
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 58: Die Selbstmord-Killer
Jerry Cotton Band 2228: „Die Pforte des Todes“
Psycho-Spielchen sind immer so eine Sache. Entweder, sie sind effektvoll und bauen genau die richtige Stimmung auf, die der Autor damit beabsichtigt hat – oder sie wirken schlichtweg lächerlich und albern auf den Leser und regen statt zum Schaudern eher zum Lachen an. Schund und Schätze liegen da nah beieinander. Nicht so recht den Ton getroffen hat das Jerry Cotton-Heft „Die Pforte des Todes“, das ab dem 9. Oktober 2007 wieder als 2. Auflage erhältlich ist. Die Kolumne zu diesem Roman ist in dieser Woche vorgezogen worden, da sich meine ausführliche Kritik zur neuen Cotton-Trilogie in Band 2621 – 2623 leider aus verschiedenen Gründen verschoben hat. Wer allerdings schon vorab Kommentare von zwei treuen Cotton-Fans lesen will, kann dies schon in meinem Blog http://www.krimi-kritiker.blog.de/ (im Bereich „Jerry Cotton Vorschauen“) tun.
Inhaltlich geht es in Band 2228 um Folgendes: Ein Killerpärchen treibt mithilfe der Macht von Worten Menschen in den Selbstmord. Ersten Kontakt zu dem teuflischen Geschwisterpaar bekommen Jerry Cotton und Phil Decker bei einem Strandbesuch – die beiden FBI-Agenten können nur mit Mühe und Not einen Suizid verhindern. Doch dabei sollte es nicht bleiben – denn auch ein Kollege von ihnen, G-man Gary Fleming, gerät ins Visier der Selbstmord-Killer …
„Die Pforte des Todes“ spiegelt etliche Vor- und Nachteile von Jerry Cotton Heftromanen wider. Auf der einen Seite ist die Story flott und temporeich – alleine schon, weil der zeitliche Rahmen auf etwa einen Tag beschränkt ist. Auch die persönliche Seite kommt nicht zu knapp, etwa als Jerry Cotton und Phil Decker zu Beginn des Romans am Strand sind – ein typisches Merkmal der Cotton-Romane von Annie-Geraldo-Erfinder Martin Barkawitz.
Dafür ist die Story teilweise recht unausgereift. Die Psycho-Tricks der Geschwister sind meistens hart an der Schwelle zur Unglaubwürdigkeit. Aber gut – das mag an dem Killer-Paar noch zugestehen und außerdem beruht dieser Eindruck ja immer auf subjektiven Einflüssen. Die Lösung fällt leider nicht sonderlich originell aus, denn meine ursprüngliche Vermutung, dass eine zu Beginn des Romans in der Strand-Szene erwähnte Person ein Auftraggeber der Psycho-Killer sein könnte, hatte sich als unwahr herausgestellt. Da es sich bei den beiden Killern allerdings lediglich um Auftragskiller handelt, hätte man aus der Identität ihrer Auftraggeber ruhig den einen oder anderen Whodunit-Effekt ziehen können. Immerhin ist die Lösung wiederum zufrieden stellender als die aus vielen anderen Profikiller-Romanen, bei denen sich die Autoren nicht mal die Mühe gemacht haben, die Auftraggeber namentlich zu benennen.
Fazit: Ein Roman, der weder wirklich schlecht ist noch einen vom Hocker reißt – vergleichbar etwa mit Band 2208: „Good bye, Mr. High!“ oder Band 2167: „Ring frei zum Attentat“, der übrigens auch von Alfred Bekker stammt (allerdings um Längen schlechter war als „Die Pforte des Todes“). Spannendere Psycho-Tricks gibt es beispielsweise in Band 2197: „RADIO-KILL – Die Stimme, die den Tod befahl“, in dem Jerry Cotton in den Bann eines gefährlichen Psycho-Serienkillers gerät.
Jerry Cotton Band 2228: „Die Pforte des Todes“ erscheint am 9. Oktober 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 8. Oktober 2007
Bild- und Textquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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