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Aus einer Geldnot heraus schrieb Delfried Kaufmann auf einer Vorkriegsschreibmaschine der Firma „Bing“ seinen ersten Cotton-Roman auf seinem Küchentisch in Essen im Sommer 1953. Nachdem der Verlag, für den Delfried Kaufmann bereits einige Kriminalheftromane des englischen Whodunnit-Genres geschrieben hatte, den Jerry Cotton Roman jedoch ablehnte, wandte sich Kaufmann an Lübbe. Nach eigenen Angaben musste Delfried Kaufmann wohl zur damaligen Zeit „ohne es zu realisieren einen gewissen Ruf bei Heftromanverlegern gehabt haben“. 1953 besuchte ihn Gustav Lübbe, um mit ihm über die Mitarbeit an zwei Serien zu verhandeln. Kaufmann gab Lübbe das Manuskript seines ersten Jerry Cotton Romans mit; dieser kaufte den Roman an und veröffentlichte ihn als Bastei-Kriminalroman 68, für damalige 50 Pfennig. Etwa ein dutzend Romane später, als sich für Kaufmann der Absprung ins normale Berufsleben bot, sah dieser seine Schriftstellerkarriere als obsolet an. Dennoch schrieb er weitere Romane für die Cotton-Serie und trägt sogar heute noch gelegentlich ein Heft zur Cotton-Serie bei – unter anderem sogar das Jubiläums-Heft 2000 („Die Stunde nach Mitternacht“). In viele Sprachen wurde die Serie inzwischen übersetzt (sogar ins Chinesische – und auch für ein paar Romane ins Englische), doch in Amerika ist Jerry Cotton gänzlich unbekannt. Doch beim FBI ist er trotzdem bekannt, obwohl es ihn als FBI-Agenten, der in New York City (und wenn nötig in allen anderen Teilen der Welt auch) ermittelt, nicht gibt. Denn in den 50er und 60er Jahren schickten die Fans Körbe weise Post nach Amerika – sie wollten Jerry Cottons Adresse, diesen G-man kennen lernen und es wurden sogar Heiratsanträge an Jerry Cotton nach Amerika geschickt. Wurde zuerst den Lesern vom damaligen FBI-Chef John Edgar Hoover freundlich geantwortet, dass es einen G-man Jerry Cotton nicht gäbe, ließ man später sogar Antwortkarten mit dem Satz „G-man Jerry Cotton is a fictional Agent“ drucken. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde Jerry Cotton zur Legende.
Martin Palm
In der nächsten Jerry Cotton Kolumne auf Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach © Martin Palm
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