# 82: „... sonst wird Zeery sterben!“
Band 2251 – Zeerookah in der Gewalt des Profikillers
Nachdem Indianer Zeerookah vor nicht allzu langer Zeit eine tragende Rolle in Jerry Cotton Heft 2241: „Zeerys Alleingang“ spielen durfte, dauerte es diesmal nicht lange bis zum nächsten Einsatz des modesüchtigen FBI-Agenten. Diesmal allerdings nicht in geheimer Mission, sondern als Geisel des landesweit gesuchten Auftragskiller Dan Saxon. Der hat in New York City nämlich einen Job zu verrichten – und um den durchzuziehen ist ihm buchstäblich jedes Mittel recht.
Nachdem Zeerookah eines Tages nicht zum Dienst erschienen ist, braucht man sich im New Yorker Field Office des FBI nicht lange zu fragen, wo der Indianer-G-man abgeblieben ist – denn kurz darauf erhält Special Agent in Charge Mr. High einen Anruf des Top-Killers: „Vermissen Sie nicht Ihren Indianer? Ich habe Special Agent Zeerookah entführt. Er ist mein Faustpfand. Ich habe hier in New York einen Job zu erledigen und möchte nicht, dass Ihre Männer mir in die Quere kommen. Sagen Sie Ihren G-men, sie sollen sich absolut ruhig verhalten, nichts unternehmen, nicht gegen mich ermitteln und nicht versuchen, mein Mordopfer zu retten – sonst wird Zeery sterben!“
Zugegeben: Die Herangehensweise des Autors an eine klassische Auftragsmörder-Story ist in diesem Falle vergleichsweise ungewöhnlich und für Jerry-Cotton-Verhältnisse durchaus als originell zu betrachten. Anstatt ein Verbrechen einfach geschehen zu lassen, steht in diesem Roman, ähnlich wie in Jubiläumsband 2600 („Das Phantom“) mehr im Vordergrund, dies zu verhindern – und noch mehr: Außerdem stellt sich Jerry Cotton & Co ja die heikle Frage, wie sie ihren Kollegen befreien und trotzdem für Recht und Ordnung sorgen können.
Das geht leider in einigen Teilen auf Kosten der Logik, denn man kann sich zu Recht fragen, welcher Profikiller derart dumm ist und dabei zu allem Überfluss auch noch ein Top-Vertreter seiner Zunft sein soll (eine Frage, die ich mir übrigens nicht nur bei diesem Roman stelle bzw. gestellt habe). Nicht nur, dass der Killer vor dem geplanten Hit lauthals bei der amerikanischen Bundespolizei auf sich aufmerksam macht – völliger Schwachsinn, wozu denn? Damit sein Verbrechen noch rechtzeitig verhindert wird? So ein Hinweis macht die Beamten doch erst recht aufmerksam… aber wer weiß, vielleicht hat der Mann ja ein Gewissen –, nein, um die Liste seiner Verbrechen noch etwas zu verlängern, entführt er auch noch einen FBI-Agenten.
Die Tatsache, dass der Killer damit droht, Zeery sonst zu töten, soll dem Ganzen wohl eine logische Stütze geben, die jedoch relativ unwirksam ist, da es kaum glaubwürdig wäre, dass man beim FBI einfach so die Hände in den Schoß läge, nur, um das Leben eines Kollegen nicht zu gefährden. Aus Sicht eines geübten, erfolgreichen Profikillers also nicht unbedingt allzu glaubwürdig.
Aber trotz dieser logischen Mängel ist „… sonst wird Zeery sterben!“ ein unterhaltsamer Roman, der zum Schluss noch mit einem Überraschungseffekt aufwartet, der für den einen mehr, den anderen weniger überraschend sein wird. Gewürzt wurde die Story außerdem mit einigen privaten Nebenstories und Kabbeleien, die den Roman abrunden und vielleicht nicht zu einem Highlight, dennoch aber zu einem der besseren Cotton-Krimis machen. Durchaus empfehlens- bzw. lesenswert!
Jerry Cotton Band 2251: „… sonst wird Zeery sterben!“ erscheint morgen, 18. März 2008 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint erst am Montag, 7. April 2008
© Martin Palm