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Florian Hilleberg aka Ripper schrieb:
TITEL: Romanheft-Sterben
Die Umfrage zu dem Thema "Wann ist der Heftroman tot?" ist ja nun abgeschlossen.
Die Mehrheit hat für "nie" gestimmt und dem kann ich mich nur anschließen. Wenn man, wie wahrscheinlich viele, die diese Seite besuchen, nur die Mystery- und Horror-Heftromane anguckt, kann man schon davon ausgehen, dass irgendwann Schluss ist.
Aber die Hauptstandbeine des Heftromans sind Western- und Liebes- bzw. Arzt-Romane. Davon sind immer noch einige Serien auf dem Markt und es werden immer wieder neue herauskommen. Auch wenn Sinclair eingestellt werden würde, würde der Bastei-Verlag mit Sicherheit wieder das ein oder andere Experiment starten.
Selbst der Kelter-Verlag ist wieder mit einer Grusel- und einer Krimireihe an den Start gegangen. Es wird also immer wieder den Versuch eines Neustarts geben.
Die Hochzeit des Heftromans, wie sie in den Siebzigern und Achtzigern vorherrschte wird wohl nicht zurückkehren, aber der Bedarf nach dem schnell konsumierbaren Roman ohne Anspruch (oder wenig) wird ungebrochen bleiben.
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Der ehemalige Chefredakteur antwortet:
Im Gegensatz zu Dir bin ich der Meinung, dass über kurz oder lang (im Laufe der nächsten 5 – 15 Jahre, so schätze ich) der letzte Heftroman in einem großen Publikumsverlag erscheinen wird. Ob er in Kleinverlagen länger überlebt, weiß ich nicht. Das hängt von den Leser und der Ausdauer der Verlage ab.
Gerade die von Dir angeführten Frauen-Romane haben auch einen wahnsinnig großer Aderlass hinter sich gebracht (Bastei bereinigte 2004/05 da ziemlich viele Titel – darunter viele Zweitauflagen). Kelter stützt sich auf Leni Behrendt und den wiederholten Nachdruck. Aber auch alteingesessene Projekte aus der Gründerzeit des Verlages sind verschwunden. Gerade hier schrumpfte der Heftroman.
Der Arztroman hat drei Paradeobjekte Dr. Stefan Frank und der Bergdoktor aus dem Bergischen sind die Bekannteren (auch durch die TV-Serien) und dazu von der Hamburger Konkurrenz Dr. Norden.
Dafür scheint sich das Taschenheft von CORA, überwiegend bestückt von US-Titeln, dort zu halten, aber das Segment für die "reife" Frau bleibt stabil, während das Teenagersegment zusehends schwächelt. CORA beklagte Anfang der Neunziger mal, dass gerade in diesem Segment sehr viele Leserinnen abhanden kommen und neue nicht im gleichen Umfang gewonnen werden konnten.
Auch der Western ist nur ein Schatten seiner selbst. Im Grunde sind nur noch die Western-Legenden, Texas Marschall (wobei bei letzteren abzuwarten bleibt, ob sie sich auf Dauer etablieren) und der ewige potente und bereite Lassiter mit Erstausgaben bestückt. Der Rest ist als Nachdruck in einer Dauerrotation, wobei da insbesondere Titel von den beiden G. F. (Basner - bei Kelter - und Unger – bei Bastei) gern wieder aufgelegt werden. Viele herausragende Autoren und deren Western im Fundus versauern.
Im Krimi scheint es nur Jerry Cotton zu schaffen und sich als ewiger Held zu halten. Das vielleicht sogar über das Ende des Heftes hinaus (wie wohl auch Perry Rhodan in der SF). "Chicago", ambitioniert gestartet, ist schon auf 14-tägige Erscheinungsweise heruntergefahren worden, was in aller Regel als schlechtes Zeichen zu werten ist. "Al Capone" (Kelter) ist lediglich ein Nachdruck aus besseren Zeiten.
Darüber hinaus gibt es Spannungsgenre immer noch den Landser, wo der 2. Weltkrieg dann doch gewonnen wird und das ewige Hohelied auf die soldatischen Tugenden gesungen wird.
Sieh Dir auf der Homepage der Verlagsgruppe Lübbe mal die Media Daten an. Die dort angeführten (gedruckten) Auflagen der einzelnen Programmsegmente wären Ende der sechziger Jahre Grundlage für die Schließung des kompletten Programms gewesen.
