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Filmrezensionen Zeichentrick/Anime - Mein Heimatland Japan

Mein Heimatland Japan
DVD, PAL
Anime Virtual S.A. German Version
Regie: Akio Nishizawa
ca. 90 min
Ton: Deutsch, Japanisch, deutsche und polnische Untertitel
2008 erschienen
FSK: ab 6 Jahren
Mit Bonusmaterial (Limited Edition)
Preis: 21, 95 €

Japan 1956. Das Land erholt sich langsam vom Krieg. Die junge Lehrerin Rieko Sakamoto übernimmt eine Grundschulklasse im Fach Musik und will sich mit den Schülern auf den regionalen Chorwettbewerb vorbereiten. Die Vorbereitungen werden allerdings unterbrochen, als herauskommt, dass Klassensprecher Akira und seine Freunde in einem Schreibwarenhandel gestohlen haben. Die Schulleitung und die Lehrer beschließen, dass der Chor nicht am Wettbewerb teilnehmen soll. Damit nicht genug ertrinkt auch noch Shizu, die mit ihrer Familie vor kurzem in die Stadt gezogen ist und mit ihrem Gesang und ihrem freundlichen Wesen ihre Mitschüler begeistert hat. Aber Akira und sein Freund Gon kämpfen dafür, dass der Chor schon allein im Andenken an Shizu am Wettbewerb teilnehmen darf.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich halte den Film für problematisch, und zwar aus mehreren Gründen. Die wichtigsten stellen der unverhohlene Patriotismus und die mangelnde Vergangenheitsbewältigung dar. Die Lehrerin drückt bei den Schülern mit dem eindeutig patriotischen Brief ihres Bruders auf die Tränendrüse. Es ist zwar völlig in Ordnung, wenn man Kulturgut bewahren will, in diesem Fall das traditionelle Liedgut, das die Grundschüler singen. Aber es ist nicht mehr in Ordnung, wenn nur in Bildern, aber nicht in Worten dargestellt wird, dass der Bruder ein Kamikaze-Pilot (bzw. richtiger: Tokkotai-Pilot) war (Bilder allein verstehen Unkundige nicht), und er sagt, dass er, um die japanischen Lieder bzw. die Kultur zu bewahren, in den Tod geht. Wenn man sich näher mit der Geschichte der Tokkotai-Piloten auskennt (im wahrsten Sinne Verheizung der Piloten, die zu größten Teilen unnötig gestorben sind, Zwang zu dieser Art von Selbstmordangriffen von den befehlshabenden Offizieren, Schürung des Patriotismus, um die Japaner und japanischen Soldaten zu u.a. solchen Aktionen zu bewegen) und mit dem Luftangriff der Japaner auf Pearl Harbor, der die Amerikaner letztendlich dazu bewogen hat, in den Krieg einzugreifen (ich weiß, ich habe das jetzt alles nicht komplex genug dargestellt, aber das würde die Rezension sprengen), der weiß, was für eine Farce diese Aussage ist. Denkt man dann noch an Hiroshima und Nagasaki, dann sieht man endgültig, wohin blinder Patriotismus führen kann und dass so eben nicht Kultur bewahrt, sondern im Gegenteil aufs Spiel gesetzt wird (ganz zu schweigen von den vielen ausgelöschten Menschenleben und den menschlichen Tragödien während des Krieges und der schweren Nachkriegszeit). Denkt man dann noch daran, dass sich Japan, gelinde gesagt, mit der Vergangenheitsbewältigung bis heute sehr schwer tut, hinterlässt der Film ein mulmiges und sehr ungutes Gefühl. Problematisiert wird also nichts, obwohl man hochproblematische Themen gewählt hat. Unglaubwürdig auch das Verhalten der Kinder im Anime. Niemand kann mir erzählen, dass die Kinder das komplexe Liedgut, das sie singen und das die Heimat verklärt, wirklich verstehen. Auch die patriotischen Sätze, die sie in gestochenem Stil von sich geben, wirken mehr als gestelzt und werden von Grundschülern realistisch gesehen einfach nur nachgeplappert, ohne zu wissen, was sie da sagen. In der Synchro merkt man denn auch, dass sich die Synchronsprecher gerade an Stellen, wo es patriotisch wird, schwer tun. Auch insgesamt ist die Synchro von der Qualität her eher durchwachsen. Die Zeichnungen selbst sind sehr gut, v.a. die Hintergründe, wenn man auch an manchen Stellen merkt, dass Digitaltechnik eingesetzt wurde. Als Bonus bietet die DVD zwei japanische Trailer des Filmes (die interessanterweise gerade die patriotischen Stellen zeigen), die sich geringfügig unterscheiden, und ein 24-seitiges Booklet mit Infos und Bildern zum Anime.

Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, warum ausgerechnet dieser Film auf der Berlinale 2006 gezeigt wurde und zwei Preise auf dem Lyon Asian Film Festival gewonnen hat. Wer wirklich gute Animes zu dem Thema Krieg und Nachkriegszeit sehen will, der greift besser auf Studio Ghiblis »Die letzten Glühwürmchen« oder auf den aus dem Manga von Keiji Nakazawa entstandenen Anime »Barfuß durch Hiroshima« zurück. Die Altersangabe (6 Jahre) halte ich übrigens für zu jung. Kinder in diesem Alter können mit diesem Anime nichts anfangen, geschweige denn ihn verstehen.

Bewertung:



© Ulrike Dansauer

 

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