
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 44: Blutrausch
„Traumziel – Todesziel“ – Jerry Cotton und der homosexuelle Serienkiller
Ein Roman, den zu erwähnen mir bereits seit einigen Wochen am Herzen liegt – leider hat sich das immer wieder verschoben, vorrangig dadurch, dass andere Events zu der Zeit wichtiger waren – z. B. der Jubiläumsband 2600, die Neuauflage der Romane um die Mr. High-Romane (Band 2206-2208) oder die Nachdrucke der Jon Bent-Romane. Das hole ich nun aber mit dieser Kolumne endgültig nach. Die Neuauflage des Romans ist in einem der Dreifach-Bände im April 2007 erschienen.
Das 441. Taschenbuch, „Traumziel – Todesziel“ handelt von einem Serienmörder – doch der Roman schneidet ein in der Cotton-Serie bislang relativ unbeachtetes Thema an: Homosexuelle Serienmörder. Zwar gab und gibt es immer mal wieder Romane mit Serientätern, die sich vom typischen Schema – was ja nicht immer schlecht sein muss, aber trotzdem kein allzu realistisches Bild von der Ermittlung in Serienmordfällen bietet – vieler Cotton-Romane mit diesem Tätertypen abheben, aber die breite Masse besteht immer noch aus männlichen, heterosexuellen Serienkillern, die entweder gleich Prostituierte umbringen oder sich noch mit einem bestimmten Haarfarbentyp Frau begnügen.
Wie gesagt – Band 441 betritt hier ein anderes Gebiet, denn dieser Serienmörder ist anders. Weder ist er heterosexuell noch bringt er Frauen um – sein Ziel sind Männer. Mit der Tatsache, dass bekannt ist, dass der Mörder homosexuell ist, ist natürlich auch klar, dass zumindest ein Whodunit-Effekt in diese Richtung wegfällt – was allerdings auch überhaupt ganz und gar nicht nötig ist, denn dafür gibt es noch einen anderen Überraschungseffekt bei der Täterauflösung (auch, wenn aus Spoiler-Gründen nicht näher darauf eingegangen werden kann).
Viel spannender als profane Überraschungseffekte ist in diesem Fall aber das Motiv des Täters. Denn nicht nur, dass in dem Roman zur Ergreifung des Täters sogar beim FBI-Hauptquartier in Washington, D. C., eine Sondereinheit gebildet worden war, die alle Erkenntnisse in Zusammenhang mit den mutmaßlichen Morden des Serienkillers erfasste; auch in Bezug auf die Täter-Motivation hat man in diesem Buch wirklich alle Register gezogen – nicht nur, dass der Grund für seine Morde grundsätzlich betrachtet wird, auch der Auslöser für seinen ersten Mord findet genaue Beachtung. Großes Lob für so realistische FBI-Arbeit!
Das TB ist übrigens das letzte, das von Hans-Ullrich Steffan als Lektor bearbeitet wurde – mit Nr. 442: „Der Ledernacken-Cop“ wurde der Mann Lektor, der die Taschenbuch-Serie bis heute betreut: Peter Thannisch, der ja auch viele Jahre für die Hefte zuständig war.
Der Roman selbst stammt von einem alten Hasen aus der Cotton-Serie – nein, gemeint ist nicht der Cotton-Erfinder sondern der Mann, der seit Ende der 1960er-Jahre im Team vertreten ist, die meisten Cotton-Romane zur Serie beitrug und der, trotz so vielen Jahren Mitarbeit, noch immer zu den Top-Autoren der Krimiserie gehört: Horst Friedrichs. Man merkt ihm irgendwo an, dass er weiß, was und wovon er schreibt – Mangel an realistischer FBI-Arbeit oder Spannung kann man ihm da wahrlich nicht vorwerfen.
Jerry Cotton Taschenbuch 441: „Traumziel – Todesziel“ ist als Nachdruck in dem Jerry-Cotton-Taschenbuch Dreifachband des Monats April zum Preis von 6 EUR enthalten (außerdem in dem Sonderband: „Das letzte Gefecht“ und „Der Kopfgeldjäger“)
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 2. Juli 2007
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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