
Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 42: Undercover im ehemaligen Ostblock
Nr. 2211: „Ich – der Premierminister“ – Ein heikler Job für Jerry Cotton
In letzter Zeit gewinnt man leider immer wieder den Eindruck, die Undercover-Einsätze von Jerry Cotton und Co. würden sich nur im Raum New York abspielen und das auch meist z. B. in Gestalt eines Waffenhändlers.
Einen eher außergewöhnlichen Undercover-Einsatz für Jerry gibt es dafür in Band 2211: „Ich – der Premierminister“, in dem er den Staatschef eines ehemaligen Ostblock-Landes, Ruritanien, spielt.
Unverhofft kommt oft: Eigentlich kam der smarte G-man aus New York eigentlich nur, um gemeinsam mit Busenfreund und Dienstpartner Phil den Behörden in Ruritanien ein bisschen was über die Rolle der Polizei im demokratischen Rechtssystem zu erklären, doch das Ganze entwickelte sich zu einem regelrechten Höllentrip. Denn der Premierminister des kleinen Landes ist entführt worden und – wie es der Zufall so will – ausgerechnet Jerry hat äußerlich starke Ähnlichkeiten mit dem Entführten. Wenn das Staatsoberhaupt nicht in zwei Tagen, am Nationalfeiertag, die Militärparade abnahm und damit seinen Offizieren die Ehre erwies, drohte ein Putsch, denn die verbohrten Altkommunisten hatten die Stimmung mächtig aufgeheizt. Um einen Krawall in der Bevölkerung zu vermeiden, schlüpft Jerry in die Rolle des Staatsoberhauptes – doch dabei ahnt er nicht, was hinter seinem Rücken gespielt wird, denn trotz aller Vorbereitungen kommt es bei der Parade zu einer Katastrophe …
„Ich – der Premierminister“ bietet eine actiongeladene, spannende Story, die sich von klassischeren Krimi-Thematiken in der Cotton-Serie abhebt – was wohl auch daran liegt, dass die gesamte Handlung nicht in New York, sondern Ruritanien spielt. Hier bekommen es Cotton und Co. nicht mit den typischen Serienmördern, Mafia-Bossen usw. zu tun – stattdessen liegt der Schwerpunkt eher darauf, den drohenden Krawall zu verhindern.
Die Geschichte ist spannend – trotzdem: Ich würde den Roman jemandem, der noch kein Heft aus der Serie gelesen hat, nicht unbedingt zum Einstieg empfehlen, eben weil es sich dabei um keine für „Jerry Cotton“ typische Krimi-Handlung dreht und der Roman von solch unglaublichen Zufällen profitiert wie z. B., dass nun ausgerechnet Jerry dem Premierminister so zum Verwechseln ähnlich sieht (es ist phantastisch zu sehen, wie viele Leute so aussehen wie Jerry. Zuletzt war’s, wenn ich mich richtig erinnere, in der 2. Auflage ein Serienmörder in Band 2099: „Ich, der Serienkiller“). Andererseits könnten Liebhaber von eher exotischeren Schauplätzen durchaus ihre Freude daran haben.
Fraglich ist, ob man mit dem Namen Ruritanien wohl auf das fiktive Königreich in Mitteleuropa anspielen wollte (mehr siehe im dazugehörigen Wikipedia-Eintrag http://de.wikipedia.org/wiki/Ruritanien)? Soweit ich weiß, existiert kein ehemaliger Ostblockstaat mit diesem Namen …
Geschrieben wurde dieser Roman übrigens mal wieder vom Autor der zwei vorherigen Romane, Michael J. Parrish, der damit zeigt, dass man auch innerhalb einer Krimiserie durchaus vielseitig sein kann und nicht immer alles nach dem typischen eingefahrenen Schema schreiben muss. Trotzdem sind die Jon-Bent-Romane (noch bis heute als Neuauflage erhältlich: Band 2210: „Fluchtpunkt L.A.“) natürlich unschlagbar.
Tja – das war noch einer der guten bis sehr guten Romane. Mit dem Roman, der nächste Woche wieder als Neuauflage veröffentlicht wird, erschienen allerdings mehrere Romane, die mir persönlich gar nicht so richtig schmecken wollen – Fans moderner Krimiserien wie „CSI“ dürfte sich wohl bei einigen Passagen aus Band 2212: „Das Geheimnis der Schwarzen Schlange“, der Magen umdrehen. Dazu aber mehr nächste Woche.
Jerry Cotton Band 2211: „Ich – der Premierminister“ erscheint am 12. Juni 2007 als 2. Auflage zum Preis von 1,50 EUR
Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 18. Juni 2007
Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach
© Martin Palm
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