Sie sind hier: Startseite - Romanhelden - Jerry Cotton - # 57: Aus dem Rennen geworfen


Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 57: Aus dem Rennen geworfen
Jerry Cotton Band 2226: „Die Rechnung wird mit Blut bezahlt“

Vorschauen waren und sind in der Cotton-Serie schon immer ein Problem gewesen. Lange Zeit wurde in der Vorschauseite auf S. 66 – bedingt durch den damaligen Phasen-Vertrieb des Bastei-Verlags, der heutzutage bei Bastei Gott sei Dank abgeschafft wurde und nur noch vom Kelter-Verlag genutzt wird – nur die 1. Auflage für die nächste Woche beworben, weil die, anders als die zwei Neuauflagen, in allen Bundesländern gleichzeitig erhältlich war. Dadurch, dass diese Vorschau sehr lang war, enthielt sie leider auch sehr viele Spoiler.

Da gab es dann Ankündigungen, in denen quasi der gesamte Roman gespoilert wurde – z. B. die zu Band 2131: „Wir gegen den teuflischen Wunderheiler“ oder etlichen anderen Heften, sodass man zeitweise den Roman gar nicht mehr zu lesen brauchte. Andere Vorschauen gaben wiederum schlichtweg falsche oder stark missverständliche Informationen. Dieses Problem gibt es heute Gott sei Dank nicht mehr, denn die Vorschau zur neuen Erstauflage ist inzwischen auf wenige Zeilen geschrumpft, in denen wirklich nur noch ein sehr geringer Teil des Romans angeschnitten werden kann – Spoiler sind so selten geworden, man kann die heutigen Vorschauen bedenkenlos lesen. Dafür waren die früheren Vorschautexte aber auch des Öfteren sehr klangvoll – diesen Klang haben die aktuellen leider nahezu komplett eingebüßt.

Problematisch wird es nur, wenn die Vorschauen spannender ist als der gesamte Roman oder man nach Lesen eines Heftes den Eindruck bekommt, man habe hier eine völlig andere Story gelesen als die, von der in der Ankündigung die Rede war. So sah das auch im Fall von Heftroman Band 2226: „Die Rechnung wird mit Blut bezahlt“ aus. Deshalb an dieser Stelle statt einer kurzen Inhaltsangabe die damalige Vorschau aus dem vorigen Roman:

„Es war ein haarsträubender Fall, wie wir ihn noch nie erlebt hatten, und er verlangte uns alles ab. Es begann mit der Ermordung eines Jockeys und zweier Kollegen vom NYPD. Drei brutale Morde, bei denen wir kein Motiv erkennen konnten. Dann wurde die Tochter eines berüchtigten Mafia-Bosses entführt. Zusammen mit einem Rennpferd, das vorher den „Großen Preis von Long Island“ gewonnen hatte. Merkwürdigerweise verlangten die Kidnapper zunächst nur Lösegeld für das Pferd und ihre Lösegeldforderung ging auch an die falsche Adresse. Hatten wir es mit Amateuren zu tun oder mit vollkommenen Idioten? Doch beim Kidnapping hatte es einen weiteren brutalen Mord gegeben, und es blieb nicht der letzte. Phil und ich ermittelten rund um die Uhr, bis wir endlich die wirren Hintergründe des schrecklichen Mordes erkannten, doch dann überschlugen sich die dramatischen Ereignisse, und das Sterben nahm kein Ende mehr!“

Dass der Roman auch noch mit den Worten „Phil und ich auf der Spur eines unglaublichen Verbrechens“ unterbetitelt war, tat zu meiner hohen Erwartungshaltung ein Übriges – doch leider Gottes wurde ich da bitter enttäuscht. Auf den ersten Blick hört sich dieser Roman an wie ein Tausend-Teile-Puzzle, das man erst ganz zum Schluss enträtselt, den Mund vor Erstaunen auf- und zuklappt und dem Autor zu seiner guten Idee gratuliert. Leider war zumindest bei mir nichts von alledem der Fall, denn die Vorschau erweckt den Anschein, dass man mit Jerry Cotton und Phil Decker Stück für Stück genau diese verwirrenden Ereignisse miterleben würde.

Leider erzählt der Autor die Story andersherum. Das heißt er berichtet uns haarklein, wie es zu diesem „unglaublichen Verbrechen“ kommt, sodass es für den Leser quasi keine Miträtselmöglichkeit gibt, wie denn nun alles zusammenhängt. Dadurch wurde ein sehr großer Teil der Spannung genommen und man fragt sich hinterher berechtigterweise, was das denn nun so unglaublich an dem Verbrechen sein soll – und „haarsträubend“ ist allenfalls die Vorschau in Bezug auf den eigentlichen Roman. Man möge mich nicht falsch verstehen … an und für sich ist dieses Heft in Ordnung. Nicht überragend – mit Granaten wie den Jon-Bent-Romanen oder vergangenen Mehrteilern (mit Ausnahme des Zweiteilers in Band 2224: „Der Mann, der lächelnd tötete“ und Band 2225: „Der ‚Major’ lädt zum Sterben ein“) natürlich nicht im Mindesten zu vergleichen, aber immerhin passabel. Was ihn mir wirklich nachhaltig verdorben hat ist die Vorschau, die meine Erwartungshaltung damals in eine völlig falsche Richtung lenkte.

Vom Unterhaltungswert her ist „Die Rechnung wird mit Blut bezahlt“ auch gar nicht mal so übel – wir lernen nicht nur mal wieder nach der reichlich trockenen Story in den letzten zwei Heften eine neue Freundin von Jerry kennen; wenn mich nicht alles täuscht, hatte in diesem Roman auch der Gerichtsmediziner Dr. Alexis Silas – wegen seiner Körperfülle auch „Doc Doubleman“ genannt – seinen ersten Auftritt in der Serie. Silas ist inzwischen komplett in der Versenkung verschwunden – wann er das letzte Mal auftauchte bzw. wie es mit ihm weiterging, ist mir leider nicht bekannt. Auf jeden Fall hatte besagter Mann in der Cotton-Serie noch etliche Auftritte – der nächste folgte schon bald darauf in dem sehr guten Serienkiller-Roman Band 2229: „Der Starlet-Killer“, der vermutlich vom Autor von „Die Rechnung wird mit Blut bezahlt“ geschrieben wurde, dafür aber qualitativ deutlich besser ist.

Jerry Cotton Band 2226: „Die Rechnung wird mit Blut bezahlt“ erscheint am 25. September 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 1. Oktober 2007

Bild- und Textquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach

© Martin Palm

 

© by 2007
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox