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Jerry Cotton

Jerry Cotton

Der G-man, der die Welt bewegte

# 35: Interview mit Christian Schwarz
Das Geisterspiegel-Interview mit dem Autor von Jubiläums-Band 2600

Wenn man nach nur relativ wenigen Bänden für eine Serie bereits den Erfolg verzeichnen kann, nicht nur einen kleinen sondern auch einen großen Jubiläumsband schreiben zu dürfen, verfügt man zweifelsohne über ein Talent der besonderen Art – vor allen Dingen, wenn man damit außerdem auch noch Stammleser und Fans begeistern kann. Die Rede ist von Christian Schwarz, der den vor zwei Wochen erschienen Jerry Cotton Jubiläumsband 2600: „Das Phantom“ und das kleinere Jubiläum zuvor, Band 2550: „Zwölf Stunden Angst“, schreiben durfte. Ich habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und Christian anlässlich des 2600. Cotton-Romans ein paar Fragen zu seiner Arbeit für „Jerry Cotton“ gestellt – in dieser Kolumne: das Exklusiv-Interview (natürlich erscheinen die regulären Interviews weiterhin, wie gehabt, im Bereich „Interviews – Geisterspiegel.de im Gespräch mit…“; hierbei handelt es sich um eine Ausnahme, da sich dieses Interview 1. – von ein paar allgemeinen Fragen abgesehen – ausschließlich um „Jerry Cotton“ dreht und es 2. exklusiv den Lesern der Cotton-Kolumne vorbehalten sein soll).

Zu seinem neuesten Coup, Band 2600, brauche ich an dieser Stelle wohl kein Wort mehr zu verlieren – eine detaillierte Besprechung zu dem Roman fand in den letzten Kolumnen statt. Ausführlich behandelt wird Christian Schwarz’ bisherige schriftstellerische Karriere noch einmal in einer anderen Cotton-Kolumne, die voraussichtlich dann erscheinen wird, wenn eine, im Interview mit Cotton-Redakteur Florian Marzin bereits angesprochene, neue Cotton-Trilogie veröffentlicht wird (s. u.) – der genaue Zeitpunkt steht bislang aber noch nicht fest. Hier das Interview:

: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Christian Schwarz: Es muss so um 1984 herum gewesen sein. Ich studierte Publizistik in Mainz und las für mein Leben gerne Heftromane. Als etwa Zwölfjähriger hatte ich mit Western angefangen (ich besitze noch heute die komplette Ronco-Serie in Erstauflage), später war ich auf Gruselromane umgestiegen. Ich las seinerzeit fast alles, was es auf diesem Sektor gab und sagte mir in einem Anfall von Rinderwahn: „Mensch, das ist nicht schwierig, das kann ich doch auch.“ So setzte ich mich kurz entschlossen an die uralte Olympia-Schreibmaschine meines Opas, die man eigentlich nur mit dem Vorschlaghammer bedienen konnte und verfasste meine erste „Horror-Story“ um einen kopflosen Ritter. Ich war so was von überzeugt von meinem ersten Werk, dass ich es frohen Mutes an Jason Dark schickte. Leider hörte ich niemals wieder etwas von diesem „Roman“. Doch, halt, das ist nicht ganz richtig. Zwei Jahre später erschien eine John-Sinclair-Story, die im Prinzip meinen Plot zum Inhalt hatte. Auf jeden Fall war mein Erstling so schlecht, dass das Lesen im Nachhinein wirkliches Grauen und Gänsehaut pur auslöste. Ich gab aber nicht auf und verfasste gut ein Dutzend Romane, die sowohl von Bastei als auch vom damals noch existierenden Zauberkreis-Verlag alle umgehend wieder zurückkamen. Dann hatte ich das Glück, dass einer Zauberkreis-Ablehnung die Besprechung des Außenlektors beilag. Zum ersten Mal sagte mir jemand (wenn auch wahrscheinlich durch einen kleinen Irrtum bedingt), was ich falsch machte! Ich hielt mich dran und siehe da: Kurze Zeit später verkaufte ich meinen ersten Roman. Er hieß „Ein Gehenkter kehrt zurück“. Und wenn ich den heute so lese, kommt mir schon wieder das Grauen. Egal. Ab da klappte es mit dem Verkaufen, wenn auch noch größere Löcher und ein paar erneute Ablehnungen dazwischen waren. Schon bald wurde ich Stammautor im MITTERNACHTSROMAN bei Bastei. Eine tolle Zeit. Vor allem die Recherche ohne Internet war zum Teil abenteuerlich. Nach einer langen Schreibpause, weil ich durch meine Redakteursarbeit keinen Bock mehr drauf hatte, bin ich nun wieder dabei. Ich wundere mich noch heute, wie schnell ich da wieder drin war. Mit dem „Schattenreich“ gab es allerdings zu der Zeit eine ideale Einsteigerplattform. Von da durfte ich zu Sternenfaust und dann ging’s weiter in die anderen Serien.

