
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 52: Der Sektenteufel (3)
Teil 3: Jerry Cotton Band 2221: „Wir im Schlund der Hölle“
Dass außergewöhnlich gute Romane mit außergewöhnlich bescheuerten Titeln bedacht werden, ist nichts Neues. Für gewöhnlich habe ich nichts gegen die „Wir“ bzw. „Ich“-Titel, die in den Anfangsjahren der Serie das Markenzeichen von „Jerry Cotton“ waren – was wohl auch in erster Linie der Grund dafür ist, dass man sie inzwischen abgeschafft hat… -, aber im Fall von Band 2221: „Wir im Schlund der Hölle“ war der Titel nun wirklich überflüssig. „Wir und der Sektenteufel“ oder etwas Ähnliches hätte an dieser Stelle wesentlich besser gepasst als das unsinnige „Wir im Schlund der Hölle“. Aber glücklicherweise ist ein origineller Titel ja nicht die Hauptstütze eines guten Romans – sonst hätten nämlich einige der aktuellen Hefte und Taschenbücher arge Probleme …
Während es nach dem ersten Teil der Trilogie (Band 2219: „Im Jahr 2000 stirbt New York!) in Band 2220: „Ich und die Jünger des Untergangs“ actionreich und dramatisch weiterging, gesellt sich im dritten und letzten Teil der Millennium-Trilogie neben der atemberaubenden Spannung auch noch ein so gerne und oft von mir geforderter Aspekt hinzu: Humor. Das natürlich nicht ohne Grund, denn in dem Abschlussteil geht es in die Stadt der Engel, Los Angeles. Genau – der Ort, den Jerry Cottons heißblütiger Neffe William „Will“ Cotton seit einiger Zeit heimsucht. Der „Cotton junior“, der so gar nicht in das übliche Klischee der in mehr oder weniger einseitigen Schwarz-Weiß-Tönen gestalteten Hefthelden passt. Wohl einer der Gründe, warum man die Produktion einer „Cotton L.A.“-Serie mit Will noch vor Erscheinen des ersten Bandes gestoppt hat …
Der Sektenführer Lucius aus dem zweiten Teil, „Ich und die Jünger des Untergangs“, ist auf der Flucht – sein Plan zur Jahrtausendwende, den das teuflische Genie ausgetüftelt hat, dessen Bekanntschaft wir erstmals in Band 2209: „Wir und der High-Tech-Killer“ machen durften, ist fehlgeschlagen. Er flüchtet nach Los Angeles – doch Jerry Cotton und Phil Decker folgen ihm auf dem Fuß. Bei ihren Ermittlungen werden sie unterstützt von Will Cotton und seiner Partnerin Donna Sullivan…
… und wenn Will und Donna ihre witzigen Wortgefechte abhalten, sind herrliche Schenkelklopfer vorprogrammiert bzw. garantiert. In besagtem drittem Teil gibt es nämlich eine Szene, auf die ich gelegentlich gerne anspiele, die man so schnell nicht vergisst. Wills Reaktion in besagter Szene zum Schluss des Romans hin ist köstlich – man muss sie einfach gelesen haben, wenn man die heutigen, so manches Mal regelrecht bieder anmutenden Heftromangesetze, die in der „Jerry Cotton“-Serie zu herrschen scheinen, bedenkt.
Alles in allem hat Top-Autor Michael J. Parrish in allen drei Romanen der Millennium-Trilogie die Spannung übergangslos gehalten bzw. nahtlos fortgesetzt und kontinuierlich gesteigert. Fast schon vergleichbar mit einer Autofahrt in Cottons neuem Jaguar-Gefährt bei vollem Tempo und mit kaputten Bremsen …
Fazit: Ein Dreiteiler, den man auf keinen Fall verpassen sollte (wer ihn verpasst hat: notfalls einfach und bequem über Romantruhe.de nachbestellen) und nicht so schnell vergisst – ein absolutes Highlight der Cotton-Serie und einer der wohl besten Mehrteiler der Cotton-Serie überhaupt!
Jerry Cotton Band 2221: „Wir im Schlund der Hölle“ erscheint am 21. August 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 27. August 2007
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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