autoren noch in der Hinterhand hat. Eines kann schon jetzt bestätigt werden.

Experiment gelungen – Patient lebt

Der Stardust Zyklus zählt schon jetzt zum Besten, was seit Langem unter dem Banner Perry Rhodan veröffentlicht wurde. Angesichts der kontinuierlich hohen Qualität des Stammautoren-Teams schon eine Leistung an sich. Stardust verwebt geschickt neue Handlungsstränge, Rassen und Charaktere mit Ereignissen der Frühgeschichte des Perry Rhodan Universums. Um so schöner ist es, dass nicht nur der Zyklus als Ganzes eine an sich starke Serie noch stärker und homogener werden lässt, sondern dass die Redaktion und die einzelnen Autoren es in den ersten 47 Heften in mehreren Fällen zustande gebracht haben, wahre »Magic Moments« oder sogar ganze »Magic Hefte« zu Papier zu bringen. Und somit soll dieser Rückblick auf die erste Hälfte des Stardust Zyklus‘ auch keinen Gesamtüberblick über das bisher geschehene sein (dazu gibt es umfangreiche und nahezu perfekte Medien wie die Perrypedia, sondern ein ganz persönlicher Einblick und Rückblick auf die bisherigen Highlights der Stardust Abenteuer.

Schon der Zyklusauftakt beginnt, für alle die Perry Rhodan über die letzten Jahre verfolgt haben, ungewöhnlich. Es herrscht Frieden. Der Autor nimmt sich Zeit dafür, auch jene Charaktere, die den Stammlesern bekannt sind, so einzuführen, dass regelmäßige PR Leser nicht gelangweilt, gleichzeitig Neueinsteiger aber auch nicht ins kalte Wasser gestoßen werden. Es werden neue Charaktere eingeführt und als potentiell handlungstragend dargestellt, was den plötzlichen Tod der beiden Laoosor dann umso überraschender macht. Frank Borsch versteht es perfekt, den Leser in die neuen Gegebenheiten einzuführen, ein Gefühl der Vertrautheit zu erwecken, um dann mit einem Schlag klar zu machen, dass nicht alles immer so ist, wie man es erwartet. Alte Regeln können, müssen jedoch nicht gelten.

Mit »Die Falle von Dhogar« kehrt einer der wohl bekanntesten Deutschen Science Fiction Autoren als Gastautor zu Perry Rhodan zurück. Viele haben sich gefragt, warum man das Talent von Andreas Eschbach gerade dafür einsetzt, einen echten Military SF Roman im Perry Rhodan Universum zu schreiben. Gute Frage. Und wohl kaum zu beantworten, wenn man den Roman so oberflächlich betrachtet. Betrachtet man jedoch die zweite Handlungsebene, jene um den jungen Ordonanzoffizier Lech Hallon, öffnet sich schnell eine wesentlich tiefere Bedeutung des Romans. Ja, es geht um Krieg, um Tote, um Raum- und Bodenschlachten. Aber noch viel mehr geht es um die Erlebnisse und Einsichten eines jungen Offiziers, der seinen ersten echten Einsatz er- und überlebt. Der erfährt, wie es an der Front wirklich aussieht, und dabei auch lernt, einen persönlichen Verlust seiner Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Auf dieser Ebene wird der vierte Roman des aktuellen Zyklus zu einem Werk, das auch weitab der gigantischen Raumschlachten funktioniert.
Und auch diese darf man nicht außer Acht lassen. Denn der Moment, in dem die gewaltige Raumfestung PRAETORIA über dem Distributdepot ITHAFOR auftaucht, um in die Schlacht gegen die Frequenzmonarchie einzugreifen, ist, ohne Ausnahme, die filmreifste Perry Rhodan-Szene seit Jahren. Andreas Eschbach versteht es, diesen Moment durch die Augen des jungen Ordonanzoffiziers dermaßen eindringlich und bildlich zu beschreiben, dass man diesen Giganten aus Stahl wortwörtlich vor den eigenen Augen sieht.

Mit den Romanen 2512 - 2514 gehen die Autoren (in diesem Fall Christian Montillon und Arndt Elmer) weiter auf jenem Pfad, den Frank Borsch mit dem Zyklus-Auftakt schon vorgezeichnet hat. Alles darf, nichts muss sein. Perry Rhodan wurde in den Anfangsjahren oftmals für eine zu offensichtliche Schwarz-Weiß-Malerei kritisiert. Schon damals war dies nur eingeschränkt korrekt. Doch mit Romanen wie »Die TRAITOR-Marodeure« oder »Der verborgenen Hof« zeigen die heutigen Autoren, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Die zurückgelassenen Truppenteile von TRAITOR, jener militärischen Übermacht, die in den letzten beiden Zyklen die bekannten Galaxien beinahe ausgerottet hätte, werden gejagt. Dabei übersehen die Jäger, dass es sich bei Ihrer Beute um die Nachkommen derer handelt, die damals zurückgelassen wurden. Um Lebewesen, die mit den Verbrechen der Terminalen Kolonnen TRAITOR nichts zu tun haben, und sich nun für das verantworten müssen, woran Ihre Vorfahren geglaubt haben. Trotz des Science-Fiction-Settings werden hier Themen aufgegriffen, die auch realpolitisch immer wieder zum Tragen kommen. Ein ähnliches Grundthema greift Arndt Elmer mit seinem Roman »Ein Fall für das Galaktikum« auf.
Geht es in der Haupthandlung darum, dass die Völker der Milchstraße sich einigen, um einen gemeinsamen Schlag gegen die Frequenz-Monarchie zu führen, spielt sich der viel interessanter Teil in der Nebenhandlung ab. In jenem Moment, als Hauptakteur Reginald Bull damit fertig werden muss, dass jener Mann, der ihn in der Vergangenheit gefangen nehmen und foltern ließ, nun der Schlüssel zu einem vereinten Vorgehen der Milchstraßenvölker ist.