: Was machst du privat, was für Hobbies hast du?

Christian Schwarz: Privat bin ich verheiratet und füttere eine zwölfjährige Tochter und einen gefräßigen Parson-Jack-Russell-Terrier durch. Mein Hund ist ein sensationeller Fußballspieler, ich trainiere jeden Tag mit ihr auf dem kleinen Dorfsportplatz direkt neben dem Haus. Sie heißt Lieselotte und ist inzwischen absolut zirkusreif. Zudem trainiere ich mit großer Leidenschaft eine C-Mädchen-Mannschaft. In der Zwischenzeit gewinnen wir sogar hin und wieder. Insgesamt bin ich großer Fußball-Fan (speziell VfB Stuttgart, übrigens der kommende Meister und Pokalsieger), lese viel, alles Mögliche und schaue mir wahnsinnig gerne Krimiserien an. Vor allem „Criminal Minds“ fasziniert mich über alle Maßen. Ich bin zudem Zeitungsredakteur und schreibe leidenschaftlich gerne. Übrigens all die Sachen, für die es vor der Schreibpause noch nicht gereicht hat. Da war ich in vieler Hinsicht einfach noch nicht reif dafür.

: Woher nimmst du die Ideen für deine Romane?

Christian Schwarz: Siehe oben: die Krimiserien. Da lasse ich mich inspirieren. Aber das Grundgerüst einer Geschichte ist harte Arbeit. Ich habe irgendeine Idee. Dann gehe ich spazieren oder mit meinem Hund trainieren und fange an, irgendwelche völlig wirren Fäden um die Grundidee zu spinnen. Aus diesem Gespinst hole ich mir dann das Interessante heraus. So setze ich die Geschichte Stück für Stück zusammen. Und wenn sie erst mal richtig am Laufen ist, kommen die Ideen Schlag auf Schlag. Ich sammle übrigens auch alle möglichen interessanten Zeitungsartikel oder surfe einfach mal auf der Datenautobahn. In der Zwischenzeit bin ich so geübt, dass ich’s schaffe, aus kleinsten Anregungen eine Geschichte zu basteln.

: Wie kamst du zur Jerry-Cotton-Serie?

Christian Schwarz: Über Zamorra. Mein uralter Bekannter Werner Giesa (noch aus den Con-Zeiten der 90er Jahre) hatte mir 2004 angeboten, doch mal einen „Zammy“ zu schreiben, weil damals noch die Blütezeit der Co-Autoren war. Ich nahm mit Freuden an. Der Roman gefiel dem damaligen Redakteur der Serie, Peter Thannisch, so gut, dass er mich anrief und fragte, ob ich denn nicht mal einen Cotton schreiben wolle. Zur damaligen Zeit hatten die Hauptautoren wohl alle samt und sonders Republikflucht begangen und man suchte Hände ringend neue gute Cotton-Autoren. Ich kannte die Serie allerdings nur sporadisch und lieferte mit meinen ersten Probeseiten einen riesigen Mist ab, vor allem, was das Verhältnis unserer beiden Helden anging. Aber ich lernte dazu. Im dritten Anlauf entstand dann mein JC-Erstling „Eiskalt in Manhattan“, in dem ich mich erst mal warm schreiben musste. Denn einen Jerry zu schreiben, ist echte Schwerarbeit.

: Wie erklärst du dir den Erfolg, nach deinem Einstieg mit Band 2532 („Eiskalt in Manhattan“) für „Jerry Cotton“ bereits eine Jubiläumsnummer geschrieben zu haben?

