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Leserbrief Antwort

Peter Thannisch

Leserbrief von Peter Thannisch, August 2006

Peter Thannisch, München schrieb:

Sehr geehrter Herr von Allwörden,

ich habe gerade Ihre Kolumne im "" über den Autor Jason Dark gelesen und muss sagen, dass ich diesen wirren Mischmasch aus persönlicher Meinung, Gerüchteküche und Halb- und Unwahrheiten als wirklich unverschämt empfinde!

Es kann gut möglich sein, dass Ihnen Hrn. Rellergerds Sprachstil nicht zusagt, dennoch gehört Jason Dark zu den meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Die Leser seiner Romane mögen seinen Stil, sonst wäre sein Erfolg nicht denkbar. Aus über 1500 Romanen die ein oder andere Stilblüte herauszupicken ist nicht viel Arbeit. So mancher Autor bringt noch ganz andere Stilblüten, ohne jede Woche 150 Manuskriptseiten abliefern zu müssen! Die Äußerung persönlicher Meinung ist etwas anderes als berufsschädigender Rufmord!

Was diese ganzen Gerüchte um Jason Dark betrifft, verstehe ich nicht, wie Sie sich auf einen Anonymus namens "Jonas" berufen können, während wir wg. "Jerry Cotton" im engen Kontakt standen. Wäre es für Sie nicht besser gewesen, gesicherte Informationen aus erster Hand zu erhalten, statt sich auf einen unbekannten Gerüchteschmieder aus dem Internet zu berufen? Das ist nicht einmal schlechter Journalismus! Wenn Sie ein wenig recherchiert hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass Jason Dark die Romane um das "Schloß-Trio" gänzlich überarbeitet und modernisiert hat. Daß einen Roman mit Ostblock-Agenten kann man heutzutage wohl kaum noch als Jugendbuch auf den Markt bringen! Auch dass die "3 Helden" inzwischen alle mit Handys bewaffnet sind etc. hätte Ihnen auffallen müssen! Es handelt sich hier um alles andere als um eine bloße Neuauflage!

Dass es sich bei der Serie "Don Harris - Psycho-Cop" um zehn Jahre alte Romane handelt, ist frei erfunden! Zufällig bearbeite ich diese Reihe und spreche jeden Band mit Jason Dark im Vorfeld ab! Es ist mir unbegreiflich, wie man derartige Unwahrheiten als reale Tatsache hinstellen und solchen Unsinn auch noch weiterverbreiten kann!

Auf die anderen Gerüchte, die Sie aufgreifen und zum x-ten Mal verbraten, möchte ich schon gar nicht mehr eingehen.

Entschuldigen Sie, Herr von Allwörden, aber Ihre Kolumne ist nicht nur extrem schlecht recherchiert, ich empfinde sie als tendenziös und rufschädigend. Außerdem //hat das Ganze den unangenehmen Beigeschmack, als würde hier ein weniger erfolgreicher Autor über einen sehr erfolgreichen Kollegen herziehen! Vielleicht sollten Sie beim nächsten Mal etwas mehr Objektivität walten lassen, sonst ist der "" nicht mehr als eines von vielen Gerüchteküche-Magazine im Internet.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Thannisch


Der ehemalige Chefredakteur antwortet:

Schönen Dank für diese Reaktion, Herr Thannisch.

Ich gebe zu, diesen Leitartikel in provozierender Manier geschrieben und meiner persönlichen Meinung über den Schriftsteller Helmut Rellergerd und seinen mehr oder weniger interessanten Plänen und (vielleicht auch kolportierten) Absichten durchaus breiten Raum eingeräumt zu haben. Sinn dieser Leitartikel ist, solange ich diese schreibe (was ich keinesfalls auf Dauer zu tun gedenke), provokant, reißerisch und direkt zu sein. Kurzum: Man soll ich über diese Leitartikel aufregen können, wenn man das will. Darum bin ich scharf im Ton. Sarkastisch, zynisch und hart im Stil.

