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Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 75: Der Tag, an dem Phil Decker starb – Der Prolog (1)
Teil 1: Band 2244: „Ich – der Ankläger“ – der Auftakt zu dem Meilenstein der Cotton-Serie

Über die Jahre hinweg gab es in der Jerry-Cotton-Serie eine Vielzahl sehr lesenswerter Highlights, die man weder als treuer noch als gelegentlicher Leser verpassen sollte (bedauerlicherweise hat sich die Anzahl an solchen Romanen in letzter Zeit rasant verringert). Gelegentlich wurden in der Serie jedoch erstklassige Meilensteine veröffentlicht, die nicht nur jeder Cotton-Fan mindestens einmal gelesen haben sollte, sondern die auch für alle anderen Krimi-Fans überaus empfehlenswert sind.

Trotz zahlreicher Highlights ist der letzte Meilenstein dieser Größenordnung selbst in der 2. Auflage schon ein paar Tage her – genauer gesagt war das in Band 2161 – 2164 in der vierbändigen „Mein letzter Fall“-Trilogie (man bedenke das Zusammenspiel zwischen Adjektiv und Nomen), der wohl bekannteste Mehrteiler der gesamten Serie.

Nicht ganz so bekannt, aber trotzdem nicht minder empfehlenswert ist der Dreiteiler „Der Tag, an dem Phil Decker starb“. Wie schon bei „Mein letzter Fall“ ist hier in der Regel von einer Trilogie die Rede, auch wenn die gesamte Story eigentlich aus vier Bänden besteht (in den mittlerweile abgeschafften Fußnoten hieß es bei beiden Trilogien stets „siehe Band 2161 – 2163“ und „Band 2245 – 2247“, auch wenn in beiden Fällen je Band 2164 und Band 2244 vollständig zur Handlung gehören). Und genauso wie bei „Mein letzter Fall“ handelt es sich hierbei um einen für Heftroman-Verhältnisse sehr untypischen Roman, da in diesen Krimis die leider viel zu eng abgesteckten Grenzen der Romanhefte nicht nur erreicht, sondern auch noch weit überschritten werden. Aber dazu Näheres in den nächsten Kolumnen bzw. Wochen.

Band 2244: „Ich – der Ankläger“ funktioniert in diesem Fall quasi als eine Art Prolog zu der „Der Tag, an dem Phil Decker starb“-Trilogie. Und der hat es in sich, denn Cotton-Star-Autor Michael J. Parrish zieht hier (mal wieder) alle Register. Das fängt schon damit an, dass es ein Wiedersehen mit gleich zwei alten Bekannten gibt, denn das Ganze beginnt recht harmlos mit einer Gefangenenüberführung von New York nach Los Angeles.

Achtung, Spoiler zur Jerry-Cotton-Millennium-Trilogie in Band 2219 – 2221!
Aufmerksame Leser können sich bereits denken, was das bedeutet – genau: Will Cotton, Jerry Cottons flippiger Neffe vom FBI Field Office L.A. ist wieder mit von der Partie. Und das auch noch mit Annie Geraldo. Hierzu ist etwas Vorwissen hilfreich (obwohl im Roman selbst das Wichtigste noch mal erklärt wird): Die beiden hatten im Zuge der Millennium-Trilogie in Band 2219 – 2221 (siehe Jerry Cotton Kolumne 50 – 52) eine Affäre miteinander. Wie das nun mal so die Art des damaligen Cotton-Teams rund um Lektor Peter Thannisch war/ist, wurde auch dieser rote Faden weitergeführt – logisch, dass da auf privater Basis reichlich Potenzial für Konflikte herrscht.
Spoiler Ende!

Damit nicht genug: Das Ganze geht zu allem Überfluss auch noch schief, die beiden Special Agents und ihr Gefangener werden von Kampfhubschraubern angegriffen. Die Konsequenz: Die beiden müssen sich vor einem FBI-Untersuchungsausschuss für ihr Versagen verantworten. Und ausgerechnet ein für die Cotton-Leser nur allzu Bekannter soll die Anklage führen…

Doch halt: Ist das nun alles wirklich so abgelaufen? Oder ist das Team rund um Jerry Cotton mal wieder zu Schachfiguren in einem perfiden Plan degradiert worden? Denn bald treffen Cotton und Decker auf einen alten Bekannten, ein teuflisches Genie, das schon so manches Mal für Unheil gesorgt hat …

Vor dieses atemberaubende Wiedersehen hat Autor Michael Parrish allerdings noch eine Hetzjagd sondergleichen voll unerwarteter Wendungen und böser Überraschungen gesetzt – und als wäre dieser erstklassige Kriminalfall nicht schon überzeugend genug, um sich einen Platz in der Top 50 der besten Cotton-Romane ab Band 2000 zu sichern, setzt Parrish auch noch einen drauf, indem er den Leser an den kleinen Kabbeleien zwischen Annie Geraldo und Will Cotton teilhaben lässt – insbesondere die Beziehung dieser beiden Charaktere funktioniert hier (mal wieder) wunderbar.

Dieses perfekte Zusammenspiel ist jedoch so gekonnt dosiert worden, dass man dem Autor einfach nur gratulieren und sich als Leser über so gute Romane freuen kann, denn ich persönlich habe öfters so meine Schwierigkeiten, mich in Krimis mit superheldenhaft dargestellten Ermittlern zu identifizieren oder diese sympathisch zu finden. Störend vor allem: In den aktuellen Jerry-Cotton-Heften erfährt man fast gar nichts mehr aus dem privaten Leben der Polizisten und am Buchmarkt wird deren Privatleben mitunter wieder derart ausgewalzt, dass man Zustände bekommt. Da bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als immer mal wieder zu diesen Heften zu greifen und sich zu freuen, dass es so gute Romane gibt.

Jerry Cotton Band 2244: „Ich – der Ankläger“ erscheint morgen, 29. Januar 2008 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 4. Februar 2008

Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach

© Martin Palm

 

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