Mit »Die Gespenster von GLEAM« zeigt Michael Marcus Thurner erneut eine ganz andere Facette des Perry Rhodan-Universums. Diesmal sind die Hauptakteure nicht Unsterbliche, Flottenkommandanten oder große Strategen. Die Handlung rankt sich um eine Truppe normaler Soldaten. Raumlandetruppen, deren Aufgabe es ist, einen vor Jahrhunderten aufgelassenen Stützpunkt wieder zu erobern. Hier werden keine Reden geschwungen und auch keine Entscheidungen getroffen, die ganze Galaxien betreffen.
Hier geht es ausschließlich um die Ängste und Befürchtungen ganz normaler, oft als unbedeutend angesehener Soldaten, die Tag für Tag ihr Leben aufs Spiel setzen, um die großen Pläne ihrer Befehlshaber in die Tat umzusetzen. Michael Marcus Thurner greift dabei zu Stilmitteln, die sicherlich nicht neu sind. Sei es der Stützpunkt, der von der Natur zurückerobert wurde, seien es Monster in tiefen Wassern. Natürlich gibt es auch eine junge Soldatin und den erfahrenen Kommandanten, der alles daran setzt, ihr Potential zu erwecken. Nicht zu vergessen die Plünderer, die schon vor den Soldaten versucht haben, den Stützpunkt in Besitz zu nehmen. Alles altbekannte Puzzlestücke, die hier jedoch zu einem runden, homogenen und gar nicht althergebrachten Ganzen zusammengefügt werden und dabei etwas Neues und absolut Lesenswertes ergeben.

In »Vatrox-Tod« setzt Michael Marcus Thurner erneut Nebenakteure ein, um die Handlung einen entscheidenden Schritt voranzubringen. In einzelnen Ausschnitten werden einzelne Schiffe und deren Kommandanten herausgegriffen, die sich dazu bereit erklärt haben, an Sondereinsätzen teilzunehmen, um der Flotte der Milchstraßen- und Andromedavölker den unbemerkten Durchbruch zu einer der Hauptwelten der Frequenzmonarchie zu ermöglichen. Auf meist nicht mehr als 2 oder 3 Seiten bringt es der Autor zustande, die Wesen der unterschiedlichsten Völker zu charakterisieren und ihnen eine Persönlichkeit zu geben. Ihre Beweggründe und Emotionen werden dem Leser klar, bevor es zum unweigerlichen Ende kommt, dessen alle sich vorab bewusst waren. Parallel dazu zeigt Michael Marcus Thurner in der Handlung um den Wissenschaftler Roman Schleifer einen Charakter, der alles daran setzt, seine Mission zu erfüllen, um zum Schluss zu erkennen, dass er mit der Erfüllung gleichzeitig Millionen von Lebewesen zum Tod verurteilt.
Dem Autor gelingt ein unglaublicher Spagat. Auf der einen Seite treibt er die Handlung voran und ermöglicht der Galaktikumsflotte einen ersten, entscheidenden Sieg gegen einen bis dahin übermächtigen Gegner. Auf der anderen Seite zeigt er jedoch auf, dass dieser Sieg kein Spaziergang ist und es in Konflikten dieser Größenordnung keine Sieger gibt. Nur Tote und Überlebende. Sowohl die Toten als auch die Lebenden sind keine Helden. Sind nicht dazu auserkoren, in die Geschichtsbücher einzugehen. Sie tun, was sie tun müssen, um ihre Gesellschaft am Leben zu erhalten. Jedoch nicht aus Fanatismus oder Hass, sondern weil sie keinen anderen Ausweg sehen.

Neben vielen guten, einigen sehr guten und wenig durchschnittlichen Romanen hat die erste Hälfte des aktuellen Zyklus‘ somit bereits einige wirkliche Glanzlichter zu bieten. Wobei die Genannten - meine persönlichen Favoriten - sicherlich nicht den Geschmack aller Leser treffen. Kommentare, Meinungen und eigenen Favoritenlisten bitte einfach an die Redaktion schicken. Bei Gelegenheit werde ich darauf in einer der nächsten Kolumnen eingehen.

Quelle: Perrypedia – www.perrypedia.proc.org

Copyright © 2010 by Michael Hirtzy



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