
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 16: Geiseldrama in Uganda
Jerry Cotton Band 2192: „Die Saat des Hasses“
Von der Geschichte her schließt sich Cotton-Heftroman 2192 direkt an das Ende von Band 2191: „Der Mann, der einmal Cotton war“ (siehe Jerry Cotton Kolumne 15: „Gedächtnisverlust“) an.
Jerry Cotton liegt durch die Ereignisse in besagtem letztem Band im Krankenhaus, dem Beekman Downtown Hospital (und speziell die Szenen, in denen das Geiseldrama in Uganda noch nicht in vollem Gange ist, beschreibt der Autor auf wirklich sehr charmante Art und Weise, wobei der restliche Roman natürlich auch sehr, sehr spannend ist).
Währenddessen gab es ein Bombenattentat auf den US-Botschafter in Uganda – und das Außenministerium schickt ein Team von Spezialisten zur Aufklärung dorthin. Unter anderem sind Phil Decker und June Clark mit dabei – Jerry muss zu dessen Leidwesen auf Anordnung von Mr. High hin zu Hause bleiben, um sich von den Ereignissen des letzten Jerry Cotton Romans zu erholen (wobei das Ganze natürlich gegen Cottons Willen ist – nach etlichen Verletzungen, wüsten Verfolgungsjagden quer durch New York und einem Gedächtnisverlust ist Bettruhe für den guten alten Jerry schon fast eine regelrechte Qual)...
Doch dann kommt die Horrormeldung (schließlich muss Jerry ja irgendwann auch mal im Roman aktiv werden und nicht nur das Bett hüten, obwohl er mir in der Rolle, ehrlich gesagt, gar nicht mal so schlecht gefiel): Das Team aus FBI- und CIA-Agenten wurde entführt. Also gibt es für Jerry kein Halten mehr – er fliegt ebenfalls nach Uganda, um seine Freunde und Kollegen zu retten, mit im Schlepptau ist außerdem die Latina-Agentin Annie Geraldo...
Es gibt Romane, bei denen man den Wunsch entwickeln kann, dass die Hauptstory (also in dem Fall die Geiselnahme) gar nicht erst richtig losgeht – einer von denen ist Band 2192: „Die Saat des Hasses“, denn die Szenen, in denen Jerry unfreiwillig das Bett hüten muss, sind einfach nur herrlich. Es gibt kaum eine Unterbrechung zwischen dem letzten Roman 2191 und diesem Heft; es geht praktisch nahtlos ineinander über.
Leider weist dieser Roman einen (wirklich überflüssigen) Schönheitsfehler auf, der nicht hätte sein müssen. Irgendwo in den Reihen von US-Geheimdienst CIA oder FBI gab es in diesem Roman einen Maulwurf, eine undichte Stelle, die bereits mehrere Menschen das Leben kostete – doch wer dieser Maulwurf war, wird nicht aufgeklärt.
Die Szene in Samuel Grangers Apartment, der darüber trauert, dass ihn seine Freundin Linda verlassen hat und der Geburtstag von Gene Petrolli am Anfang des Romans wurden zwar recht schön beschrieben, allerdings sind sie für den weiteren Verlauf des Romans nicht von Bedeutung – und eh man nun ausführlich über das Privatleben von Agenten, die nicht zum regulären Stamm des FBI Field Office New York gehören berichtet, sollte man für meine Begriffe doch lieber Wert darauf legen, dass die Grundgeschichte eines Romans lückenlos aufgeklärt wird. Szenen wie die mit Jerry Cotton sind toll, machen den Charme der Serie aus und auch solche wie mit Samuel Granger und Gene Petrolli passen durchaus in den Roman, aber trotzdem hätte man dann doch lieber etwas mehr Wert auf die Auflösung legen sollen, denn in dem folgenden Band 2193: „Mörderische Illusionen“ (ein Roman der Extraklasse übrigens – mehr dazu nächste Woche in der neuen Kolumne!) wird darüber kein Wort mehr verloren – wobei allerdings die Auflösung des Romans in Anbetracht des tollen Stils des Autors schon fast zur Nebensache wird...
Jerry Cotton Band 2192: „Die Saat des Hasses“ erscheint am 30. Januar 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am 29. Januar 2007 (Thema: Mörderische Illusionen)
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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