Fairerweise muss im Rahmen der Besprechung von Jerry Cotton Band 2250: „Meine blonde Mörderin“ eingestanden werden, dass es bei den heutigen Romanen im Vergleich zu früheren Zeiten zumindest eine Besserung gab/gibt (ob es so bleibt, wird sich mit Band 2650 zeigen, der in den kommenden Wochen erscheinen wird): Die kleineren Jubiläen, also 50er-Bände wie Band 2550 werden heute weitaus gebührender gefeiert als früher – das Paradebeispiel ist hier natürlich der hervorragende Band 2550: „Zwölf Stunden Angst“ von Christian Schwarz, damals noch ganz ohne ENA.
Überhaupt nicht so gelungen wie besagter Schwarz-Krimi oder der letzte Woche als 2. Auflage nochmals herausgegebene Band 2249: „Der Mann, der zum Vollstrecker wurde“ ist das „kleine“ Jubiläum, Band 2250: „Meine blonde Mörderin“. Das beginnt schon mit dem unglaublich konstruierten Anfang: Dass Jerry Cottons Jaguar zur Inspektion ist und der Ritter im roten Jaguar deshalb mal auf die sicherlich weitaus ungemütlichere Subway umsteigen muss, ist ja noch logisch. Und dass er dabei zufällig in einen Überfall gerät, der auf die Beute eines Passagiers namens Dave Yanovsky abzielt, kann man auch noch als glaubwürdig betrachten.
Weniger logisch ist da die Tatsache, dass sich Jerry Cotton unter ziemlich fadenscheinigen Gründen mit unglaublichem Elan daran macht, den Fall zu bekommen. Besagter Mitfahrer namens Yanovsky trägt nämlich eine halbe Million Dollar in Form wertvoller Diamanten mit sich rum – und genau darauf hat es nun ein Gangsterboss namens Miller abgesehen …
So dünn die Story hier klingt, ist sie im Endeffekt auch. Das Problem ist, dass der Autor scheinbar irgendwann selbst nicht mehr so richtig weiß, worüber er eigentlich schreiben soll: Handelt sein Roman nun davon, wie besagter Gangster an die halbe Million kommen will oder ist das Thema eher die Beseitigung unliebsamer Mitarbeiter? Denn gerade mit der Beseitigung von unliebsamen Mitwissern schindet der Autor in diesem Roman viel zu viele Zeilen, sodass man als Leser unter Umständen ziemlich schnell das Interesse an dem Roman verliert. Hinzu kommt, dass die wenigen guten Sprüche in „Meine blonde Mörderin“ leider überhaupt nicht zünden wollen und der Roman stilistisch relativ unspannend über die Bühne gebracht wird.
Fazit: Spannungsarmer Cotton-Krimi, dem noch bevor er richtig losgeht, die Puste abhanden kommt. Ein Roman, den man sich nicht antun muss – schade, dass man für dieses ‚kleine’ Jubiläum keine bessere Story auf Lager gehabt zu haben schien …
Jerry Cotton Band 2250: „Meine blonde Mörderin“ erscheint morgen, 11. März 2008 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 17. März 2008