
Gunters Dunkle Welten

Rückblick auf Chris Schwarz und Jaqueline Berger
Teil 2: Eine Plaidte der besonderen Art.
Oder: Warum ich heute weniger Haare auf dem Kopf habe als noch im Herbst 2004
Es begab sich zu der Zeit, da Jaqueline Berger bei VPH-eBooks an Fans gewann und sich die Verkäufe steigerten. Doch mir als Autor reichte es nicht. Ein gedrucktes Buch ist eben ein gedrucktes Buch und Jaqueline hatte es verdient, in solch einer Form zu erscheinen. Zusätzlich, versteht sich.
So begab ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Verleger. Einer, der nicht nur Bücher auf den Markt brachte, sondern auch willens war, sich meiner Serie anzunehmen. Da ich bei den „großen“ Verlagen keine Chancen sah, wandte ich mich dem Kleinverlegermarkt zu. Wieder stand mir Peter Hopf mit Rat und Tat zur Seite. So schickte er mir verschiedene Bücher diverser Kleinverlage, damit ich mir ein Bild von deren Qualität machen konnte. Doch keines war so, wie ich es mir vorgestellt hätte.
Schließlich stieß ich beim Stöbern im Internet auf die Seite eines gewissen Verlages aus Plaidt. Ein Verlag, der auf seiner bunt gestalteten Webseite mehrere Bücher ankündigte; auch aus dem Bereich Horror. Ich beschloss, diesen Verleger anzuschreiben und ihm keck die Serie anzubieten.
Und siehe – das Wunder geschah. Es dauerte nicht lange, bis ich eine positive Antwort erhielt. Ich hüpfte und tanzte durch das Wohnzimmer. Dass sich meine Freudenlaute bald in bitteres Wehklagen wandeln sollten, konnte ich in diesem Moment nicht wissen. Obgleich es mahnende Stimmen aus der Kleinverlagsszene gab. Aber diese überhörte ich geflissentlich. Liebe macht ja so blind…
Der Verleger ließ mich wissen, er sei interessiert. Ich solle ihm mein Manuskript schicken, dann würden wir die Sache in die Gänge bringen. Also schickte ich ihm, was immer er haben wollte.
In der Folge kam ein Verlagsvertrag, das Lektorat wurde übernommen und ich erhielt mehrere Bilder zur Auswahl, damit er das erste Cover gestalten konnte. Erscheinungstermin war Oktober 2004 – passend zum Buchmesse-Con.
Die letzten Tage der Produktion waren stressig. Sehr stressig. Obwohl ich selbst eigentlich in gewisse Abläufe nicht eingebunden war, kamen doch Arbeiten auf uns zu. So fiel es meiner Frau zu, das Cover abschließend zu bearbeiten. Zudem wollten wir eine Webseite pünktlich zum Erscheinen des Romans im Netz stehen haben. Kurz – wir setzten große Hoffnungen in das Projekt und sehnten den Tag des Erscheinens sowie den Con herbei.
Dann begannen die Probleme.
Das Buch sei aus der Druckerei zurück, hieß es. Aber ach – die Kaschierung würde sich lösen. Aber es gäbe ein paar Exemplare, die in Ordnung seien. Diese würde man zum Con schicken.
Mit einem flauen Gefühl in der Magengrube fuhren wir also nach Frankfurt-Dreieich, um dort der Präsentation des Buches beizuwohnen.
Hätten wir doch nur Papiertüten mitgenommen, um sie uns über den Kopf zu stülpen.
Die Bücher waren in grauenvollem Zustand. Die oberste Schicht löste sich, der Text war, um Seiten zu schinden, mittig gedruckt, umgeben von sehr viel freiem Platz. Auf dem Tisch des Verkäufers lagen sie schamhaft versteckt. Wie geschlagene Hunde schlichen wir davon.
Und dies war erst der Anfang. Das Buch erschien nicht termingerecht im ‚Verzeichnis Lieferbarer Bücher’ (VLB). Immer wieder wurden wir von meinem Verleger vertröstet, immer wieder kamen neue Ausreden per Mail oder Telefon. Als der Titel schließlich lieferbar war stellten wir fest, dass er ihn falsch gemeldet hatte. Mein Name wurde bei Amazon falsch geschrieben, im VLB tauchte Jaqueline Berger als Co-Autorin auf. Für eine virtuelle, nur in meiner Fantasie existierende Figur war die Lady also ganz schön fleißig gewesen.
Um es kurz zu sagen – das Weihnachtsgeschäft ging nahezu an Jaqueline Berger vorbei. Es half kein Drohen, kein Flehen, kein Wimmer und kein Beten. Aus einem mir bis heute nicht bekannten Grund schaffte es mein Verleger nicht, die Dinge ordentlich über die Bühne zu bringen.
Und mitten in dieses Chaos hinein kündigte er Jaqueline Berger Band 2 an.
Wieder sollte es ein Schnellschuss geben, wieder standen die Zeichen auf Sturm. Obgleich ich mehrfach bat, den Termin zu verschieben – schließlich lag mir nichts an einer zweiten Pleite – kam er meiner Bitte erst nach, als mich eine Erkältung für zwei Tage aufs Lager warf. Nun war angeblich diese Erkrankung Schuld, dass das Buch nicht pünktlich erscheinen konnte. Nicht das Chaos, nicht die Schwierigkeiten des Verlages, nicht der teils wütende Mail-Wechsel. Nein, meine Erkältung.
Dies war der Moment, die Sache endgültig zu beenden. Wir hatten bis zu diesem Moment lediglich einen Vertrag über Band 1 – alles weitere sollte später geklärt werden. Dies war mein Glück, denn dieser Umstand erlaubte es mir, Band 2 zurückzuziehen.
Was ich auch tat.
Mein Verleger reagierte einerseits schockiert, andererseits nahm er meinen Entschluss wohl auch nicht für bare Münze. Erst Tage später begriff er, dass die Sache gelaufen war.
Somit endete mein kleines Abenteuer bei einem kleinen Verlag in Plaidt. Auch wenn sich die Sache mit Band 1 noch über Jahre hinzog und erst Anfang 2006 abschließend geklärt werden konnte, war es doch mehr oder weniger vorbei. Meine Haare waren in dieser Zeit scharenweise ausgefallen, mein linkes Auge zuckt noch heute nervös, wenn die Sprache auf diesen Verlag kommt. Aber – Versuch macht kluch, wie es so schön heißt.
Die eBook-Serie blieb von diesem Sturm unberührt, denn sie lief weiter. Und tut es heute noch, wie der jüngst erschienene Band zeigt.
So, nun wissen Sie, warum die Print-Serie ein so frühes Aus erlitt und was sich hinter den Andeutungen, Beschuldigungen und Geheimnissen dieser Zeit verbarg. Dies also zur Erklärung und mit dem Dank an meine Leser, der Serie trotz allem die Treue gehalten zu haben.
Retrospektiv gesehen hatte dieses Intermezzo auch einen positiven Effekt. Denn ohne das Drama wäre vielleicht jemand anderes nie auf mich aufmerksam geworden.
Aber davon mehr in meinem nächsten Artikel: Mythen und Mysterien aus Deutschland – die Idee eines Verlegers und was daraus wurde.
Mit SCHWARZen Grüßen
Ihr G. Arentzen
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