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Gunters Dunkle Welten

Rückblick auf Chris Schwarz und Jaqueline Berger

Teil 5: Ein Neuanfang mit Band 7, ein geschickter Schachzug und Glück nach all der Tragik.

Achtung: Dieser Teil enthält Angaben zu wichtigen Inhalten der Bände 5, 6 und 7. Wer diese Romane noch nicht kennt und sich die Spannung erhalten will, sollte nicht weiterlesen!

Nadine Weyer war tot, Chris ging ins Kloster und Conny schaute vorübergehend nach der Detektei. Sie erledigte die Post, beantwortete Anfragen von Presse und Neugierigen und lernte jemanden kennen, den bis dahin nur wenige Menschen kennen gelernt hatten – Belinda, Chris' hilfreicher Geist.
Schon zum Ende von Band 6 hin hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, wie lange Chris' Auszeit dauern sollte. Dabei war mir eine Idee gekommen, die sich später als sehr positiv erweisen sollte.
Als Band 7 im Dezember 2005 erschien, kehrte Chris aus dem Kloster zurück – im Dezember 1996. Ab diesem Zeitpunkt spielen alle Romane in dem Monat in dem sie erscheinen. Schwitzen Chris und seine Freunde unter der Sommer-Sonne, schwitzen auch die Leser. Und bereiten sich die Romanhelden auf Weihnachten vor, duftet es auch bei den Lesern nach Selbstgebackenem, nach Tannenzweigen und Punsch. Etwas, das von den Lesern sehr gut aufgenommen wurde, da es doch den Effekt beim Lesen verstärkt. Denn seien wir ehrlich – nichts ist so störend, wie eine Weihnachtsgeschichte im Sommer.
Band 7 stellte jedoch auch noch auf andere Art einen Neuanfang da. Jene Person, die Chris in der Vergangenheit in Gewissenskonflikte gestürzt hatte, jene Frau, die bei dem Abenteuer um den Schatz der Nibelungen eine großen Rolle spielte, war wieder da – Carmen Aiello. Sie war es, die an dem Fall von Band 7 – dem „Geist vom Kölner Dom“ ermittelte, ehe Chris hinzugezogen wurden. Für beide keine leichte Situation. Chris, der voll Trauer und Schmerz ist. Carmen, die Nadine nicht hatte retten können und von Chris mit der Tatwaffe sowie blutigen Händen überrascht worden war. Ein Roman also, reich an Spannungen und Emotionen.
Ich überlegte mir, wie Chris in dieser Situation reagieren könnte.
Würde er sie verachten?
Würde er sich nach wie vor zu ihr hingezogen fühlen?
Würde es mit dem Standard-Spruch dämlicher Hollywood-Filme enden: „Lass uns Freunde bleiben“?

Ich entschied mich für eine vielleicht extreme, vielleicht sogar unwahrscheinliche Variante – aus ihnen wurde ein Paar.
Chris, der seinen Schmerz dadurch zu tilgen versucht, indem er sich in ein neue Beziehung stürzt und Carmen, die ohnehin an Chris' Seite sein will.
Am Ende des Romans gab es ein Happy-End, welches der Leser vermutlich nicht erwartet hatte und das der Serie fast ein neues Genre hinzufügte – das des Liebesromans. Aber nach all den Wirren, den Dramen und Abenteuern wollte ich nicht nur Chris und seinen Freunden einen friedlichen Jahresausklang gönnen, sondern auch den Lesern.

 

Dazu ein Auszug aus dem Roman:

»Wann packen wir Geschenke aus?«, fragte Conny, als das Lied zu Ende war. Sie schaute rüber zur Couch. Carmen lag dort träge in meinem Arm, bekleidet mit dicken Socken, einem schlabberigen Hausanzug und einem Haarband, das ihre Mähne etwas bändigte. Sie war seit unserer Rückkehr nicht mehr von meiner Seite gewichen. Oder hatte ich sie nicht gehen lassen?
Beides ist möglich.
»Kannst es gar nicht erwarten, wie?«, gab ich zurück. »Also schön, dann legen wir mal los.« Ich stand auf und holte ein kleines Präsent, um es meiner neuen Partnerin zu reichen. Erst befühlte sie es, riss aber dann eilig das Papier auf – und brach in unbändiges Gelächter aus.
Zum Vorschein war ein Micky-Maus-Heft gekommen. Aber nicht irgendeines, sondern jene Ausgabe mit dem Set für kleine Detektive. Stifte für Geheimschrift, ein Tresor für besondere Geheimnisse und ein Spiegel, den man in eine Zeitung kleben konnte, um so zu sehen, was hinter einem geschah.
»Das passt ja«, gluckste sie. Auch Carmen kicherte, wurde aber ernst, als sie mein Geschenk erhielt.
An diesem Abend bekam jeder das, was er sich letztlich gewünscht hatte. Conny ein weiteres, diesmal richtiges Geschenk, Carmen und ich Beweise dafür, dass das Leben und auch die Liebe weitergingen. Wir lebten, so wie es uns Meister Gerhard von Ryle aufgetragen hatte.
Als wir weit nach Mitternacht zu Bett gingen und ich Carmen in meine Arme nahm, etwas angeheitert von zu vielen Rumfrüchten, aufgekratzt von der Bescherung und den vielen Weihnachtsliedern, wurde mir eines klar – bei all den schrecklichen Dingen, die sich im Laufe des Jahres ereignet hatten, schickte sich 1996 zu einem Happy-End an.
Und verdammt – das war auch dringend nötig.

Eine letztere Neuerung, die in diesem Band eingeführt wurde, soll ebenfalls erwähnt werden: Conny Blank, Chris' Ex-Partnerin bei der Polizei, verstärkte ab diesem Roman das Team. Sie, die selbst in einige bizarre Fälle verwickelt war – etwa in jenen um das Richtschwert des Henkers oder in die Sache mit dem Teufelstisch – hatte sich entschlossen, die Polizei zu verlassen. Wenn auch vorerst auf Probe. Doch sie wurde nicht nur ein Teil des Teams. Sie brachte auch Geld ein, was sie zu einer Teilhaberin machte.
Das Team bestand also aus vier Personen – Chris, Carmen, Belinda und Conny. Dies schuf auch neue Möglichkeiten für Solo-Abenteuer von Conny Blank. Etwas, das ich bereits mit Band 9 in Angriff nahm.

Aber davon mehr im sechsten Teil des Rückblicks:
Werwölfe, Nixen, rote Fäden und die Zukunft der Serie.

 

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