Kleiner Exkurs
Daher schon mal der Aufruf an alle, die meinen sie könnten das auch oder ganz anders als ich: Schickt Eure Leitartikel ein. Inhaltliche und formelle Vorgaben gibt es nicht. Soll auch heißen: Wer Jason Dark für seine Leistungen feiern will, auch das ist hier möglich. Solange der Text sich mit dem breit gefächerten thematischen Spektrum von befasst, ist im Grunde alles möglich.
Kleiner Exkurs - Ende

Ob es Ruf schädigend ist, was ich da tue, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber die Erfahrung sagt mir, dass dem nicht der Fall ist (denn Artikel und Rezensionen über John Sinclair bzw. Jason Dark. schreibe ich seit den frühen achtziger Jahren und die Serie erfreut sich immer noch einer gewissen Beliebtheit. Habe ich nun versagt? Ja, wenn ich mit missionarischem Eifer und der Vorgabe angetreten wäre, die Serie zu kippen und den Autor dem literarischen Orkus zu überantworten. Bin ich aber nicht, denn mein Motiv ist Lust an der Auseinandersetzung. Und da habe ich in den letzten 25 Jahren viel Erfolg und Spaß mit mir widersprechenden Fans gehabt, wie auch jetzt mit Ihrer Reaktion). Ich nehme den Blickwinkel des Fans ein und Fanpresse (gleich ob gedruckt oder im Internet) wird gern und ausgiebig (oft sogar zu recht) ignoriert (dem sollte man sich als Fan immer bewusst sein), denn die Interessen von Fan und Verlag divergieren.

Daher mache ich mir keine Sorgen, dass dieser Artikel (oder die anderen auf , im Zauberspiegel oder anderswo) irgendjemand in der Verlagsbranche beeindruckt oder dessen Handeln beeinflusst. Das war so, ist so und wird so bleiben. Fanzines, gleich welcher Art, sind wie Berge, die kreisen und Mäuse gebären. Sie dienen einzig dem Austausch unter Fans und deren akademischen Streitigkeiten. ist da keinesfalls als Ausnahme zu sehen. Leser ignorieren im allgemeinen Fans, wie diese die Leserschar ignorieren (oder sich im schlimmsten Fall Fans als Modell für den gemeinen Leser sehen).

Ich sehe also nicht, wie ich ein großes Verlagshaus davon abhalten könnte, sich der Marke Jason Dark bzw. dem Autor Helmut Rellergerd zuzuwenden und Bücher von ihm zu verlegen (obwohl es natürlich meinem Ego schmeicheln würde, der gefährliche Fan zu sein, der Helmut "Jason Dark" Rellergerd vom Sockel schreibt. Nur eine realistische Möglichkeit mein Ego derart pinseln zu können, sehe ich nicht und – ob mans glaubt oder nicht: Ich will das auch gar nicht. Ich bin nicht die BILD, zum Glück und meiner Befriedigung).

Und ich meine es auch ehrlich, wenn ich konstatiere, dass die Erfolgsgeschichte Jason Dark/John Sinclair Bewunderung verdient. Und er hat jeden Pfennig und Cent verdient, den er bekommen hat. Auf diese Erfolgsgeschichte können Verlag und Autor stolz sein. Warum der Autor nun offensichtlich herumlaviert und nach Höherem strebt, vermag ich nicht wirklich zu sagen. Will Helmut Rellergerd es nun allen zeigen? Ist er wirklich unzufrieden mit der Verlagsgruppe aus dem Bergischen? Fühlt er sich verkannt und vernachlässigt? Immerhin äußerte sich Helmut Rellergerd auf Cons der Achtziger dahin gehend, dass er mit den Gewinnen aus John Sinclair den Buchverlag Lübbe finanziert (das hat er mehrfach unter Zeugen verlauten lassen).

Aber es ist eben auch so, dass Bestsellerautoren wie Follett, Brown & Co. in anderen Ligen arbeiten. Da gibt es in Arbeitsweise und Stil Unterschiede. Das geht bei der Recherche los, führt das Schreiben als technischen Vorgang bis hin zur Publikationsform und der Erwartungshaltung des Lesers. Ich wage immer noch zu bezweifeln, dass Jason Darks ruppige Art zu schreiben (und die ideal fürs Romanheft ist bzw. war, denn mittlerweile schreibt er, wie Norbert Aichele es nannte "lesbares Kaugummi". Ich erinnere mich da an Bd. 1000, wo Sinclair auf sieben Seiten vor der Kapelle stand, wo er rein musste und wollte und quasi nun jeder Regentropfen beschrieben wurde), in der Liga der internationalen oder auch nur nationalen Bestsellerriege Bestand hätte, wenn Jason Dark vom Heft zum Taschenbuch und zum Hardcover wechselt, ohne dabei seine Marke John Sinclair mitzuführen. Da ist die große Frage, ob seine Leser mitziehen werden? Der Erfolg der "Psycho-Cop"-Romane wird in einigen Monaten Aufschluss darüber bringen. Warten wir es ab, wer sich irrt.

