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Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 94: Elias Rangers – Die Killer-Organisation
Band 2267: „Lockvogel für die Mörderbrut“

Nach dem Tiefpunkt in Band 2265: „Wenn nachts die Flammen lodern“ und nachdem auch der darauf folgende Band 2266: „Der Zeuge, den ich killen wollte“ von eher durchschnittlicher Qualität war – obwohl von Vielschreiber A. F. Morland alias Fritz Tenkrat verfasst – gab es mal wieder einen kleinen Lichtblick, und zwar mit Band 2267: „Lockvogel für die Mörderbrut“:

Eine rechtsradikale Terror-Organisation namens „Elias Rangers“ hat es auf liberale Politiker, Schwule und Feministinnen abgesehen. Die Opfer wurden bedroht und ermordet. Auch der Gouverneur von Virginia, Arthur Sheridan, der sich zurzeit in New York aufhielt, wird zur Zielscheibe der Killer-Brut. Jerry Cotton und seine Kollegen vom FBI-Office New York werden damit beauftragt, die Organisation endgültig zu zerschlagen. Um das in die Tat umzusetzen, ersetzen sie Arthur Sheridan durch ein Double: Eddie Hancock, FBI-Agent im Ruhestand sollte undercover in die Rolle des Politikers schlüpfen …

Dieser Roman ist ein Paradebeispiel dafür, dass man auch in der Cotton-Serie nicht zwingend die innovativsten Ideen zu Papier bringen muss, um seine Leser zu begeistern. Natürlich ist die Idee einer Terror-Organisation im Stil dieses Romans nicht gerade neu und hier auch nicht derart packend umgesetzt wie etwa bei der „Domäne“. (Die Domäne wird übrigens bald erstmals wirklich in Erscheinung tritt, man darf also gespannt sein!)

Trotzdem weiß „Lockvogel für die Mörderbrut“ seinen Leser vorzüglich zu unterhalten. Das liegt zum Einen daran, dass der Autor hier keineswegs am Humor gespart hat – und an der Atmosphäre, die er im Roman aufbaut. Denn was ich in den aktuellen Romanen großteils nach wie vor vermisse, macht dieser Schriftsteller genau richtig: Jerry Cotton ist hier keine Maschine ohne Privatleben, die nichts anderes zu tun hat, als klugscheißerisch daher zu schwadronieren und nebenbei auf den nächsten Fall wartet, sondern ein Mensch wie du und ich.

Eine einschneidende Veränderung in der Cotton-Serie fand in diesem Roman übrigens außerdem statt, denn mit Band 2267 wurde in der Reihe etwas bis dato einmaliges eingeführt: Jerry Cotton bekam eine feste Freundin zur Seite gestellt, die im nächsten Roman nicht sofort vergessen war und nicht nur für ein Heftchen als Sexobjekt benutzt wurde. Linda McCain, Chefredakteurin des Frauenmagazins „Female“. Die Frau selbst ist natürlich rein körperlich nicht wirklich neu. So heißt es auf Seite 38:

„Die Chefredakteurin empfing uns in ihrem verqualmten Büro. Eine Frau mit einer atemberaubenden Figur und einer ungemein sexuellen Ausstrahlung.“

Nicht viel geändert hat sich dafür an Jerry Cottons Art, die wohl zu Recht so manchen Leser auf die Palme wird bringen können. Das Paradebeispiel hierfür gibt’s wohl auf Seite 39:

„Ich will nicht protzen, aber bei manchen Frauen komme ich nun mal gut an. Bei Linda schien das der Fall zu sein, und sie machte auch keinen Hehl daraus.“

Na ja, wem’s gefällt… Aber wie gesagt: Die Innovation wird hier eher dadurch erbracht, dass der Autor etwas wagt, was noch kein anderer vor ihm tat. Kommt in letzter Zeit übrigens verdächtig oft vor: Zuletzt im June-Clark-Mehrteiler in Band 2260 – 2263.

Fazit: Durchschnittlicher Kriminalfall ohne überraschende Wendungen, aber ein trotzdem sehr, sehr lesenswerter Roman. Zumal es für die nächsten Wochen durchaus hilfreich sein kann, die Anfänge der McCain-Ära mitzubekommen …

Jerry Cotton Band 2267: „Lockvogel für die Mörder-Brut“ erscheint morgen, 8. Juli 2008 als 2. Auflage zum Preis von 1,60 EUR

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 14. Juli 2008

© Martin Palm

 

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