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Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 79: Zwischen den Fronten der Geheimdienste
Band 2248: „Ich jagte den Agenten-Killer“

Agenten-Thriller waren in der Jerry-Cotton-Serie zwar (leider) nie wirklich die Regelmäßigkeit – früher nicht und heute sowieso nicht, denn im Augenblick gibt es sie so gut wie gar nicht mehr –, aber wenn es welche gab, handelte es sich hierbei auch um echte Highlights in der Serie. Das Paradebeispiel liefert hierfür natürlich der absolute Meilenstein „Mein letzter Fall“: Nachdem der Haupthandlungsstrang um Jerry Cottons Ausstieg aus dem FBI abgeschlossen wurde, folgte mit dem inoffiziellen vierten Teil der Trilogie – Band 2164: „Der Fuchs wird gejagt“ – einer der wohl mit Abstand besten (wenn nicht gar der beste) Cotton-Agenten-Thriller aller Zeiten. Für Band 2248: „Ich jagte den Agenten-Killer“ standen die Zeichen also allesamt sehr gut; immerhin ist die Parallele, dass in beiden Fällen ein herausragender Meilenstein der Cotton-Serie zuvor erschienen ist (im Fall von Nr. 2248 der Vierteiler „Der Tag, an dem Phil Decker starb“), unverkennbar.

Und eigentlich klingt die Story ja auch gar nicht mal so schlecht: Nach den aufregenden Ereignissen der letzten Wochen ist selbst Jerry Cotton – wider Erwarten noch immer unter den Lebenden weilend – nicht mehr so fit auf den Beinen wie es die Cotton-Leser sonst so von ihm gewohnt sind. Grund genug also, sich mal ein freies Wochenende zu nehmen und in aller Ruhe auszuspannen. Doch allzu lang sollte – wie schon so oft in der Vergangenheit – die Ruhe-Pause nicht anhalten, denn schon erreicht ihn ein Anruf aus Washington: Ein russischer Botschaftsangehöriger war auf offener Straße ermordet worden und in seinem Notizbuch wurde Jerry Cottons private Telefonnummer gefunden.

Seltsam nur, dass der noch nie von dem Mann gehört hatte und allgemein überhaupt keine Ahnung hat, wie derjenige eigentlich an seine Nummer kommen konnte. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist Schluss mit der Entspannung: Cotton fliegt rüber in die Hauptstadt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Doch da er ja bekanntlich Gangster anzieht wie das Licht die Motten, gerät er bald ins Fadenkreuz ehemaliger KGB-Agenten und russischer Spione. Sie waren noch immer aktiv – und auch Jerry Cotton sollte daran glauben, wenn es nach ihnen ginge …

Ob es schon ein schlechtes Vorzeichen war, dass in diesem Roman der Mann mit dem Namen Sergej Alexejewitsch Komarow wieder auftaucht – jener Mann, der schon in dem arg mittelmäßigen bis unterdurchschnittlichen Zweiteiler „Der Mann, der lächelnd tötete“ (Band 2224 - 2225) ein Gastspiel in der Cotton-Serie hatte? Wie bereits oben angedeutet: Eigentlich klingt die Geschichte ganz gut, was ja noch immer keineswegs beinhaltet, dass die Umsetzung genauso gelungen ist wie die Vorschau. Denn besagter Ankündigungstext ist, alles in allem gesehen, wirklich das einzig Vernünftige und Spannende an dem ganzen Roman.

Das fängt schon mit den zahlreichen mehr oder weniger komfortabel aussprechbaren russischen Namen an, die in diesem Roman so zahlreich auftauchen. Logisch, dass in einem Agenten-Thriller über russische Spione des Öfteren mal ein russischer Name fällt, aber im Namen des von Recht einfachen amerikanischen Namen verwöhnten Publikums – und um der Lesegeschwindigkeit willen – hätte man hier ruhig einfachere Namen für die Russen wählen können (so was unterbricht den Lesefluss mehr als jede Stilblüte – obwohl der unangefochtene Meister in puncto unaussprechliche Namen natürlich nach wie vor Band 2548: „Die Spur führt nach Chinatown“ ist). Allgemein ist der Stil des Autors seine mit Abstand größte Schwäche – und, dass Jerry Cotton vor allen Dingen in der ersten Hälfte des Romans einen überaus passiven Teil einnimmt.

Zwar wird das in der Vorschau angekündigte Programm aus Sicht Jerry Cottons abgespult, aber der Rest wird dafür auf relativ uninteressante Art und Weise aus Sicht anderer Personen herunter geschrieben – und das Ganze, wie oben angedeutet, in einem Stil, der mir persönlich überhaupt nicht gefällt und meines Erachtens jede Spannung schon im Keim erstickt. Da kann man es niemandem verdenken, wenn man den Roman aufgrund akuter Spannungsarmut vorzeitig nach der Hälfte zur Seite legt. Schade eigentlich – in der Vergangenheit haben Wechsel in der Erzählperspektive einer Story schon mal das Sahnehäubchen verpasst, was hier nun gar nicht der Fall war.

Fazit: Oben genannter Zweiteiler war schwach, „Ich jagte den Agenten-Killer“ ist schwächer – daraus hätte man eindeutig mehr machen können.

Jerry Cotton Band 2248: „Ich jagte den Agenten-Killer“ erscheint morgen, 26. Februar 2008 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 3. März 2008

© Martin Palm

 

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