
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 55: Der Mann, der lächelte
Ein enttäuschender Mehrteiler: Band 2224/2225
Der September steht bei „Jerry Cotton“ in diesem Jahr ganz im Zeichen der Mehrteiler – nicht nur, dass morgen die heiß ersehnte ENA-Trilogie in Erstauflage erscheint, auch in der 2. Auflage erscheint am 11. September der 1. Teil eines Zweiteilers. Was für eine geniale Planung – da kommt jahrelang (das ist leider nicht einmal übertrieben – 2005 war das bisher letzte Mal …) in der Cotton-1.-Auflage kein neuer Mehrteiler und wenn, dann starten in einer Woche gleich zwei. Ein Gutes hat das Ganze zumindest: Die neue ENA-Trilogie in den Bänden 2621 bis 2623 kann dieses Duell locker gewinnen, denn der Mehrteiler um Band 2224: „Der Mann, der lächelnd tötete“ und Band 2225: „Der ‚Major’ lädt zum Sterben ein“ zählt nicht gerade zu den besten der Cotton-Serie.
Ich deutete es ja bereits an: Nach der starken Millennium-Trilogie folgte bei der Cotton-Serie eine echte Tiefphase. Band 2222: „Phil und das Diamanten-Girl“ war unterdurchschnittliche Krimi-Ware, Band 2223: „Lauf oder stirb!“ aus heutiger Sicht auch – trotz eines Auftritts der schwarzen FBI-Agentin Rose Warrington – nur Durchschnittsware (ein Club weitgehend motivloser Serienkiller jagt junge Frauen – das auch noch ohne Whodunit-Effekt verleitet mich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen…) und mit dem Zweiteiler um Band 2224: „Der Mann, der lächelnd tötete“ und Band 2225: „Der ‚Major’ lädt zum Sterben ein“ gab es einen echten Tiefpunkt – einen so unterdurchschnittlichen, belanglosen Zweiteiler gab’s in den letzten Monaten selten.
Das Ausgangs-Szenario von Band 2224: „Der Mann, der lächelnd tötete“ ist zwar sehr klassisch-klischeehaft, aber dennoch an und für sich gar nicht mal so schlecht. Der Gangsterboss Cesare Bonetti gehört zu den Bossen im Bereich Schutzgelderpressung – dabei terrorisierte er kleinere wie größere Läden; wer nicht zahlte, wurde gnadenlos niedergemäht. Bei einer von Bonettis Strafaktionen kam ein Freund von Jerry Cotton ums Leben – Captain Andrew McMillan von der New York City Police, zerfetzt von einer in einem Restaurant gezogenen Bombe. Ehrensache, dass Jerry und Kumpel Phil den Gangsterboss zur Strecke bringen wollen – doch das war gar nicht mehr nötig, denn auf einmal tauchte ein blonder junger Mann auf, der auf den ersten Blick für die gepeinigten Opfer der Erpresser wie ein rettender Engel wirkte …
… soweit so gut. Eigentlich hätte die Idee, dass ein Rächer Schutzgelderpresser umlegt, so schön sein können – doch sie wurde hier mit dem Darauf folgenden regelrecht verheizt. Bald darauf nimmt die Story nämlich das übliche Muster an (hierbei handelt es sich übrigens nicht mal um einen Spoiler, da all diese Ereignisse bereits in der damaligen Vorschau erwähnt wurden), denn Johnny macht das Ganze freilich nicht nur aus reiner Nächstenliebe und zum zweiten Teil hin taucht plötzlich eine russische Gangster-Bande auf, die zwar durchaus ein gewisses Potenzial hätte, aber in einem Mischmasch aus 08/15-Einheitsbrei-Story und Schema F unterging. Jerry Cotton selbst ist übrigens im zweiten Teil, Band 2225: „Der ‚Major’ lädt zum Sterben ein“, ganz der unsympathische Bürohengst wie wir ihn heute kennen.
Alles in allem kommt weder Band 2224 noch Nummer 2225 an die Klasse der vorher veröffentlichten Mehrteiler heran – ein klassischer Mafia-Krimi eben, der nicht mehr wirklich zu überzeugen weiß, da er zu vorhersehbar und wendungslos ist. Meilenweit und entfernt und nicht zu vergleichen mit Highlights wie der Annie-Geraldo-Trilogie (Band 2186 – 2188), dem Will Cotton Mehrteiler (Band 2200 – 2201), der Millennium-Trilogie (Band 2219 – 2221) oder gar Meilensteinen á la „Mein letzter Fall“ (Band 2161 – 2164) …
Jerry Cotton Band 2224: „Der Mann, der lächelnd tötete“ (1. Teil) erscheint am 11. September 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Jerry Cotton Band 2225: „Der ‚Major’ lädt zum Sterben ein“ (2. Teil) erscheint am 18. September 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 17. September 2007
Bildquelle(n): Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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