
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 59: Jerry Cotton Band 2600-2620 – Eine Bilanz (1. Teil)
Teil 1: Ein Rückblick auf das vergangene halbe Jahr in der Cotton-Heftserie
Inzwischen ist es schon wieder rund ein halbes Jahr her, dass der „Jerry Cotton“ Jubiläumsband 2600: „Das Phantom“, geschrieben von Christian Schwarz, erschien und auch die neue Trilogie liegt inzwischen hinter uns. Zeit, Revue passieren zu lassen: Was hat sich in der letzten Zeit getan, was ist besser geworden, was hat sich verschlechtert?
Allgemein lässt sich sagen, dass in den letzten Monaten ein starker Aufwärtstrend in der Cotton-Heftserie Einzug gehalten hat, was man von den Taschenbüchern – zumindest von denen, in die ich sporadisch rein gelesen habe – seltsamerweise nicht gerade behaupten kann. Im ersten Jahr, in dem Dr. Florian F. Marzin neuer Lektor der Heftserie wurde, war die Qualität neuer Romane eher durchwachsen und es hagelte des Öfteren Kritik – Tiefpunkt war hier eindeutig die Zeit um Band 2570, die ich schließlich auch zum Anlass nahm, die Serie nicht weiter zu lesen (wer Romane wie Band 2574: „Skrupellos“ oder Nr. 2576: „Verräter sterben schnell“ gelesen hat, wird wissen, warum…). Um Band 2600 herum wagte ich allerdings einen neuen Versuch und wurde – anders als zum Beispiel bei dem kurz zuvor erschienenen „John Sinclair“ Jubiläumsband 1500 („Der Albino“) – nicht enttäuscht. Mit „Das Phantom“ kehrte der alte, von mir heiß geliebte Stil wieder in die Serie zurück. Nicht zuletzt auch, weil im vorherigen Band 2599: „Die Vigilanten von New York“ eine einschneidende Änderung in der Serie vorgenommen wurde.
Anders als sonst ging es im darauf folgenden Band 2601: „Die Eremitage-Connection“ sogar sehr spannend weiter: Der von Alfred Bekker geschrieben Nachfolge-Band überzeugte. Danach folgte jedoch ein erster Tiefpunkt. Band 2602: „Pazifische Alpträume“ gefiel mir schon nicht mehr so gut wie die vorherigen Bände, doch Band 2603: „Der Duft des Todes“ war noch schlimmer; den abgedroschenen Mafia-Krimi in Band 2604: „Kugeln für den Staatsanwalt“ konnte man gar als Gipfel der Einfallslosigkeit bezeichnen, sodass Band 2605: „Bruchlandung“ erst einmal liegen blieb. Auch die Serienkiller-Story ohne Serienkiller in Band 2606: „Eine Tote als Zeugin“ war ein totaler Schlag ins Wasser.
Mit Band 2607: „Freund oder Verräter?“ gab es erneut eine Wende – der neue ENA-Roman gefiel, wobei der zwei Wochen später erschienene ENA-Krimi 2609: „www.Mordauftrag“ wiederum nicht mehr ganz so gut war, sodass Band 2610: „Tage des Terrors“ und Band 2611: „Mord in der Klinik“ ähnlich wie „Bruchlandung“ erst mal auf dem Stapel liegen blieben.
Doch endgültig durchbrochen wurde die negative Phase mit Band 2612: „Rom sehen und sterben“: Ein grandioser Roman, der Spaß macht, teilweise humorig und außerdem sehr spannend ist. Hier wurde übrigens eine Person eingeführt, die später (schon in Band 2615: „Die Rückkehr des Generals“) noch Gastauftritte haben sollte: Kunstprofessor Vanders, ein ulkiger Typ, der so manches Mal zum Schmunzeln anregt. Das nächste Heft 2613: „Mörderische Macht“ war schon eher durchschnittlicher (weil ich die Auflösung zu wirr gestaltet fand) und auch bei Band 2614: „Späte Reue“ handelte es sich ebenfalls Durchschnittsware, aber immerhin nicht wirklich schlecht. Überdurchschnittlicher waren jedoch die kommenden Romane. Band 2615: „Die Rückkehr des Generals“ bot eine Gangsterboss-Story, die so gar nicht in das übliche Muster, dem beispielsweise zuvor Romane wie „Kugeln für den Staatsanwalt“ folgten, passt – außerdem hatte Professor Vanders hier einen weiteren Auftritt. Und auch Band 2616: „Der Boss aus dem Sumpf“ war eine gute Mafia-Story mit erstklassiger Ermittlungsarbeit.
Doch dabei sollte es zum Glück nicht bleiben: In den nächsten Romanen vollzogen sich einige grundlegende Wendungen und außerdem ging es qualitativ sehr gut weiter. Dazu aber mehr in der kommenden Woche.
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 15. Oktober 2007
Bild- und Textquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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