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Leserbrief Antwort

Leserbrief von Jochen Stude (Captain Elch) am 23. August 2006

Darf man sich in ein Thema einmischen, dass einen persönlich nicht betrifft? Ich denke schon, und tue das hiermit. Da mir die provokanten Leitartikel von HHVA aufgefallen sind, sage ich mal meine Meinung, und zwar speziell zum Thema John Sinclair. Vorweg sei gesagt, dass ich keinerlei Ambitionen hege, Herrn von Allwörden zu bauchpinseln, denn erstens kennen wir uns gar nicht, und zweitens habe ich das bestimmt nicht nötig und ich denke er auch nicht. Beim Lesen seiner Leitartikel fiel mir nämlich etwas auf: „Hoppla, da schreibt jemand im Großen und Ganzen das, was ich eigentlich auch so sehe.“
Meinen letzten Sinclair-Roman habe ich vor vielen Jahren gelesen, den letzten gekauft habe ich am letzten Dienstag, soviel zur Theorie der Rufschädigung. Auch konnte ich im Gegensatz zum Leserbrief von Katja Kiwit keine Angriffe auf die Person des Helmut Rellergerd erkennen. Auch ich gehöre zu der Fraktion, die früher jeden Sinclair-Roman verschlungen hat, ich war begeistert von den tollen Ideen, die Herr Rellergerd hatte. Mit der „Weisheit“ von nun über 40 Jahren, muss ich mich rückblickend fragen, ob ich einfach zu naiv war. Die Antwort lautet: Nein, war ich nicht. Mir hat das damals gefallen. Dennoch: aus alter Sammelleidenschaft kaufe ich Woche für Woche den neusten John Sinclair. Das ist rational nicht zu erklären. Man ist sich bewusst, dass man diese Hefte vermutlich niemals lesen wird, aber man kauft sie doch. Was ich aber jede Woche mit Begeisterung lese, ist die Leserseite. Mit Begeisterung deshalb, weil so viele unfreiwillig komische Zuschriften auftauchen. Natürlich mag es viele Leser geben, denen Sinclair gefällt. Warum auch nicht? Über Geschmack lässt sich ja zum Glück streiten und jeder soll das Lesen, was er mag. Allerdings frage ich mich manchmal, ob manche der Leserbriefschreiber schon mal was anderes als Sinclair gelesen habe. Ich nenne hier mal stellvertretend die turnusmäßig auftauchenden Vergleiche mit Stephen King!
Und was mich am meisten stört, sind die ewigen „John Sinclair ist klasse, besser als alles andere“ Briefe. Es geht mir hier nicht um die Meinung des jeweiligen Schreibers, der diese kundtut, das tatsächlich so empfindet und – wie oben schon erwähnt – auch sein gutes Recht ist. Und das der Verlag keine negativen Zuschriften veröffentlicht, kann man in gewisser Weise nachvollziehen. Dass negative Zuschriften aber durchaus positive Effekte erzielen, zeigen Beispiele aus Professor Zamorra oder Maddrax. Herr Giesa und Herr Schönenbröcher veröffentlichen kritische Meinungen und setzen sich dann damit auseinander. Oftmals provozieren diese Briefe dann positive Reaktionen anderer Leser. Schade, dass so etwa nicht mal bei Sinclair praktiziert wird. Warum soll nicht mal auf der Leserseite ein vom Tenor her negativer, aber dennoch sachlicher Brief veröffentlicht werden, mit dem sich dann Herr Rellergerd kritisch auseinandersetzt?
Abschließend möchte ich sagen, dass ich durchaus größten Respekt vor der Leistung und der Disziplin eines Herrn Rellergerd habe. Das heißt aber nicht, dass man alles kritiklos hinnehmen muss, was einem vorgesetzt wird.

Der ehemalige Chefredakteur antwortet:

Ich möchte dem nichts hinzufügen.

HHVA

 

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