Auch Wolfgang Hohlbein ist unter Fans des Fantasy- und Horrorgenres nicht unumstritten (wie Rezis in der Fanpresse und abfällige Kommentare auf Cons zeigen). Was schert das seine Leser? Nichts. Nicht 100, 1.000 oder 10.000 Klicks am Tag auf könnten mir da helfen (und ich bin auch nicht so vermessen, dies anzunehmen oder zu erwarten, in dieser Hinsicht etwas zu bewegen – vgl. hierzu auch den Leitartikel "Quo Vadis, Fantasyfan?" der am 18. August online ging, wo es unter anderem um gefühlten und tatsächlichen Einfluss von Fans geht). Für mich geht es letztlich nur um die Lust am Schreiben provokanter Texte, die andere Fans so aufwühlen, dass wir miteinander streiten. Das bringt Leben in die Bude.

Es gibt ein paar Dinge, in ihrem Schreiben, denen es (aus meiner Sicht) zu widersprechen gilt.

Ich habe nicht einige wenige Stilblüten aus 1500 Roman herausgesucht, sondern aus der Vielfalt derselben, die mir spontan noch einfielen, einige sehr putzige erwähnt. Während der achtziger und neunziger war es im Zauberspiegel so, dass wir eine Stilblütenseite unter dem Titel "'Kleine' Zitate 'großer' Leute" unterhielten. Waren mal aus eigener Produktion oder aus gelesenen Büchern keine Stilblüten angefallen, so gab es den geflügelten Satz: "Lesen wir einen Sinclair" und schon war eine Doppelseite sicher gefüllt. Bd. 464 der John Sinclair-Serie füllte insgesamt 5 Seiten mit ich glaube 45 Stilblüten (und das waren nur die kurzen knackigen, aber es gab da diese dreispaltige Szene mit dem Werwolf, einer Birke und John Sinclairs Automobil, die wahnsinnig komisch war).

Wenn Hans-Ullrich Stefan nicht anderweitig gute bis sehr gute Arbeit geleistet hätte, so wäre damals der Spruch vom schlampigen Lektorat fällig gewesen. Aber er war ein akribischer Lektor und dennoch gingen ihm derartig viel Stilblüten durch. Und es passieren immer noch mehrere solcher Ausrutscher in jedem Heft und Taschenbuch. Von einigen wenigen sollte man da nicht sprechen. Es waren seit 1983/84 viele, sehr viele Stilblüten, die den Weg zum Käufer fanden. Dazu empfehle ich auch als Lektüre das Bastei-Forum, insbesondere die archivierten Beiträge des Vorgängerforums, wo sich frustrierte Altfans eben über Stilblüten und logische Fehler aufregen.

Und die "Original"-Manuskripte von Jason Dark waren wirklich abgetippt. Das Schriftbild einer Typenradmaschine und einer mechanischen Maschine unterscheiden sich nur allzu deutlich. Dazu muss man sich nur daran erinnern, dass in der mechanischen Schreibmaschine Stofffarbbänder Verwendung fanden, während in die Typenradmaschine Carbonfarbbänder eingespannt wurden. Auch das Schriftbild der zu gewinnenden Skripte war nicht die von Helmut Rellergerd propagiert Normseite mit 30 x 60 Zeichen. Daher bleibt die Frage bestehen: Wie sieht ein John-Sinclair-Original-Manuskript wirklich aus? Warum wurden nicht – wie bei anderen Autoren, von Jürgen Grasmück über Friedrich Tenkrat bis hin zu Rolf Michael – die Durchschläge der Original-Manuskripte bzw. deren Durchschläge verlost?

