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Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 70: Die ENA-Trilogie (4)
Teil 4: Fazit zur neuen Jerry Cotton-Trilogie in Band 2621 – 2623

Achtung, Spoiler zu Band 2621: „Die Hydra erhebt sich“ (Teil 1) und Band 2622: „Auf Messers Schneide“ (Teil 2)!

Wegen der superheldenhaften Darstellung Jerry Cottons und durch die allgemeine Philosophie der Serie wird auch ein wenig der Charakter Peilins, die wenigstens in Teil 1 und 2 gewisse Sympathiepunkte für sich verbuchen konnte, zerstört: Ein erneuter Auftritt von ihr in der Serie dürfte ziemlich geringe Chancen haben, also taugt sie allenfalls noch zum Sexobjekt in der Cotton’schen Frauen-Sammlung.

Allgemein steht die neue Politik der Cotton-Heftserie diesem Mehrteiler zum Teil arg im Weg. Eine der ganz großen Fragen seit Anfang/Mitte 2005 – beziehungsweise der Trilogie in Band 2500 bis 2502 – ist natürlich, wann die FBI-Agentin June Clark endlich eine neue Partnerin zur Seite gestellt bekommt. Klar: Es ist verständlich, dass das nicht von heute auf morgen funktioniert, denn wie Cotton-Redakteur Florian Marzin bereits mehrfach mitteilte, wurde diese Entscheidung vor seiner Zeit scheinbar ziemlich planlos im Zuge der redaktionellen Umstrukturierungen getroffen – aber dass sich auch auf Ebene der FBI-Agenten in dieser Trilogie rein gar nichts getan hat, ist eine herbe Enttäuschung.

Da wartet man nun rund zwei Jahre auf einen neuen Mehrteiler und erfährt nicht nur nichts Neues über die mittlerweile gar nicht mehr so neue Terror-Organisation in der Serie, sondern es gibt nicht mal einen neuen Agenten an der Seite June Clarks! Fairerweise muss hier allerdings angemerkt werden, dass man sich wenigstens die Mühe gemacht hat anzumerken, dass June überhaupt mal eine Partnerin hatte – die Erwähnungen von Annie Geraldo waren seit ihrem Tod ja seltener als eine Abwehrrakete im Vorgarten. Außerdem ist es natürlich äußerst fraglich, inwieweit Autor Christian Schwarz hier überhaupt Einfluss hatte – denn es hat zweifelsohne seine Gründe, dass bedeutende Figuren der Serie wie Annie Geraldo oder Will Cotton quasi von einem auf den anderen Tag spurlos verschwanden oder herausgeschrieben wurden. Trotz alldem bleibt dieser Kritik-Punkt jedoch bestehen, denn im Vergleich zu früheren Trilogien, in denen in schöner Regelmäßigkeit herausragende Besonderheiten geboten wurden (Jerry Cotton verlässt das FBI, Phil Decker stirbt, Jahrtausend-Wechsel, Will Cotton wird eingeführt, Annie Geraldo stirbt etc.), muss die aktuelle hier leider Abstriche machen.

Spannung wurde in erster Linie dadurch erzeugt, dass die Geschichte in mehrere, parallel nebeneinander laufende Handlungsstränge unterteilt wurde: Die bereits erwähnten Ermittlungen in New York im Dunstkreis von John Roleke und die Ermittlungen in Thailand. Problematisch ist hieran jedoch, dass in Thailand eigentlich gar keine wirklichen Ermittlungen stattfanden. Zieht man einmal Jerry Cottons rauschhaftes Vergnügen beziehungsweise seine und Peilins Entführung ab und klammert außerdem aus, dass ein Roman mit einem geringen Anteil an Verhören zwischendurch mal äußerst entspannend war, bleibt nicht viel übrig – unser Held turnt vielmehr in der Weltgeschichte herum, überwacht den verdächtigen Bankdirektor Roger Noe, aber insgesamt gesehen nimmt diese Ermittlungsarbeit eine eher passive Stellung im Roman ein. Die gesamten drei Romane über wirklich aktiv waren nur jene aus den verschiedensten Motiven heraus handelnden Gangster.

Mittelpunkt der Trilogie ist die Frage, wer sich hinter dem Namen Erawan verbirgt, jenem geheimnisvollen Obergangsterboss im thailändischen Raum. Die Enttarnung dieses Obergangsters wird jedoch nicht nur relativ unspektakulär über die Bühne gebracht; sie ist zu allem Überfluss auch noch allzu vorhersehbar, denn wer nicht (wie ich) schon im ersten Roman auf diese Person tippte, wird spätestens in der ersten Hälfte des dritten Teils denjenigen verdächtigen, denn – ohne zuviel zu verraten – an einer Stelle verrät sich der Autor dort. Schade eigentlich!

Herausragend ist im Gegenzug die umfangreiche Recherche rund um Thailand, die an vielen Stellen in den Roman einfließt, ohne zu stören – großes Lob an dieser Stelle dafür!

Fazit: Trotz all dieser Kritikpunkte ist die Trilogie jedoch nicht wirklich schlecht. Zumal dadurch klar wird, dass – wie zuvor in meinem Blog (http://www.krimi-kritiker.blog.de) befürchtet – die Storyline rund um die ENA in absehbarer Zeit nicht enden wird, im Gegenteil… Es sei denn, man befürwortet ein abgehacktes, schnelles und in dem Falle womöglich auch noch unbefriedigendes Ende des Handlungsstranges.

Insbesondere die durchaus überraschende Schlussszene macht hier Lust auf die künftigen Romane mit der ENA, denn darin wird zumindest schon mal ein gewisses Potenzial an Spannung für die Zukunft angedeutet. Mal schauen, was die Zukunft in dieser Hinsicht bringt bzw. was man daraus macht – immerhin ist mit Band 2630: „Blutige Grenze“ mittlerweile ein weiterer Krimi rund um die ENA erschienen und auch ein neuer Mehrteiler (diesmal jedoch „nur“ ein Doppelband) im Kommen: Band 2639 und Band 2640 werden voraussichtlich im Januar 2008 erscheinen.

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint wegen der Feiertage erst am Freitag, 28. Dezember 2007

Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach

© Martin Palm

 

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