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Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 84: Die KGB-Killerin
Band 2255: „Wir und das Killer-Girl“

Es gibt Romane, die von Anfang an keine Chance haben, weil ihr Plot schlichtweg zu dünn ist – da hilft selbst die beste Schreibe nichts. Genauso gibt es aber auch Ausnahmetalente, die es verstehen, aus einer abgedroschenen Story immer noch das Beste herauszuholen. Und es gibt wiederum gewisse Genies, die es verstehen, einen doch recht reizvollen Ausgangspunkt in der Umsetzung völlig zu verhunzen – ein Paradebeispiel hierfür ist Band 2255: „Wir und das Killer-Girl“.

Im Johnson-Plaza-Hotel veranstaltet der Gangsterboss Kamarow ein rauschendes Fest. Jerry Cotton und Partner Phil sind logischerweise nicht mit der Partie, um den umfangreichen Service der leicht bekleideten Bedienungen und berufsmäßigen Stripperinnen zu genießen – sondern um dem Gangster eine Falle zu stellen. Doch gerade, als sie den Kriminellen endlich festnehmen wollen, geschieht etwas Unvorhergesehenes: Eine der Stripperinnen reißt eine Maschinenpistole hervor, erschießt Kamarow und richtet ein regelrechtes Blutbad im Johnson Plaza an. Die beiden G-men heften sich an ihre Spur – und stoßen auf eine Verbindung zum ehemaligen sowjetischen Geheimdienst KGB …

Logisch, dass sich trotz der zunächst reichlich klischeebeladen klingenden Story um die Festnahme eines Gangsterbosses eine gewisse Erwartungshaltung im treueren Leser der „Jerry Cotton“-Serie aufbaut. Immerhin gab es doch in letzter Zeit, von einer Ausnahme (Band 2248: „Ich jagte den Agenten-Killer“) mal abgesehen, etliche sehr gute Agenten-Thriller, die bei vergleichbaren Ausgangspunkten ansetzten, sich rasant zu einem temporeichen Action-Thriller entwickelten und gerne auch mit Verschwörungen in Regierungskreisen gipfelten.

Das ist hier leider nicht wirklich der Fall, denn einmal im Spiel, demaskiert der Autor das Titel gebende „Killer-Girl“ schnell als durchschnittliche 08/15-Auftragskillerin – die Verbindung zum KGB sollte also wohl nur zum Anreiz dienen, aber für den weiteren Verlauf der Handlung ist sie scheinbar vollkommen unerheblich.

Nicht, dass man nicht auch daraus etwas machen könnte – doch auch da braucht man keine allzu großen Hoffnungen aufzubauen. Was verheißungsvoll und mit einer ordentlichen Portion Action gewürzt anfing, lässt Seite um Seite an Tempo nach und entwickelt sich mehr und mehr zu einem billigen, actionlastigen 08/15-Thrillerchen. Da wurde die Gangsterboss-Thematik vom Autor des vorliegenden Romans (Alfred Bekker) doch in der Vergangenheit schon häufig weitaus besser umgesetzt.

Im Prinzip ist dieser Roman im Vergleich zu dem von letzter Woche (Band 2254: „Die Glorreichen vom FBI“, von Jerry-Cotton-Starautor Michael J. Parrish) ein glattes Gegenbeispiel, wie man’s nicht machen sollte. Während dort genau die richtige Mischung aus Action, Tempo und Nebenhandlungen gefunden wurde, ist das hier nichts weiter als platte Durchschnittsware. Zwei Stündchen nette Unterhaltung sind hier sicherlich garantiert – wenn man sein Gehirn vorher auf Durchzug schaltet, keine wirklich innovative Story erwartet und sonst eher auf Baller-Krimis steht.

Fazit: Kein wirklich auffälliger Tiefpunkt, aber sicher auch kein Höhepunkt.

Jerry Cotton Band 2255: „Wir und das Killer-Girl“ erscheint morgen, 15. April 2008 als 2. Auflage zum Preis von 1,60 EUR

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 28. April 2008

© Martin Palm

 

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