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Gunters Dunkle Welten

Rückblick auf Chris Schwarz und Jaqueline Berger

Teil 7: Wie böse darf ein Charakter sein? Und was bedeutet eigentlich böse ?

Achtung: Dieser Teil enthält Angaben zu wichtigen Inhalten verschiedener Bände von Christoph Schwarz und Jaqueline Berger. Wer diese Romane noch nicht kennt und sich die Spannung erhalten will, sollte nicht weiterlesen!

 Die Frage, wie böse ein Charakter sein darf, beschäftigt mich seit etlichen Bänden.
Schaut man sich die meisten Heftromane auf dem Markt an, ist diese Frage schnell geklärt. Auf der einen Seite haben wir den Helden. Er verkörpert das Gute, ist in seiner Art nahezu unantastbar und verliert selten bis niemals die Kontrolle. Er tritt mutig dem Bösen in jedweder Gestalt entgegen, obsiegt am Ende und ist nicht nur die ideale Identifikationsfigur für Leser, sondern auch der Traum-Schwiegersohn einer jeden Mutter, die eine Tochter zu Hause sitzen hat.
Das Böse ist in diesen Romanen ebenfalls deutlich als solches auszumachen. Es gibt die Vampire, Werwölfe und sonstige Monstren, und sie alle sind böse, töten Menschen und müssen vernichtet werden.
Doch bekanntlich ist das Leben nicht schwarz und weiß. Anders als in diesen Werken gibt es Graustufen. Je dunkler das Grau, umso böser das Wesen.
Als Beispiel möchte ich zunächst Band Neun der Chris-Schwarz-Serie nehmen. Nixen tauchen in Magdeburg auf und töten Menschen. Sie erscheinen aus den Fluten des Flusses und reißen Unschuldige ins Verderben. Conny ermittelt und stellt fest, dass die Nixen in der Tat die Täter sind. Es gibt keinen Zweifel; sie haben die Opfer ermordet.
Aber warum?
Im weiteren Verlauf erfährt der Leser, dass die Nixen verzweifelt sind, da eine von ihnen entführt wurde – und zwar von Menschen. Nun wird die Nixe gefoltert, damit sie das Versteck eines Schatzes preisgibt, den die Wassergeister besitzen. Diese wussten sich nicht anders zu helfen, als so lange Menschen zu töten, bis ihre Schwester frei ist. Jedoch erkennen sie, dass dies nichts hilft, da die Bindung der Menschen untereinander nicht so stark ist, und sie bitten Conny um Hilfe. Sie befreit den Wassergeist, die menschlichen Täter werden bestraft – die Nixen hingegen nicht. Allein schon, weil der Ermittlerin nicht einfällt, wie man Nixen bestrafen sollte. Doch auch die Schuldfrage ist hier ganz und gar nicht klar.
Sind die Nixen nun böse, oder sind sie Opfer? Nun, sie sind beides. Der Roman ist kein Aufruf zur Selbstjustiz, wohl aber ein Beispiel dafür, dass ein Charakter sowohl Opfer wie auch Täter sein kann; genau wie im richtigen Leben.
Nicht anders verhält es sich in Band Acht mit dem Werwolf. Er ist böse, denn er fällt Menschen an. Aber weder war es sein Wunsch, zum Werwolf zu werden, noch hat er eine andere Möglichkeit. Er tut, was eben seiner Natur entspricht. Er ist Opfer und Täter. Wie soll mit ihm verfahren werden? Ihn bestrafen wegen der Morde, die er als Mensch nie begangen hätte, als Werwolf aber begehen musste ? Ihn einsperren, um die Welt vor ihm zu schützen?
Eine Antwort findet Chris nicht, und letztlich wird ihm die Entscheidung auch abgenommen, da der Werwolf zu Tode kommt. Doch beide Romane befassen sich intensiv mit der Frage nach Gut und Böse , Opfer und Täter . Ein Thema, das mehrere Romane beider Serien zum Gegenstand haben.
Deutlich intensiver beschäftigt sich die Jaqueline-Berger-Serie mit dem Thema des bösen Charakters . Jaqueline beginnt ihre Karriere als Schatzjägerin, ehe sie zur Geisterjägerin wird. Aber schon früh trifft sie auf eine Blutsaugerin, in die sie sich verliebt. Sie weiß , dass die Vampirin Menschen tötet, um zu überleben. Dennoch akzeptiert sie dies. Mehr noch – sie lässt sich den Keim der Vampire einimpfen, mutiert im weiteren Verlauf selbst zu einer Blutsaugerin und ist ab Band 14 eine vollwertige Vampirin. Ab diesem Zeitpunkt tötet sie selbst, um existieren zu können; jagt aber weiterhin Kreaturen der Hölle.
Darf ein Charakter derart böse sein? Darf eine Heldin Menschen töten, um zu existieren? Schaut man sich die beliebten Underworld -Filme ein, müsste die Antwort nein lauten. Denn dort trinken die Vampire künstliches Blut, um nicht töten zu müssen.
Anne Rice hingegen ließ ihren Charakteren das Böse, das Diabolische und schuf auf diese Art eine Serie von Weltruf.
Ich selbst entschied für mich schon früh, dass ein Charakter nicht glatt und sauber sein muss, sondern durchaus seine Fehler haben kann. Menschlich eben. Mal verbittert, verärgert, frustriert oder ängstlich. Er darf auch Teile des Dunklen in sich tragen, das er eigentlich bekämpfen will. So, wie wir alle unsere dunkle Seite haben.
Die Reaktionen der Leser sind übrigens sehr gemischt. Manche wünschen sich einen Helden oder eine Heldin, die wie aus dem Ei gepellt wirkt. Ihnen ist zu viel Gefühl, zu viel Persönliches im Spiel und sie wenden sich ab. Andere begrüßen ausdrücklich den Weg, den ich eingeschlagen habe.
Ich respektiere beide Seiten. Wer sich mit meinem Helden nicht anfreunden kann, sollte zu anderen Serien oder Romanen greifen. Wie es Laurell K. Hamilton schon schrieb: Das Leben ist zu kurz, um es mit Büchern zu verbringen, die man nicht mag. Da es jedoch zahlreiche Leser gibt, die meine Protagonisten auf dem von mir eingeschlagenen Weg begleiten, werde ich ihn weitergehen.
Zum Schluss noch eines zur Erklärung: Jaqueline traf auf die Vampirin und verliebte sich in sie, lange ehe eine Blutsaugerin zur Begleiterin im Sinclair-Team wurde.

 

Damit möchte ich meine kleine Sequenz der Rückblicke vorerst beenden. Sie haben nun einen kleinen Einblick in die Hintergründe der beiden Serien erhalten, aber auch in die Sichtweise des Autors. Sicherlich wird sich die Gelegenheit ergeben, zur gegebenen Zeit den Rückblick fortzusetzen. Spätestens dann, wenn aus der Zukunft Vergangenheit wurde, und aus morgen gestern, aus heute vorgestern. Vielen Dank für Ihr Interesse und auch für Ihr Interesse an meinen Serien.

 

In diesem Sinne

Ihr

 G. Arentzen

 

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