
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 4: Mein letzter Fall
Eine Erinnerung an die Bände 2161-2164
„ Als Phil Decker vor meinen Augen starb, warf ich meine Dienstmarke weg – ich schmiss den Job beim FBI, denn ich wollte nur noch Rache... mein letzter Fall! "
Vorschau zu Jerry Cotton Band 2162 – „Mein letzter Fall“, 1998
In der letzten Kolumne (siehe Nr. 3 – Der neue Cotton) hatte ich ja bereits angekündigt, dass ich mich in dieser und den nächsten Kolumnen verstärkt mit der Zeit des „neuen“ Cottons widmen will. Ein großes Highlight der JC-Serie war die Trilogie „Mein letzter Fall“ von Band 2161-2163 (siehe dazu auch einen Info-Artikel unter „Spannungswelten“; diese Kolumne soll sich im Gegensatz zum Artikel allerdings mehr mit dem Romaninhalt an sich beschäftigen).
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Vorschau aus dem 2160. Jerry-Cotton-Roman, „Die Piraten-Queen“: „Band 1 der neuen Cotton-Trilogie, in der sich Jerry Cottons Schicksal entscheidet! Bleibt er weiterhin G-man des FBI? Oder ist seine Karriere als Special Agent beendet?“
Damals hielt ich das ganze nur für einen merkwürdigen Verkaufstrick.
Wie oft hatten wir denn bereits Titel wie „…und sie erschossen Mr. High“ (Heft 2074), „Jerry Cottons letzter Fall?“ (Heft 120), „Mein letzter Fall“ (Heft 1110), oder „Als Phil Decker starb“ (Heft 1428) gelesen, und trotzdem lebt Phil Decker noch immer, Jerry Cotton löst noch immer Fälle und auch Mr. High wurde zwischenzeitlich nicht erschossen.
Auch nach der Lektüre des Bandes 2161 – „GAME OVER – Das Spiel ist aus!“ (der diesen Titel übrigens zu Recht trägt; in dem Spiel geht’s nämlich um die Folgen eines zu realistischen Computer-Spiels) war ich noch immer nicht schlauer, denn letztlich war dieser Band streng genommen nur ein besserer Lückenfüller; zwar ein guter, da Motiv und Vorgehensweise des Serienkillers doch sehr plastisch beschrieben wurde (ein Serienkiller treibt in der Kanalisation New York Citys sein Unwesen; bei dem Fall wird Jerry tatkräftig von Dr. Pamela Westlake unterstützt – und wie es der Zufall will, verknallen sich die beiden dann auch noch ineinander), aber mit der eigentlichen Handlung des Dreiteilers hatte es, bis auf Jerrys Kennen lernen mit Pamela, nur wenig zu tun.
Nach Band 2162 wusste ich dann allerdings, was gemeint war. Dort taucht nämlich der kolumbianische Drogenboss Pedro Sanguinar wieder auf, den wir bereits in Band 2143 – „Inferno in der grünen Hölle“ kennen lernen durften. Der sinnt nach Rache und lässt Pamela nämlich umlegen – und von da an überschlagen sich die Ereignisse. Jerry macht sich schwere Vorwürfe, dass er nicht für ihre Sicherheit gesorgt hat und vermutet schließlich, dass sogar Phil gestorben war (in sofern ist die Vorschau zu Band 2162 nicht ganz richtig), will sich rächen und verlässt das FBI.
Konnte so etwas möglich sein? Wie man sieht: Es konnte, und in Band 2163 übergeht M. J. Parrish jegliche Grenze, lässt Jerry gnadenlos dem Alkohol verfallen, schildert phänomenal, wie Jerry am Tod seiner geliebten Freundin Pamela seelisch kaputtgeht und die Szene, in der (damals noch Special Agent in Charge) Mr. High mit Jerry spricht, gehört meines Erachtens mit zu den besten überhaupt (ohne dadurch in irgendeiner Weise kitschig zu wirken).
Doch natürlich kam es, wie es kommen musste – Jerry kehrt zurück zum FBI (wobei es in gewisser Weise nicht mal eine Rückkehr war, denn die Jerrys Kündigung wurde von Mr. High nie eingereicht), doch auch dort ist nicht alles beim alten geblieben: Jerrys Dienstwaffe hat gewechselt. Statt dem 38er Smith & Wesson Revolver wird nun die SIG Sauer P226 Pistole eingesetzt.
Übrigens fand ich sehr interessant, dass sich Jerry in Band 2163 nicht mal von Mr High überreden lässt, zum FBI zurückzukehren, sondern dass erst der verzweifelte Hilferuf eines zum Tode verurteilten Unschuldigen ihn wachrüttelt. Doch so richtig beendet war das ganze mit Band 2163 nicht. Denn der Hilferuf, der Jerry ereilt (ein gewisser Evander Mourns sollte für ein Verbrechen auf den elektrischen Stuhl, das er nicht begangen hatte), vermittelt diesem nicht nur, dass Jerrys Kampf gegen das Verbrechen weitergehen wird, nein, er leitet auch die Aufdeckung einer gigantischen Verschwörung, die bis nach Washington reicht, ein. Zu Band 2164 – „Der Fuchs wird gejagt“ (der zu meinen Lieblingsromanen innerhalb der JC-Serie gehört und in dem es mehrere Überraschungen nacheinander gibt) möchte ich an dieser Stelle nichts Näheres schreiben, um die Spannung nicht zu rauben. Nur so viel: Der Roman trägt den Titel zu Recht.
Diese Romane sind auf jeden Fall echte Highlights der Serie – aber diese Trilogie ist ja bei weitem nicht das einzige Highlight...
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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