
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 62: Jerry Cotton Band 2600-2625 – Eine Bilanz (2. Teil)
Teil 2: Ein Rückblick auf das vergangene halbe Jahr in der Cotton-Heftserie
Achtung: Dieser Beitrag enthält Spoiler zu Jerry Cotton Heftroman Band 2617: „Todfeindliche Übernahme!“
Die Story um den mysteriösen Gangsterboss „Senior“ war insgesamt gesehen eine Mischung aus hoch und tief. Bisher war meine Einstellung zu den Romanen mit diesem Dauergegner eher durchwachsen. Die ersten Romane mit ihm – Band 2528: „Der Tod geht um in Rikers Island“ und Band 2566: „Waffen für Angola“ – gefielen mir alleine schon deshalb, weil sich hier nach einiger Zeit Durststrecke endlich mal wieder ein Dauergegner abzeichnete, der sich über etwas längere Zeit in der Handlung behaupten sollte.
Doch mit dem darauf folgenden dritten Roman Nr. 2592: „Ein Schritt bis zum Abgrund“ erreichte die Storyline um den „Senior“ ihren vorzeitigen Tiefpunkt: Eine langatmige, ähnlich wie Band 2566 – nur weitaus langweiliger – aufgezogene Story. Der Plot von Band 2597: „Das Spiel ist niemals aus“ war da schon weitaus besser, die Umsetzung allerdings noch immer nicht wirklich überzeugend. Danach herrschte erst einmal wieder Funkstille: In Band 2599: „Die Vigilanten von New York“ bzw. dem Jubiläumsband 2600: „Das Phantom“ wurde die Terror-Organisation ENA eingeführt und in Bänden wie Nr. 2607 („Freund oder Verräter?“) und Nr. 2609 (www.Mordauftrag) ausgebaut - der Senior verschwand während dieser Zeit mal wieder in der Versenkung und wurde allenfalls mal am Rande erwähnt.
Nach besagten Auftritten in den Bänden 2528, 2566, 2592 und 2597 kehrte er in Band 2617: „Todfeindliche Übernahme“ zurück – und alles in allem lässt sich sagen, dass mir dieser Roman von der Storyline um den Senior am besten gefiel, denn hier tat sich endlich mal etwas: ACHTUNG, SPOILER zu Band 2617: „Todfeindliche Übernahme“! Nicht nur, dass die Identität des Seniors geklärt wurde – er nahm das Geheimnis über sich und die ENA gezwungermaßen auch mit ins Grab. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass man noch etwas intensiver auf Hintergrund und z. B. auch Namensgebung des Gangsterbosses eingegangen wäre, aber dennoch ist dieses Heft eine runde Sache. SPOILER ENDE!
Sehr spannend ging es in Band 2618: „Den letzten Takt spielt der Tod“ weiter: Doch nicht nur, dass wir hier endlich mal wieder eine Geiselnahme hatten (dieses Action-Element fehlte in letzter Zeit wirklich! Gerne mehr…), in diesem Roman wurde auch eine neue Figur in die Serie eingeführt: Die Agentin Gwendolyn Myers, die Jerry Cotton aus früheren Tagen kennt. Wer weiß, wie sich diese Story künftig weiterentwickeln wird?
Was dem Leser in Band 2619: „Die Straße des Killers“ serviert wurde, war dann aber noch einmal weitaus beeindruckender. Es gab bei „Jerry Cotton“ zwar schon immer mal sehr gute Serienkiller-Stories – bestes Beispiel der kürzlich als 2. Auflage erschiene Band 2229: „Der Starlet-Killer“ – doch „Die Straße des Killers“ bot eine wirklich erstklassige Verarbeitung des Stoffes, die nicht nur viele Stories mit dieser Thematik aus der Zeit, in der noch Peter Thannisch Heftlektor war, übertrumpft, sondern auch den Ärger über viele schlechtere Romane der vergangenen Zeit voll und ganz wett macht – und sich mit normalen Büchern aus dem Serienkiller-Genre durchaus messen kann.
Unterm Strich lässt sich durchaus zu Recht sagen, dass es einen deutlichen Qualitätsanstieg gegeben hat in der letzten Zeit – denn wenn man bedenkt, dass monatlich noch immer fünf Romane erscheinen, ist die Zahl der Nieten doch erfreulich gering bzw. die qualitativ minderwertigeren Romane waren nicht so grauenvoll wie etwa so manche Romane aus dem 2570er-Bereich, der damals für mich einen echten Tiefpunkte in der Serie war. Trotz allem bleibt natürlich der schale Beigeschmack, dass in der Regel Humor und lockere Nebenhandlungen fehlen. In der nächsten Woche erscheint dafür jedoch ein absolutes Paradebeispiel – nämlich die 2. Auflage von Band 2231: „Das Siegel des Todes“.
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 29. Oktober 2007
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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