Die Konkurrenz für das Heft ist riesig. Das Fernsehen sendet durch. Elektronische Medien zum Mitnehmen erlauben es in der S-Bahn Filme und Serie zu sehen. Und die Anstrengung des Lesens entfällt dabei. Üble Zeiten fürs Heft. Der eigentliche Niedergang begann in den achtziger Jahren, wo Video und das Privatfernsehen auf dem Markt der seichten Unterhaltung erschienen. Und je präsenter elektronische Medien mit leicht zu konsumierenden Inhalten werden, je mehr verliert das Heft seine Bedeutung und damit auch seine Daseinsberechtigung. Also auch seine Konsumenten, sprich Leser.
Seit zwanzig Jahren schrumpft das Heft auf allen Ebenen. Die Anzeigenpreise sind ein Witz, verglichen mit der Konkurrenz (und das sind Zeitschriften aller Art, denn vertriebstechnisch wurde das Heft diesem Segment zugeschlagen). Lies es auf der Bastei Media-Seite nach, was eine komplette Rückseite (ohne Rabatt) für das komplette Männerprogramm kostet. Und wenn Du dann mal die Media-Daten von TV-Zeitschriften suchst, erschrickt nicht, was dort Anzeigen kosten. Ohnehin war das Heft nie der Werbemarkt für die großen Produkte. Zweitklassige Walkie-Talkies, Potenzmittel, Mittel gegen abstehende Ohren, Haarwuchsmittel dominierten und in den Siebzigern Arnold Schwarzenegger, der für Körperbildendes warb. Die großen Werbekunden blieben aus.
Austauschanzeigen zwischen Pabel und Bastei waren lange Zeit undenkbar. Mittlerweile durchaus nicht ungewöhnlich, dass Perry Rhodan auf der Rückseite von Bastei-Heften erscheint.
Es steht der Satz von W. Fuchs (früher Bauer, dann Burda aus den frühen Neunzigern), als ich auf den Heftroman ansprach. Er ließ verlauten: "Wissen sie eigentlich, wie unwirtschaftlich diese Dinger sind?"
Noch finden Heftverlage Sparpotential. Aber auch das ist mal ausgereizt. Was dann?
Beide noch im größeren Umfang Heft auf den Markt bringenden Verlage (Bastei und Kelter) sind noch in Familienbesitz. Aber zumindest Bastei ist ein Schnäppchen, dass sich größere Konzerne wohl gern aneignen würden. Der letzte große Publikumsverlag in Deutschland, der noch nicht zu einem großen Konzern gehört. Dazu das Potential einer gut eingeführten Audioabteilung und Autoren wie Dan Brown und Ken Follett. Wie lange wird es noch dauern, bis ein Angebot kommt, dass die Familie Lübbe nicht ablehnen kann? Was macht dann ein großer Konzern? Er optimiert das Programm ohne Rücksicht auf Traditionen. Welche Abteilung dürfte dieser Optimierung wohl zum Opfer fallen?
Ich fahre täglich in der S-Bahn und im Zug. Ich beobachte Leute auf dem Weg zur Arbeit, sehe was sie zur Ablenkung auf der stupiden Fahrt tun. Wenn sie lesen, so sind das – abgesehen von der Tagespresse, hier insbesondere die vom Boulevard - in der Mehrzahl Taschenbücher. Das Heft verschwindet hier nach und nach.
Ich gehe auch immer wieder mal zu Stilke, dem führenden Hamburger Bahnhofsbuchhandel. Es sieht übel aus. Viele Hefte in den Hamburger Bahnhofsbuchhandlungen gehen ungekauft zurück. Und der für das Heft vorgesehene Platz wird schon oft durch Comics und anderes aufgefüllt, weil die Produktion der drei verbliebenen Verlage diesen nicht mehr füllt. Manche Kioske, Kaffeeklappen (eine Hamburger Spezialität) und kleiner Schreibwarengeschäfte führen das Heft schon nicht mehr.
Das Sterben dieser Publikationsform trivialer Literatur ist keine Fiktion, sondern Realität.
Also war der Wunsch Vater des Gedankens vieler Abstimmender, denke ich.
Am 15. September kommt im übrigen exakt zu diesem Thema der Leitartikel "Quo Vadis, Romanheft?". Danach sollten wir weiterdiskutieren, ob das Heft nicht eine Überlebenschance hat und wenn nicht, wer wird der letzte Verlag sein, der das Licht aus und die Tür zumacht ...
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