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Gunters Dunkle Welten

Rückblick auf Chris Schwarz und Jaqueline Berger

Teil 6: Werwölfe, Nixen, rote Fäden und die Zukunft der Serie.

 

Achtung: Dieser Teil enthält Angaben zu wichtigen Inhalten verschiedener Bände ab Nummer 8. Wer diese Romane noch nicht kennt und sich die Spannung erhalten will, sollte nicht weiterlesen!

Gruselromane sind meist nach einem einheitlichen Schema aufgebaut. Hier ist das Gute, da das Böse und am Ende muss das Böse sterben. Diese einfache Regel gilt, seit Larry Brent seine Ermittlungen aufnahm oder seit John Sinclair dem Zombie im Keller seiner Mietwohnung gegenüber stand.
Mir widerstrebt diese Schwarz-Weiß-Geschichte seit langem und in zunehmendem Maße. Darum versuchte ich insbesondere mit Band 8 und Band 9, neue Perspektiven in die Serie um Chris Schwarz einzubringen. Ein Werwolf ist eine Kreatur, die Menschen tötet oder zumindest schwer verletzen kann. Aber warum tut sie dies? Und warum wird ein Mensch überhaupt zum Werwolf? Gewiss, weil er von einem solchen Wesen gebissen wurde und den Angriff überlebt hat. Sehr populär ist dies etwa in den Romanen von Laurell K. Hamilton, und auch in Harry Potter ist diese Version zu finden.
Darum überlegte ich mir für Band 8 – Der Werwolf von Epprath – eine andere Variante und brachte den Menschen als Quelle des Übels hinein. Genforschung und unethische Experimente waren es, die den Werwolf schufen. Und dieser tat, was ihm seine Natur eben vorgab. Die Frage, die dabei aufkam, war jene, ob der Werwolf an sich böse ist. Und wenn nein, ob man ihn dann schlicht auslöschen darf. Wenn man dies jedoch nicht tun sollte – wie kann man ihn dann aus dem Verkehr ziehen?
Die gleiche Frage stellte sich bei Band 9, nur dass es hier um Nixen ging. Conny Blank wird mit den Wassergeistern konfrontiert und muss erfahren, dass sie sehr wohl todbringend sind, wie der Titel aussagt. Aber auch hier hatten Menschen ihre Hände im Spiel und wieder war die Frage, wie und ob man übernatürliche Geschöpfe bestrafen oder stoppen kann, wenn sie nicht ausgelöscht werden sollen. Denn Schuld ist ein sehr weitreichender Begriff; auch in unserem Strafgesetz. Die Todesstrafe gibt es in Deutschland nicht, und Mord ist nicht gleich Mord. Diese Dinge müssen in meinen Augen auch in einer Geschichte Berücksichtigung finden, die in Deutschland spielt. Gewiss brachte mir diese Sichtweise auch Kritik ein. Es gibt eben Leser, die in einem Gruselroman das Schwarz-Weiß-Bild erwarten. Dies ist auch nicht negativ, denn es kommt eben auf die persönlichen Vorlieben an. So, wie es manche Leser nicht schätzen, wenn ein Unterhaltungsroman Tiefgang, Zwischenmenschliches und gesellschaftliche Probleme enthält. Da aber Chris Schwarz darauf angelegt ist, sich von anderen Serien zu unterscheiden, unterstützte mich mein Verleger und so blieb es auch künftig dabei, dass die Romane eben jene differenzierte Sicht bieten, die sie mit Band 8 und Band 9 erhielten.
Die Lösungen waren bei diesem inoffiziellen Zweiteiler durchaus unterschiedlich und beide hallen noch nach. Dies war auch gewollt, denn eines wollen die Leser ganz klar – rote Fäden. Bisher hatte es sich um Einzelromane gehandelt, doch nun begann ich zunehmend, Handlungsstränge über mehrere Romane zu entwickeln. Mit Band 11 kehrte die Kelten-Mystik zurück, mit Band 12 trat erstmals ein Dämon auf den Plan, der das Team um Chris Schwarz künftig öfter in Atem halten wird, und die Nixen aus Band 12 bleiben der Serie ebenfalls erhalten. Mit Band 19 kam ein weiterer Handlungsstrang hinzu, der im Jahr 2007 mit einem inoffiziellen Dreiteiler neue Aspekte in die Welt von Chris Schwarz bringen wird.
Doch auch das Team erfuhr inzwischen einen weiteren Zuwachs – Raphael Kramer kam als Pressesprecher hinzu. Diese Figur wurde in Band 10 eingeführt, spielte in Band 12 eine wichtige Rolle und ist mittlerweile Mitglied der Truppe. Auch wenn Raphael Kramer auf Anregung eines Lesers homosexuell ist, so hat er doch keine tuntigen Anflüge. Die humorige Figur des stereotypen Schwulen wollte ich bewusst vermeiden; auch, um Vorurteilen entgegenzuwirken. Hier sei noch einmal jenem Leser gedankt, der mich nicht nur auf die Idee brachte, sondern mir auch bei der Entwicklung des Charakters half.
Kommen wir zum Abschluss des Rückblicks zu den Zukunftsaussichten. Diese sind heiter bis wolkig, in den Niederungen ist jedoch ... Nein, das war der Wetterbericht von heute. Die Aussicht der Serie ist heiter, denn sie entwickelt sich gut und es bereitet mir viel Freude, sie zu schreiben. Klar ist, dass sie sich auch weiterhin von typischen Vertretern des Grusel-Genres abheben wird. Auch wenn es mir hin und wieder gefällt, einen klassischen Horror-Roman einfließen zu lassen. Doch die Geschichten sollen stets zum Ausdruck bringen, dass Menschen manchmal den größten Horror produzieren können. Schwarz-Weiß-Malerei gibt es nicht, der Tiefgang bleibt, und was das Zwischenmenschliche anbelangt – nun, dafür ist auf alle Fälle gesorgt.

Wer die Serie noch nicht kennt und nun Lust bekommen hat, in sie hinein zu schnuppern: Es gibt seit einigen Monaten einen Sammelband, der die ersten drei Chris-Schwarz-Romane enthält. Er ist über die Romantruhe oder im Buchhandel mit der ISBN 978-3937435749 zum Preis von 12,95 Euro zu haben.

Im nächsten Rückblick: Wie böse darf ein Protagonist sein, was ist überhaupt böse und wo liegen die Grenzen?

 

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