
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 17: Mörderische Illusionen
Der neue Cotton: Eine Welt voll Zauber, Magie und Tod
Es gibt Romane, die man nicht mehr vergisst und die einen bleibenden, positiven Geschmack hinterlassen – und den Heftroman 2193: „Mörderische Illusionen“ kann man durchaus dazuzählen.
Alleine schon Titel und Untertitel klingen verheißungsvoll und lassen auf einen spannenden, rätselhaften Roman hoffen: „Ein mysteriöser FBI-Fall – geheimnisvoll und unheimlich“.
Zuerst beginnt der Roman auf den ersten paar Seiten, zumindest auf den ersten Blick, relativ zusammenhanglos in Bezug auf die darauf folgenden Ereignisse: Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der im Zuge des Schwarzen Freitags bzw. zu Beginn der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre alles verloren hat, deswegen sein letztes Geld zusammenkratzte und zu einer Wahrsagerin vom Zirkus „Bromley & Son“ ging. Diese prophezeit ihm daraufhin den Tod – das weitere Schicksal des Mannes bleibt ungewiss.
Jahrzehnte später – wir schreiben inzwischen das Jahr 1999. Der Zirkus „Bromley & Son“ gastiert in New York und der Höhepunkt der Veranstaltung ist der Magier Janus – wegen ihm hat sich die High Society von New York dort eingefunden. Wiederum deshalb beauftragt Rudolph Giuliani, der damalige Bürgermeister von New York, das FBI damit, für die Sicherheit der anwesenden Gäste zu sorgen.
Die G-men fühlen sich in ihrer Haut als bessere Leibwächter nicht gerade wohl – doch unversehens werden die Beschützer der New Yorker Prominenz zum Auslöser von Panik und Furcht. Denn die Attraktion der ganzen Show ist eine Nummer des Magiers Janus, in der er eine Pistolenkugel, die auf ihn abgeschossen wird, in der Luft auffangen will.
Für diesen Trick hat er sich nicht irgendjemanden ausgesucht, keine Assistentin, mit der er sich vorher hätte absprechen können – nein, er wählt die Person direkt vor allen Leuten aus und, um der Authentizität willen, fällt seine Wahl auf eine FBI-Agentin, genauer gesagt June Clark – denn welcher der Anwesenden, wenn nicht ein G-man, kennt sich besser mit Waffen aus als ein echter FBI-Agent?
June lässt sich dazu hinreißen, schießt – und das Experiment misslingt. Janus bricht tödlich getroffen zusammen und June Clark steht unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung.
Von da an beginnt ein mysteriöser Fall voll Zauber, Magie und Tod – denn es ist nicht alles Gold, was glänzt...
Es ist ja inzwischen (leider) keine Seltenheit mehr, dass mit dem Begriff „mysteriös“ um sich geworfen wird. Das kann schon bei lapidaren Gruselromanen anfangen, die als „mysteriös“ angekündigt werden (und da gibt es sowohl im Heft als auch im Taschenbuch Beispiele für) und sich zum Schluss als durchschnittlich-unspektakuläre 08/15-Romane herausstellen – genau das ist bei diesem Jerry Cotton-Heftroman nicht der Fall. Bis zum Schluss liegen die wahren Hintergründe des Mordfalls im Hintergrund und dabei wird eine schon regelrecht unheimliche Atmosphäre erzeugt (und das Zitat „nichts ist, wie es scheint“ wird übrigens auch an passender Stelle eingeworfen und untermauert diese unheimliche Stimmung zusätzlich).
Dabei verlässt sich der Autor allerdings nicht nur auf seine stilistische Fingerfertigkeit, sondern bringt auch neueste forensische Möglichkeiten zur Aufklärung einer Tat mit ins Spiel – eine Möglichkeit, die leider häufig nur bedingt genutzt wird und wurde.
Darüber, ob das Motiv des Täters nun der Hit ist, kann man streiten (da der grundsätzliche Kern doch schon stark in Richtung Übersinnliches geht), aber alleine die ganze Aufmachung der Geschichte ist doch sehr undurchschaubar und unheimlich.
Autor dieses Romans ist Michael J. Parrish, der ja bereits große Glanzleistungen abgeliefert hat, etwa mit seinem Mehrteiler „Mein letzter Fall“, dessen letzter Roman „Der Fuchs wird gejagt“ (auch wenn er mir unbegreiflicherweise nie in einem Zug mit Band 2161-2163 genannt wird, trotzdem aber voll zur Story gehört) mit seinem Überraschungseffekt stark dem Roman „Mörderische Illusionen“ ähnelt. Einen etwas ausführlicheren Beitrag zu ihm wird es in nächster Zeit im Zuge der Kolumnen um den Jubiläumsmehrteiler Band 2200 („Zwei Männer namens Cotton“) oder die Jon Bent Romane (ab Band 2209: „Wir und der High-Tech-Killer“) geben.
Jerry Cotton Band 2193: „Mörderische Illusionen“ erscheint am 6. Februar 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am 5. Februar 2007 (Thema: Aktuelles aus der Jerry Cotton 1. Auflage)
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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