Zum Thema "Don Harris – Psycho Cop". Die Romane waren in den Neunzigern bei Heyne angekündigt, exakt auch als "Psycho-Cop Don Harris". Ich muss allerdings einräumen, dass ich nicht weiß, ob diese Ankündigung auf der Basis von Ideen oder bereits fertigen Manuskripten erfolgte. Ich war in meiner Naivität davon ausgegangen, dass Heyne da nicht die Katze im Sack beworben hatte, sondern auf der Basis von fertigen Skripten handelte. Fakt ist aber auch, dass Heyne diese Romane nicht veröffentlicht hat. Eben so nahe liegt dann der Schluss, dass das Münchener Verlagshaus, dann nur die Marke Jason Dark kaufen wollten. Denn wenn die Skripte auch ohne diesen Namen kommerziell viel versprechend gewesen wären, hätte Heyne die Romane unter dem Namen Helmut Rellergerd, Red Geller oder welchen auch immer veröffentlicht.

Was mich freut, dass Sie als Lektor Einfluss auf diese Romane haben, so dass ich in zwei Wochen mal in den Buchhandel gehen werde, um mir einen "Psycho Cop"-Roman anzusehen.

Zu "3 Helden"/"Schloßtrio" weiß ich nicht, ob man sagen könnte, der Kern der Geschichte wäre verändert worden. Im Endeffekt dürfte es immer noch ein Abklatsch von den "???", "TKKG", "Enid Blyton's Fünf Freunde", des legendäre Kalle Blomquist und seiner Freunde und anderer Detektivgruppen des Jugendbuches sein. Und genau dieser Kern war langweilig und fade. Da ist es nun egal, dass man einen Spion aus dem Ostblock ersetzt und den Heldennasen Handys in die Hand drückt. Das sind Äußerlichkeiten, kosmetische Korrekturen, die am eigentlichen Buch nichts ändern.

Zu Jonas: Dieser erscheint immerhin über ein paar Insider-Infos verfügt zu haben, wie eben über den Agenten Helmut Rellergerds, die Auseinandersetzung über das Pseudonym "Jason Dark". Daher nahm ich ihn als Aufhänger meines Artikels. Ihnen wir aufgefallen sein, dass ich ihn keinesfalls nachgebetet habe oder durch die Bank recht gab. Doch manches bei ihm, ist nicht von der Hand zu weisen.

Sie nicht konsultiert zu haben lag unter anderem daran, dass ich den Artikel, der Verlagsgruppe Lübbe auch zur Verfügung gestellt habe. Dies sogar ergänzt um den Post von Jonas aus dem Forum, damit man dort informiert war, worauf ich abgehoben habe. Sollte ich aber je wieder einen solchen Artikel schreiben, werde ich sie davon in Kenntnis setzen und ggf. Korrekturen unter Berücksichtigung Ihrer Antworten einarbeiten. Wenn ich nicht ohnehin einen kompletten Widerruf schreiben muss, um den kommenden hochqualitativen Bestsellern von Helmut Rellergerd aka Jason Dark die Ehre zu erweisen.

Ich hoffe, Sie begleiten uns (und auch mich und meine Ergüsse) weiterhin kritisch. Ob Sie es glauben oder nicht. Ich freue mich über ihre Reaktion und hoffe darauf, dass diese Antwort bei Ihnen den Bedarf an weiteren Kommentaren auslöst.

Schönen Dank und Beste Grüße von der Elbe an die Isar

Horst von Allwörden

P.S.: Peter Thannisch hat seinerzeit meinen ersten Roman, den "anerkannt schlechtesten" (Urteil eines Users des Bastei Forums) Trucker-King angekauft und bearbeitet, der dann als Bd. 220 "Höllenfluten" erschienen ist.

Da die Mail an mich nicht als Leserbrief gekennzeichnet war, schickte ich diese mit meiner Antwort zurück an Peter Thannisch und bat dabei um die Erlaubnis zum Abdruck. Die Antwort erfolgte dann auch ziemlich prompt.

