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Gunters Dunkle Welten

Rückblick auf Chris Schwarz und Jaqueline Berger

Teil 3: Mythen und Mysterien aus Deutschland – die Idee eines Verlegers und was daraus wurde.

Im letzten Teil befasste ich mich mit dem Tal der Tränen, durch das ich Dank „Höllische Spiele“ als Print-Version schwamm. Doch noch während mich laute Schluchzer schüttelten und das Tränenkrüglein dreimal täglich geleert werden musste, tauchte von unerwarteter Seite ein Silberstreif am Horizont auf, der sich bald zu einer wunderbaren Sonne entwickeln sollte.
Joachim Otto, seines Zeichens Inhaber der allseits bekannten Romantruhe trat mit einer Idee an mich heran, die ihn schon seit einiger Zeit beschäftigte. Nach seinem Erfolg mit der ersten, selbst verlegten Grusel-Serie Geisterschocker wollte er nun eine zweite, monatliche Serie starten. Seine Idee dabei: Die Fälle sollten in Deutschland angesiedelt sein, nicht in England oder in den USA. Vor allem aber sollten den Abenteuern des Helden real existierende Sagen und Begebenheiten zugrunde liegen. Er fragte mich, ob ich Interesse an einer solchen Serie hätte.
Ich hatte .
Aufgrund des Debakels mit Jaqueline Berger kam diese Serie nicht in Frage. Zum einen war Band 1 vergeben, zum anderen hatte der Roman nicht gerade den besten Ruf. Es war also nötig, etwas völlig Neues zu konzipieren.
In den Tagen nach dem Anruf von Joachim Otto saß ich so manche Stunde an meinem Schreibtisch und dachte über eine schmissige Idee nach. Einerseits sollte es natürlich etwas Eigenständiges sein, zum anderen durfte es aber auch nicht zu weit von dem abweichen, was Leser als Standard ansahen.
Verschiedene Möglichkeiten spukten dabei durch meinen Kopf. Zum Beispiel kam mir die Überlegung, einen alten Vampir als Protagonisten zu nehmen. Einer, der seit vielen Jahrhunderten lebt und daher die Geburt all der in Deutschland bekannten Sagen erlebt hat.
Der nächste Einfall betraf einen Zeitreisenden. Die Handlung sollte im Jahr 2200 angesiedelt sein. Im Auftrag einer Universität erforscht dieser Temponaut die Grundlagen der auch in dieser (besseren) Zeit noch bekannten Sagen. Was geschah wirklich, wo wurde von den Menschen Dichtung und Wahrheit gemischt.
Als letzte Idee fiel mir ein, einen Geheimorden zu ersinnen. Dessen Mitglieder hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Wahrheit hinter den Sagen zu finden.
Ich überdachte all diese Möglichkeiten – und löschte sie wieder. Keine schien mir ansprechend genug. Also kehrte ich zurück zu den Basics. Ein ganz normaler Mann, der auf seltsame Art und Weise mit dem Paranormalen konfrontiert wird. Oder besser noch – sein Beruf ist das Paranormale.
Das brachte mich zum nächsten Punkt meiner Überlegung.
Ein Wissenschaftler?
Ein Priester?
Ein Arzt?
Ein Polizist?
Ein Polizist! Oder – besser noch – ein Privatdetektiv, der einst als Polizist tätig war. Aufgrund eines paranormalen Zwischenfalls erkennt er, dass es viel mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als das was man gemeinhin glaubt. Er quittiert den Dienst, macht sich selbstständig und schon geht er auf Monsterhatz.
Klingt gut?
Fand ich auch.
Natürlich kann sich ein solcher Mann nicht alleine auf Geisterjagd machen. Also nahm ich eine Rippe von meinem Helden und formte aus ihr seine Partnerin. Eine Historikerin, die ihm mit seinem Wissen zur Seite stehen konnte. Um die Sache interessanter zu machen, bewohnte mein Held eine Burg in der Pfalz und musste sich neben dem Paranormalen auch mit dem Profanen des Lebens herumschlagen – der Miete, den Nebenkosten und der Klientenwerbung.
Diese Idee packte ich in ein Konzept und schickte es Joachim Otto. Es stieß auf Gegenliebe und schon erhielt ich den Auftrag zu einem Pilotband.
Es dauerte nicht lange, bis die Brocken-Hexen geschrieben war. Als Ort für diesen ersten Roman hatte ich mir einen sehr geschichtsträchtigen Ort ausgesucht. Schon Goethe ließ hier seine Hexen tanzen. Nun also auch ich.
Nachdem der Pilot fertig war, überraschte mich mein Verleger mit einer weiteren Idee. Ein Prequel, in dem geschildert wird, wie und warum aus dem Polizisten ein Detektiv des Übersinnlichen wird. Dies wurde in meinem Pilot nämlich nur angerissen, nichts aber detailliert beschrieben. Erscheinen sollte dieser Roman nicht in der neuen, eigenständigen Serie, sondern als Geister-Schocker Band 28.

Die Idee hatte natürlich ihre Reize. Also setzte ich mich wieder an den Computer und schrieb einen echten Grusel-Schocker. Dabei entschied ich mich für eine kleine Hommage an Jason Darks John Sinclair. In einem seiner Paperbacks und als Sonderbeilage zu Band 1000 erschien Johns erster Fall. In diesem muss der noch unerfahrene Held gegen einen Zombie ankämpfen.

Über viele Jahre hinweg war John Sinclair mein Vorbild und eine meiner liebsten Lektüren. Die Hefte halfen mir durch die Schulzeit und durch die Ausbildung, durch so manche, langweilige Nachtschicht und durch viele verregnete Urlaubstage. Daher entschied ich mich gleichfalls zu einem Zombie-Roman.

Der Zombie von Landau hieß der Band, der im Mai 2005 als Geister-Schocker Band 28 auf den Markt kam.

 Natürlich bedeutete dieser Roman auch, dass ich den eigentlichen Pilot anpassen musste. Schließlich hatten sich nun bereits Dinge ereignet, auf die mein Held eingehen musste. So kam es, dass ich noch einmal etliche Stunden in den eigentlichen fertigen Band 1 investieren musste.
Doch dies war nicht weiter tragisch, denn nun hatten die Romane in einer anderen, bereits bestehenden und gut laufenden Serie einen guten Start erlebt. Die Leser von Romantruhe wussten nun, wer dieser Detektiv war, was ihn zu dem gemacht hatte, was er ab Band 1 sein würde und nicht wenige waren neugierig, wie es mit ihm weitergehen würde. Entsprechend konnte das Projekt bereits einen Monat später starten.

Nach einigen Anpassungen, und einem hübschen Titelbild und erneuter Korrektur durch Testleser war es im Juni 2005 so weit – Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen startete mit seiner eigenen Serie und dem Band 1 – Die Brocken-Hexen.

Natürlich war ich zu dieser Zeit sehr gespannt, wie sich die Serie entwickeln würde. Für die ersten zwölf Bände gab es ein Konzept, die Titelbilder kamen mit der Zeit hinzu.
Und siehe – die Leser nahmen die Serie an. Auch wenn wir das Konzept nach Band 3 ein wenig änderten und ich im weiteren Verlauf begann, mit Tabus zu brechen.

Aber davon mehr in meinem nächsten Artikel: Von leichten Änderungen im Konzept, toten Helden und alternativen Enden...

 

Mit SCHWARZen Grüßen
Ihr G. Arentzen

 

 

 

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