Christian Schwarz: Ganz einfach: Ich legte das Expo mit der Staten-Island-Fähren-Entführung vor und Dr. Marzin fand, dass das der ideale Stoff für den 2550er wäre. Ich übrigens auch, ha! Man kann also sagen, dass ich zur rechten Zeit am rechten Ort war. Oder so ähnlich eben. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass ich den Stoff aber dann auch recht ordentlich umgesetzt habe (wie ich euren Kritiken entnehmen durfte). Da lief das JC-Schreiben bereits besser und der Stoff lag mir überaus gut. Ich habe es allerdings bis heute nicht geschafft, eine genaue Innensicht einer Staten-Island-Fähre zu bekommen, da gibt das Internet einfach nix her. Vielleicht kann mir da ja jemand von euch weiterhelfen? Ich musste also in manchen Dingen einfach fantasieren. Was mir aber nicht schwer fiel, da ja jeder ungefähr weiß, wie Autofähren innen aussehen. Auch wenn da seit dem 11. September gar keine Autos mehr drauf dürfen.

: Wirst du, angesichts der Tatsache, dass Band 2600 von dir stammt, neben deiner Arbeit für die Jerry Cotton-Heftserie auch Jerry Cotton-Taschenbücher schreiben?

Christian Schwarz: Bisher hatte ich noch keine Ambitionen. Peter Thannisch sagte mir seinerzeit, dass die Taschenbücher für die nächsten zwei Jahre voll seien. Seither habe ich keinen Ehrgeiz in diese Richtung mehr entwickelt. Mal sehen. Reizen würde es mich schon. Aber Gemach. Auch die Heftserie hat ihren ungeheuren Reiz.

: Wirst du in Zukunft deine Arbeit für die Jerry-Cotton-Serie intensiveren? Werden künftig häufiger Cotton-Romane von dir erscheinen?

Christian Schwarz: Kann ich nicht sagen. Momentan arbeite ich an so vielen Projekten mit, dass mir einfach die Zeit für mehr fehlt. Aber ich habe einige gute Ideen, die ich unbedingt umsetzen will.

: Was erwartet den Leser nach Band 2600 von dir? Wird der Handlungsstrang um das „Phantom“ aus Band 2600 weitergesponnen? Wie Cotton-Redakteur Marzin hat verlauten lassen, ist zurzeit ein Dreiteiler in Arbeit…

Christian Schwarz: Das Phantom, übrigens eine Erfindung von Dr. Marzin, taucht sicher noch das eine oder andere Mal auf, denke ich. Ein paar Ideen hätte ich da schon. Der weitaus wichtigere Part ist allerdings die ENA (ebenfalls eine Erfindung Dr. Marzins). Diese neue Superorganisation wird unseren Helden eine ganze Weile lang Kopfzerbrechen bereiten. Im Dreiteiler, den ich momentan schreibe, wird dieses Thema vertieft.

: Wie sehen deine weiteren schriftstellerischen Pläne für die Zukunft aus? Bei welchen Serien und Reihen wirst du verstärkt mitschreiben?

Christian Schwarz: Verstärkt eben nicht. Ich schreibe momentan für Jerry Cotton, Professor Zamorra (Heftromane und Zaubermond-Hardcover) sowie für zwei weitere Serien, über die ich jetzt aber noch nichts verraten will. Langsam will jeder was von mir! Seufz. Ich kann nämlich nicht nein sagen. Und Zeitungsredakteur bin ich ja schließlich auch noch.

: Vielen Dank für das Interview!

Christian Schwarz: Oh, bitte, gern geschehen. Hat riesigen Spaß gemacht. Wie ihr sicher gemerkt habt, rede ich ziemlich gerne über mich. Ich denke, dass die Welt ohne mich doch sehr viel ärmer wäre (Vorsicht, Scherz!!!!).

Abschließend noch ein Hinweis in eigener Sache: Am vergangenen Wochenende ist ein neuer Krimi & Thriller-Artikel im Bereich „Spannungswelten“ erschienen, der von den Bänden 2206-2208 handelt. Diese Romane werden in den kommenden Kolumnen noch ein wenig ausführlicher behandelt – leider hat es nicht mehr geklappt, dass zeitgleich mit dem morgen (8. Mai 2007) erscheinenden Band 2206: „Wo die Schatten lauern…“ heute auch eine entsprechende Kolumne erscheint.

Die nächste Jerry Cotton Kolumne erscheint am Montag, 14. Mai 2007

© Martin Palm

 

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