Leserbrief (Antwort) Zweite Antwort
Peter Thannisch, München ergänzte also:

Lieber Herr von Allwörden,

bitte verzeihen Sie, dass ich jetzt erst antworte, da ich gestern mit einem Autor unterwegs war. Vielleicht hatte meine letzte Mail einen etwas ruppigen Ton, da ich zuerst wirklich sehr erschrocken und wütend war - ich arbeite nämlich mit Hr. Rellergerd nicht nur zusammen, sondern bin auch gut mit ihm befreundet, deshalb mein anfänglicher Zorn.

Ich habe Hr. Rellergerd noch nicht sprechen können, es sieht wohl aber so aus, dass er schon einmal eine Serie namens "Don Harris" oder "Psycho-Cop" bei Heyne angeboten hat, die aber niemals geschrieben wurde. Offenbar gefiel ihm der Titel so gut, dass er ihn beibehalten hat. Ich werde da noch einmal rückfragen. Die Romane jedenfalls sind sehr neu.

Bei den "3 Helden" sind zwar die alten Storys erhalten geblieben, allerdings wurde von Helmut Rellergerd eine ganze Menge in den Romanen umgeschrieben. Ich finde die neuen Fassungen sehr viel spannender und auch sprachlich besser als das alte "Schloß-Trio".

Was Hrn. Rellergerds Schreibstil betrifft, muss man berücksichtigen, dass er einen Sinclair-Roman tatsächlich in drei Tagen schreiben muss, um alle Termine einzuhalten. In der Anfangszeit von "John Sinclair" hatte er ja Unterstützung, darunter so tolle Autoren wie Fritz Tenkrat oder Richard Wunderer (Andrew Hathaway), doch die Fans merkten den Unterschied im Schreibstil und wollten "ihren" Jason Dark. Als Lektor arbeite ich mit sehr vielen deutschsprachigen Autoren zusammen, und Rellergerd gehört hier wirklich nicht zu den schlechten; so manch anderer deutscher Autor macht mir erheblich größere Arbeit und Kopfzerbrechen und ist sehr, sehr erfolgreich. Hier muss man einfach bedenken, unter welchen Bedingungen Sinclair-Romane entstehen - und trotzdem läuft die Serie noch immer mit großem Erfolg.

Wir werden abwarten, wie "Don Harris" bei den Lesern ankommt. Ich selbst bin sehr gespannt.

Bleiben wir einfach in Verbindung - für Rückfragen zu Projekten, an denen ich arbeite oder gearbeitet habe, stehe ich gern zur Verfügung, auch telefonisch.

Mit besten Grüßen

Peter Thannisch

HHVA antwortet noch mal:

Sehr geehrter Herr Thannisch,

Ihr "ruppiger" Ton war durchaus keine Überraschung. Ich habe schließlich lauthals in den Wald gebölkt. Da rechne ich auch mit dem entsprechenden Echo, ohne überrascht oder gar angefressen zu sein. Das ist wie auf dem Fußballplatz. Man massiert sich neunzig Minuten die Schienbeine und beschimpft sich. Und nach Abpfiff geht’s an den Tresen, um dieses oder jene Getränk zu verzehren.

Im Gegenteil: Ich habe mich darüber gefreut. Solange es nicht persönlich wird, geht alles in Ordnung. Sie und ich sollten, wenn wir uns über den Weg laufen, ein Bier oder einen Kaffee zusammen trinken und ein bisschen schwatzen.

Dann werde ich mal einen wohlwollenden Blick auf die "Drei Helden" und den "Psycho Cop Don Harris" werfen und nachsehen, ob das eine besser geworden ist und das andere stilistisch und inhaltlich mehr bietet als die durchschnittlichen Romane Helmut "Jason Dark" Rellergerds. "Unter der Lupe" nennen sich unsere Rezensionsseiten und da kommen die Romane mal hin.

Ich kenne sowohl Fans und Leser aus der Zeit der Co-Autoren in der John Sinclair-Phase. Nur den wenigsten Fans fielen die Diskrepanzen zwischen Helmut Rellergerd und seinen Co-Autoren auf. Obwohl gerade Richard Wunderer (der mit seinen Rick Masters und Monstrula-Romanen zu meinen Lieblingen zählt) und Walter Appel (einer der wichtigsten Dämonenkiller-Autoren) sich im Stil doch stark von dem des "Original-Darks" unterschieden. Ich bin damals wüst beschimpft worden, als ich in Artikeln und Leserbriefen schrieb, dass es a) Co-Autoren gäbe und b) die stilistischen oder (besonders im Falle Wunderers) die thematischen Unterschiede schon augenfällig wären. Von Fanseite wurde wüst abgestritten, dass es Co-Autoren gäbe. Das gipfelte darin, dass man über mich sagte "Manchem Mundwerk muss man das Handwerk legen" (Sie sehen, ruppige Töne haben in der Auseinandersetzung mit mir durchaus Tradition).

Leser, die ich mal im Kiosk traf und mit denen ich ins Gespräch kam oder die ich kannte, glaubten ohnehin nicht daran, dass es nur einen Jason Dark gäbe oder es war ihnen egal, solange nur jede Woche ein Heft erschien. Diese ganze Aufregung um Co-Autoren war nahezu komplett auf das organisierte Fandom beschränkt. Darüber hinaus wurde davon keine Notiz genommen.

Auch auf diese Erfahrungswerte gründet sich meine These, dass Jason Dark und John Sinclair eine Einheit bilden, die beide quasi aneinanderkettet und es dem Autor Rellergerd schwer machen, dass alte Publikum zu neuen Ufern zu führen oder sich gar eine neue Leserschicht zu erschließen. Helmut Pesch würde sagen: "Der Fluch der Serie" und lächeln.

Zum Stil von Helmut Rellergerd ist aus meiner Sicht zu sagen, dass er auch zu seinen besten Zeiten (von 1973 – 1982) wohl ideal für den Heftroman war, aber kaum Potential zeigte die Grenzen des Heftes zu sprengen und sich für Romane mit mehr Anspruch zu empfehlen. Aber: Für das Heft war er wie geschaffen. Simple Geschichten konnte er zügig, mit Tempo und spannend erzählen. Ich habe viele der frühen John Sinclair-Romane geradezu verschlungen und war hellauf begeistert. Es waren Romane dabei, die durchaus als Lehrbeispiele für ein Seminar verwendbar wären, dessen möglicher Titel: "Wie schreibe ich einen Spannungsheftroman?" lauten könnte.

Lediglich in "Melinas Mordgespenster" deutete er mal an, dass möglicherweise mehr in ihm steckte. Aber seine Leser zerrissen diesen – für Rellergerd'sche Verhältnisse – ambitionierten Roman, den sein Schöpfer verzweifelt auf den Leserseite gegen wüste Kritik verteidigte (die im übrigen nicht von mir kam, sondern aus den Reihen seiner Leser und Fans stammte, die so daran gewöhnt waren, dass Vampire, Ghouls und Dämonen in Massen erledigt wurden, dass ein Psycho-Thriller sie zu beinahe idiotischen und absurden Beschimpfungen führte).

Und Helmut Rellergerds große Stärke, seine Romane zu entwickeln, während er sie schrieb bzw. ja immer noch schreibt, erwies sich dann immer mehr als kontraproduktiv, wo Helmut Rellergerd immer stärker versuchte aus einer Reihe gut und sauber erzählter Einzelromane, eine Serie zu machen. Seine Arbeitsweise widersprach und widerspricht hier dem "Muss", die Übersicht über Entwicklungen, Ereignisse und Personen zu behalten. Da sind ihm im Laufe der Jahre dann doch sehr viele Schnitzer unterlaufen.

Und um wirklich wieder in Ruhe schreiben und eine Geschichte entwickeln zu können, müsste er Abschied von John Sinclair nehmen. Ob das klug wäre?

Nun ja, die Zukunft wird zeigen, was sich ergibt.

Und auf Ihr Angebot werden wir von gern und ausführlich zurückkommen. Und wenn es nicht zu vermessen wäre, würde ich sie gern nach einer Art Werkstattbericht zu "Psycho Cop Don Harris" fragen. Wie ist er entstanden? Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Helmut Rellergerd? Über einen Artikel würde ich mich freuen, der quasi die Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektorat dokumentiert. Wenn sie die Zeit finden, denken Sie doch mal darüber nach.

Und: Ich freue mich auf Auseinandersetzungen mit Ihnen. Und natürlich auf Ihre kritische Begleitung. Ich bedanke mich ausdrücklich für beide Briefe.

 

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